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HEMLOCK SMITH
Große Songwriter-Kunst trifft komplexen Songaufbau

Wer auf ausdrucksstarke Songwriter-Kunst steht, ist bei denen aus der Schweiz stammenden HEMLOCK SMITH an der richtigen Stelle. Keine Song-Konfektion von der Stange, sondern intelligente und abwechslungsreich arrangierte Kompositionen, die um die samtene und dunkel gefÀrbte Stimme von SÀnger und Mastermind MICHAEL FREI kreisen. inMusic hatte die Gelegenheit zu einem Interview...

 

inMusic: Kannst du mir bitte zu Anfang etwas ĂŒber die bisherige Bandgeschichte erzĂ€hlen. Seit wann gibt es Hemlock Smith?

Michael: Das Projekt ist Anfang 2000 entstanden, weil ich aus dem fĂŒr mich etwas engen Bandkonzept ausbrechen wollte, um mit anderen (sprich mehreren) Musikern meine eigenen Ideen verwirklichen zu können. 2002 ist dann die erste Platte „A Secret Life“ erschienen, die noch sehr von Loops und Soundexperimenten geprĂ€gt war. 2006 erschien dann unsere zweite CD “Umbrella Fitz & Gerald“, die von Husky HoskĂŒlds (Sound Engineer aus Island und Los Angeles, der u.a. fĂŒr Joe Henry, FantĂŽmas, Elvis Costello, Norah Jones und Tom Waits gearbeitet hat) abgemischt wurde. 2008 ist dann ein Side-Project erschienen, eine Stummfilm-Musik („Sir Arne‘s Treasure“). Tja, und nun erscheint mit „Keep The Devil Out Of Hillsboro“ unser drittes, offizielles Album...

inMusic: Was kannst du mir denn ĂŒber die Studioarbeiten zu „Keep The Devil Out Of Hillsboro“ erzĂ€hlen? Welche Erinnerungen hast du daran?

Michael: Die Platte wurde in einem Zeitraum von 5 Tagen live aufgenommen, (+ 2 Tage fĂŒr BlĂ€ser und Streicher). Wir waren extra in einem großen Studio, damit alle Musiker die Möglichkeit hatten, gleichzeitig zu spielen, um so ein Maximum an SpontaneitĂ€t zu bewahren. Die Musiker kannten die Songs kaum, und es gab nie mehr als drei Takes des gleichen Songs, die AtmosphĂ€re war also sehr konzentriert. Meine Erinnerungen daran sind phantastisch: Ich hĂ€tte nie geglaubt, dass es mir möglich sein wĂŒrde, 14 Songs innerhalb so kurzer Zeit aufzunehmen und die KomplexitĂ€t der Arrangements in dieser TonqualitĂ€t wiedergeben zu können. Ich bin sehr glĂŒcklich mit diesem Album.

inMusic: Die einzelnen Songs verfĂŒgen ĂŒber eine sehr emotionale und faszinierende AtmosphĂ€re. Euer Sound klingt mystisch, geheimnisvoll, dark, bezaubernd, avantgardistisch, verspielt, jazzig, theatralisch und noch vieles mehr. Die instrumentale Vielfalt und der komplexe Songaufbau ist beeindruckend. Da laut den credits alle Songs aus deiner Feder stammen: Hast du Musik studiert oder woher rĂŒhrt deine Fertigkeit solche feingliedrigen Kompositionen zu entwerfen?

Michael: Danke fĂŒr das Kompliment. Ich verstehe eigentlich nichts von Musik, kann keine Noten lesen und ungefĂ€hr 4 Akkorde am Klavier, aber ich höre irgendwie im Kopf, wie die Musik sein sollte und versuche das dann meinen Mitmusikern zu erklĂ€ren. Mein Pianist, Fabrizio Di Donato (ein sehr talentierter und musikalisch ausgebildeter Mann), hat dann die schwierigeren Arrangements (BlĂ€ser und Streicher) fĂŒr mich geschrieben.

inMusic: Unverkennbares Trademark auf der Scheibe ist natĂŒrlich deine warme, fesselnde, manchmal erzĂ€hlende und dark gefĂ€rbte Stimme, die mich an den großartigen Jack Hardy erinnert, von dem ich zwei LPs im Plattenregal stehen habe. Wann hast du eigentlich zum ersten Mal entdeckt, dass du eine solch sonore Songwriter-Stimme hast?

Michael: Tja, das Ding mit meiner Stimme. Als ich klein war, haben mir meine Lehrer verboten, mit der Klasse zu singen, weil sie so furchtbar tönte. Irgendwie an meiner Stimme zu arbeiten und an sie zu glauben war ein langjĂ€hriger Prozess. Ich muss sagen, dass ich eigentlich erst jetzt, mit dieser Platte, richtig zufrieden bin mit mir und weiß, wie ich meine Stimme einzusetzen habe, damit sie korrekt rĂŒberkommt. Um also auf Deine Frage zu antworten: vor ca. 18 Monaten.

inMusic: Das hÀtte ich jetzt nicht gedacht. In welcher Stimmung schreibst du deine Songs am liebsten?

