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NAOKI KENJI Meisterwerk in Sachen Electronica und Lounge
„Musik entsteht bei mir
aus dem Bauch heraus“, erzählt NAOKI KENJI zur Entstehung
seines neuen Albums „Versatile“. „Wenn ich einen Titel in meinem Studio einspiele, muss er mich auf Anhieb packen. Wenn eine Songidee das nicht tut, verfolge ich sie auch
nicht mehr weiter.“ Klar, dass bei einem solch hohen Qualitätsanspruch nur ein Meisterwerk in Sachen Electronica und Lounge entstehen konnte. inMusic unterhielt sich mit dem Meister der
facettenreichen Loungestrukturen und elektronischen Beats...
inMusic: Mit „Tsunami“ findet sich eine mächtig pluggende Elektronummer auf deinem neuen Album. Wie bist du auf diesen Titel gekommen?
Naoki Kenji: Das hat erstaunlicherweise nichts mit der tragischen
Tsunami-Katastrophe im Dezember letzten Jahres zu tun. Ich hatte den Titel bereits einen Monat vor dem UnglĂĽck fertig. Mir schien diese japanische Bezeichnung ganz
passend, da die Nummer mit ihren Elektrobeats sehr straight nach vorne geht, wie eine Riesenwelle auch. Tja, und als dann dieses furchtbare UnglĂĽck geschah, wollte
ich das StĂĽck auch nicht mehr umbenennen, zumal auch schon das Video im Kasten war...
inMusic: Eine besondere Stellung auf dem Album nimmt zweifellos auch „Let
It Flow“ ein. Diese Nummer wurde bereits auf deiner „Ecoustic“-CD veröffentlicht und erscheint nun in einer jazzigen Mixversion zu Ehren deiner langjährigen, vokalen Begleiterin Dany Beck?
Naoki Kenji: Ja, Dany ist 2004 unmittelbar nach Veröffentlichung von „Ecoustic“
verstorben, was mir persönlich sehr nahe gegangen ist. Sie war eine außergewöhnliche Sängerin, die auf allen meinen Alben (auch JP Juice) für die
Vocalfeatures verantwortlich war. Ich wollte mich mit diesem Jazz Mix von „Let It Flow“, der allerletzten Nummer, die sie für mich eingesungen hat, noch einmal bei ihr
bedanken und habe ihr das ganze Album auch gewidmet.
inMusic: Die weiblichen Vocalparts auf „Versatile“ stammen von Pat
Appleton (u.a. De:Phazz) und Christine Klaar. Letztere ist mit ihrem smoothen Gesang gleich auf 2 Stücken („Endless“ und „Rain“) vertreten. Wie hast du Christine kennengelernt?
Naoki Kenji: Das war ein Tipp von Tomio Tremmel (Sushi Club), der mir Christines
Gesang sehr ans Herz gelegt hat. Wir haben uns dann getroffen und recht spontan bei ihr im Heidelberger Studio die Vocals zu „Endless“ aufgenommen. Und weil das dann
so gut gepasst hat, hab’ ich sie auch noch mal für den Gesang zu „Rain“ eingeladen.
inMusic: Wenn man nicht in die Credits der CD schaut, fällt einem nicht
unbedingt auf, dass auf den einzelnen Stücken der Scheibe (Dany Beck auf der Mixversion von „Let It Flow“ eingerechnet) drei verschiedene
Sängerinnen tätig sind. Stimmlich sind Dany, Pat und Chistine doch schon sehr ähnlich...
Naoki Kenji: Ich finde, dass Pat auf „Bedtime“ mit ihrer souligen, vordergründigen
Stimme schon etwas heraussticht. Aber du hast schon recht, der weibliche Gesang klingt schon sehr homogen, weil er bei meinen StĂĽcken immer eine unterstĂĽtzende
Funktion hat und nicht den Charakter eines Titels.
inMusic: Die Lyrics zu den einzelnen Vocalnummern stammen aus der Feder
der jeweiligen Sängerin. Hast du Ihnen den Basicsound vorgegeben, und sie haben sich entsprechende Texte einfallen lassen, oder wie muss ich mir das vorstellen?
Naoki Kenji: Da mache ich größtenteils schon ganz konkrete Vorgaben. Das heißt,
ich hab’ eine bestimmte Idee, wie ein Stück zu klingen oder wie eine Vocalline zu gehen hat. Natürlich können die entsprechenden Sängerinnen dann während der
Aufnahme ihren persönlichen Input dazu geben und entsprechende Variationen machen. Das ist klar, diese Kreativität entsteht aber erst während der eigentlichen Aufnahme.
inMusic: Kannst du mir bitte etwas Backgroundinfos zu den beiden wunderbaren Stücken „La Musique Japonaise“ und „Haru“ geben!
Naoki Kenji: Auf „La Musique Japonaise“ ist meine Schwester im Hintergrund zu
hören, die dort einige lustige Dinge auf Französisch von sich gibt. Mir schien der Titel ganz passend, da gewisse Harmoniefolgen und Strukturen ein gewisses japanisches
Flair haben. Das haben mir zumindest einige Leute bestätigt. - Auf „Haru“ (dt. „Herbst“) läuft im Background ein japanisches Gedicht, das von meiner Mutter geschrieben wurde.
inMusic: Schön, wenn man seine Familie so charmant auf seinem eigenen
Album in Szene setzen kann. Um was geht’s textlich in dem „Haru“-Gedicht?
Naoki Kenji: Nichts groĂźartig Bewegendes. Es ist einfach eine poetische
Beschreibung des Herbstes mit seinen bunten Blättern usw. Das sind auch nur 3 bis 4 Sätze, eine klitzekleine Anekdote, ein farbenprächtiger Klangtupfer...
inMusic: Reimen sich japanische Gedichte eigentlich auch, so wie man das aus dem Deutschen kennt?
Naoki Kenji: Nicht zwingend, es gibt in „Haru“ auch kein Reimmaß, sondern lediglich
eine sehr poetisch umschriebene Situation. Es ist unheimlich schwer, den Sinn dieses Poems ins Deutsche zu ĂĽbersetzen, da du nie den Kern des Gedichts treffen wirst.
inMusic: Sehr geschmackvoll und fast poetisch ist auch die Gestaltung des Coverartworks der Digipak-CD. Stammen die Grafiken von dir?
Naoki Kenji: Nein, in dieser Richtung bin ich völlig untalentiert. Das hat ein Grafiker
aus Hamburg gemacht, der mit den dezenten Bildern und Figuren mich und meine Musik sehr gut eingefangen hat.
Rainer Guérich CD: Versatile (4mpo/Intergroove) www.naokikenji.com
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