|
AJ-GANG Wir wollen mit unserer Musik ganz bewusst polarisieren...
Mit âDas einzige, was
zĂ€hltâ veröffentlicht die AJ-GANG, Deutschlands erste
Tierschutzband, ihr zweites Album. Ihre anspruchsvolle Botschaft wird verpackt mit funky groovigen Sounds und intelligenten Texten, die zum Nachdenken anregen. inMusic unterhielt sich mit
SĂ€nger und Saxophonist MR. BURNS.
inMusic: Seit wann gibt es denn die AJ-Gang?
Mr. Burns: Im Sommer 2002 haben wir uns als Band gegrĂŒndet, wobei wir uns aber
schon viel lĂ€nger kennen. Der Bassist (Mr. Bassman) ist gleichzeitig mein Bruder, mit dem Gitarristen K.J. haben wir âne WG zusammen unsicher gemacht und unseren
Schlagzeuger (The Heretic) kennen wir schon seit unseren Teenager-Tagen.
inMusic: Wart ihr vor der AJ-Gang auch schon in anderen Bands aktiv?
Mr. Burns: Ja, Mr. Bassmann und K.J. hatten zusammen ein deutschsprachiges
Funk-Rap-Projekt am Start (Jamloop), und ich habâ mit meinem Bruder auch schon in âner anderen Band gespielt. Ein Jazzquintett gab es auch - Mucke machen wir also
schon ziemlich lange... 2002 wurden wir dann in Wien zu einem veganen StraĂenfest eingeladen, weil sie dort Musiker brauchten. Das war eigentlich mehr âne Jam, noch
ohne Bass und richtiges Schlagzeug. Uns hat das dann so gut gefallen, dass wir dann beschlossen haben, mit der AJ-Gang die erste deutsche Tierschutz-Band ins Leben
zu rufen. Zumal wir alle schon seit vielen Jahren ĂŒberzeugte Vegetarier sind. Tja, und dann haben wir auf der Heimfahrt von Wien die ersten beiden Songs geschrieben...
inMusic: Songs wie âIch will lebenâ und âBrunoâ unterstreichen auf der CD
den unterstĂŒtzenswerten Tierschutzgedanken eurer Musik. Vielleicht kannst du mir ein bisschen etwas ĂŒber eure AktivitĂ€ten in diesem Bereich erzĂ€hlen?
Mr. Burns: Wir spielen sehr oft auf Tierrechtsveranstaltungen und Demonstrationen
gegen die Jagd oder gegen Fleischkonsum. Auf unserem ersten Album âMeat Is Murder - Eat No Animalsâ, das vor zwei 2 Jahren erschien, ging es in den 12 Songs
deshalb eigentlich auch nur um den Tierschutz. Auf unserem neuen Album âDas einzige, was zĂ€hltâ sind wir das Ganze etwas dezenter angegangen. Es gibt zwar
noch Tierschutzsongs, aber diese sind fĂŒr den Hörer nicht mehr so angreifend, wie das bei âMeat Is Murderâ vorwiegend der Fall war.
inMusic: Gibt es spezielle GrĂŒnde fĂŒr das etwas dezentere Verpacken eurer Botschaft auf der neuen Platte?
Mr. Burns: Ja, wir mussten die ganze Sache von den Texten etwas ruhiger angehen.
Viele Veranstalter wollten uns auch gar nicht mehr auftreten lassen, weil sie Angst hatten, dass wir ihnen das Publikum mit unseren direkten Texten vergraulen.
Nichtsdestotrotz sind wir nach wie vor eine Tierschutz-Band und wollen den Tieren mit unserer Musik eine Stimme verleihen!
inMusic: UnterstĂŒtzt ihr mit euren Erlösen vielleicht auch Tierschutzheime o.Ă€.?
Mr. Burns: Ja, genau. Wir spielen zwar meistens ohne groĂe Gagen, aber wir tun da
was wir können. Besonders aktiv sind wir bei der UnterstĂŒtzung der Initiative zur Abschaffung der Jagd (Brennglas Verlag). Das Brennglas gibt ĂŒbrigens auch die
Zeitschrift âVegetarisch genieĂenâ und âFreiheit fĂŒr Tiereâ heraus und ist nebenbei auch noch unser Management. So geht das praktisch Hand in Hand.
inMusic: Welche Reaktionen gibt es eigentlich von Seiten des Publikums bei euren Konzerten?
Mr. Burns: Das ist sehr unterschiedlich, weil wir mit unserer Musik ja ganz bewusst
polarisieren. Wenn wir auf dem Marienplatz vor einer Demo spielen, ist manch einer schon ganz schön angepisst und sauer. Neben viel Zustimmung gibt es viele Leute
aus der Jagdszene, die das, was wir machen, gar nicht gut finden. Da gibt es schon mal wĂŒste Beschimpfungen und böse eMails...
inMusic: Von der musikalischen Ausrichtung her ist das Material auf âDas
einzige, was zĂ€hltâ sehr abwechslungsreich. Da gibt es funkige Groover, BlĂ€sersections, rockige StĂŒcke, aber auch ruhigere Sachen wie âStadt aus Glasâ...
Mr. Burns: Ja, wir haben da ganz bewusst eine sehr ausgewogene Mischung
gefahren. Es gibt sehr viel gitarrenlastiges Zeugs wie âGammelfleischâ und âPommesâ, aber auch zwei ruhigere Nummern. âStadt aus Glasâ befasst sich
thematisch auch mit einem ganz anderen (heiklen) Bereich, den wir unterschwellig angerissen haben: Kindesmissbrauch durch einen Priester).
inMusic: Wie ist eigentlich eure Vorgehensweise bei der Entwicklung eines Songs?
Mr. Burns: Das ist ganz unterschiedlich. Der kreative Kernpunkt ist unser Gitarrist, der
uns mit allen möglichen Ideen bombardiert. Das können auch schon erste Tapes sein, die ich mir dann anhöre und zu denen ich dann einen Text schreibe. Das ist eine
Variante. Möglich ist aber auch, dass wir Text und Musik im Proberaum mittels Jamming entwickeln. Ich persönlich bervorzuge die zweite Variante, weil sie mich als
Texter nicht so unter Stress setzt und wir die Nummern als Band schön kreativ erarbeiten können...
Rainer Guérich
CD: Das einzige, was zÀhlt (Brennglas Verlag) www.aj-gang.de
|