Michael: Um zwei Uhr morgens, leicht bedrĂŒckt, melancholisch, aber irgendwie aufgeregt, weil ich spĂŒre, dass in meinem Unterbewusstsein etwas passiert.

inMusic: Hörst du gerne Jazz? Mit „The North Sea“ hast du dem großartigen, leider viel zu frĂŒh verstorbenen schwedischen Pianisten Esbjörn Svensson auch ein StĂŒck auf der Platte gewidmet.

Michael: Ich bin eigentlich so ein Quer-Jazz-Hörer. Ich mag die Harmonien und Akkorde des Jazz, aber dafĂŒr die Endlos-Solis eher weniger. FĂŒr mich war Esbjörn Svensson wichtig, weil er versuchte, den Jazz mit Rock und Avantgarde zu verbinden und somit weiterzuentwickeln. Einige StĂŒcke erinnern ja sehr direkt an Radiohead. Als er starb, war ich sehr traurig, auch weil sein Tod irgendwie „doof“ war (Taucherunfall). Ich habe dieses StĂŒck innerhalb einer Stunde geschrieben, wollte es allerdings weder aufnehmen, noch auf eine Platte beamen, weil ich nie aus seinem Tod Profit machen möchte. Allerdings ging mir das StĂŒck nicht aus dem Kopf. WĂ€hrend den Aufnahmen habe ich dann dem Musikern vorgeschlagen, doch einen Versuch zu wagen. Was man auf der Platte hört, ist der erste „Take“. Als ich dann merkte, dass hier eine gewisse „Magie“ mit im Spiel war, habe ich nachgegeben und den Song fĂŒr die Platte freigegeben, als WĂŒrdigung fĂŒr einen großartigen Musiker.

inMusic: Hast du bestimmte Songs auf der Platte, die du besonders magst, einer meiner Favoriten ist „The Loveless Eternal“


Michael: Dieser Song ist auch einer meiner Favoriten, weil er versucht, einen französischen Chanson mit John Bonham zu verbinden, etwas das auf Papier unmöglich erscheint. Dass es mir irgendwie gelungen ist, freut mich sehr. Zu meinen persönlichen LieblingsstĂŒcken zĂ€hlen insbesondere noch „Dunkirk/Jerusalem“, weil ich 20 Jahre an diesem Song gearbeitet habe und „Spring Is Mine“, das ich speziell fĂŒr meine Frau geschrieben habe.

inMusic: Kannst du mir bitte etwas ĂŒber eure musikalische Arbeit zu dem Stummfilm „Sir Arne‘s Treasure“ aus dem Jahre 1919 erzĂ€hlen, den ihr Anfang 2008 vertont habt?

Michael: Wir haben 106 Minuten komplett neue Musik innerhalb 2 Monaten schreiben und proben mĂŒssen, fĂŒr eine AuffĂŒhrung, bei der die Musik nie aufhört, ganz ohne Pause. Das war sehr schwierig und hat uns musikalisch enorm viele Fortschritte gebracht. Ich habe fĂŒr dieses Projekt 10 Songs geschrieben, die das innere Leben der Personen im Film besser ausleuchten. Der Rest sind Instrumentaltracks, alle von meinen Mitmusikern geschrieben. „Sir Arne‘s Treasure“ ist also im Gegensatz zu den anderen Platten ein richtiges „Band“-Projekt, was die Musik auch etwas verĂ€ndert hat. Der großartige Saxophonist Tassilo JĂŒdt ĂŒbernimmt hier die melodische Hauptrolle. Deshalb spĂŒrt man auf dieser Platte die EinflĂŒsse aus dem Jazz auch ganz deutlich. Die DVD/CD zu diesem Projekt haben wir live aufgenommen. Sie ist allerdings offiziell nur in der Schweiz erhĂ€ltlich.

inMusic: Welche AktivitÀten stehen mit Hemlock Smith demnÀchst an ?

Michael: Wir werden versuchen, nĂ€chstes Jahr in der Schweiz, Frankreich und Deutschland zu touren, weil die Platte in diesen drei LĂ€ndern wahnsinnig positiv aufgenommen wurde. Wir sind da noch am Organisieren. Parallel dazu habe ich angefangen, die Songs fĂŒr die neue Platte zu schreiben, die 2011 herauskommen soll.

inMusic: Noch eine Botschaft an unsere Leser?

Michael: Bitte hört euch unsere Platte nicht nur einmal, sondern mehrmals an. Es lohnt sich! Und ich freue mich auf jede Botschaft, positiv oder negativ, auf unserer Myspace Seite...

Rainer Guerich
CD: Keep The Devil Out Of Hillsboro (Phénix Records/Radar)

www.hemlocksmith.ch
www.myspace.com/hemlocksmith
 

 

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