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LINKER OFFENSIV VERTEIDIGER
Den Ball ĂŒber das gĂ€ngige Floor-GerĂŒst hinĂŒber gekickt

Nachdenkliche Botschaften, straighte Elektronik, Tanzbarkeit, stimmige Minimoog, ironische Finesse, auch mal eine Telecaster. - Der Linke Offensiv Verteidiger macht auf seiner aktuellen CD „Du der da“ elektronische Musik, variantenreich, tanzbar und mit Hintersinn.

 

Vielleicht könntest du zu Anfang etwas zur Entstehungsgeschichte von "Du der da" erzĂ€hlen. Du hast dein Equipment zusammengepackt und hast dich zum Ausarbeiten der Tracks in eine kleine HolzhĂŒtte nach DĂ€nemark verkrochen?

Stimmt, das lag daran, dass wir zwischenzeitlich ein altes Haus gekauft haben und sich die Sanierungsarbeiten ewig hinzogen. Immer war irgendetwas fernab der Musik zu tun. Dementsprechend hatte ich im Studio, das an das Haus anschließt, einfach keine Ruhe. Also packte ich (fast) alles inkl. einem 48 Kanal Mixer ins Auto und verzog mich nach DĂ€nemark in eine kleine HolzhĂŒtte direkt am Strand. Ohne Fernseher, Radio und Internet blieb mir gar nichts anderes ĂŒbrig als 12-14 Stunden am Tag Musik zu machen, wodurch die Arbeit am Album absolut intensiv und gebĂŒndelt war. Kleine Story am Rande: Irgendwann klopfte eine finnische Nachbarin an, die sich sorgen machte, dass ich mir aus Liebeskummer das Leben nehmen will! Irgendwie muss sie mich wohl beobachtet haben, denn  sie sagte: „Immer sitzen Sie am Tisch, und dann geht die TĂŒr auf, Sie rauchen und die TĂŒr geht wieder zu.“

Unter dem Alter Ego "Red Sparrow" hast du auf Wohnton dein erstes Album "Endless Loop" veröffentlicht, das von der Anlage her noch vertrackter war. Diesmal schien es dir wichtiger zu sein, die elektronischen Sounds straighter und tanzbarer zu halten?

„Endless Loop“ ist beinahe das krasse Gegenteil von „Du der da“. Die Idee damals war, jeglichen Fluss aus der Musik herauszunehmen: Immer wenn ich der Meinung war, dass der Zuhörer einen Faden gefunden haben könnte, kommt ein Break, ein Stilwechsel, ein Schlag vor den Kopf. Nix mit Intro, Strophe, Refrain, Strophe, Refrain, Bridge, Strophe, Refrain... - Der Linke Offensivverteidiger hingegen sollte den Ball ĂŒber das gĂ€ngige 4 on the floor GerĂŒst einigermaßen am Laufen halten, ohne sich jedoch den typischen Anforderungen an Clubproduktionen zu unterwerfen. Nicht, dass du mich falsch verstehst, ich habe nichts gegen ein tollen Popsong und Tracks, die auf den Floor zielen, MÜSSEN dort auch funktionieren. Das ĂŒberlasse ich aber anderen. Ich mache meine Musik vorrangig von meinen AnsprĂŒchen abhĂ€ngig, nicht von denen anderer.

Hast du dein neues Projekt "Linker Offensivverteidiger" genannt, weil du ein Fussball-Fan des MSV Duisburgs bist?

Der MSV ist zwar mein Lieblingsverein, aber der Projektname hat damit nichts zu tun. Es ist ĂŒbrigens witzig, wie selbst erfahrene Musikredakteure auf Grund eines Projektnamens anfangen zu kategorisieren, ohne jemals die Musik gehört zu haben. Viele sind davon ausgegangen, dass es sich Bei „Du der da“ um eine Punkscheibe handeln muss. Jetzt stell dir mal vor, ich hĂ€tte das Projekt Rechter Offensivverteidiger genannt, dann wĂ€re die Scheibe wohl unter Oi! eingeordnet worden und dementsprechend ungehört im Papierkorb gelandet...

Bemerkenswert ist deine sehr weitschweifende Version des 70er Jahre Klassikers "Popcorn", die das Original erst am Schluss erkennen lÀsst und bei dem du auch eine E-Gitarre (?) eingesetzt hast. Hast du die Scheibe im Plattenschrank stehen oder wie bist du auf die Variation dieser Nummer gekommen?

Mit „Popcorn“ war es so, dass ich eine Anfrage bekam, ob ich nicht Interesse hĂ€tte, den Song fĂŒr eine Compilation neu zu bearbeiten. Da ich das Original wirklich liebe und keine Lust hatte, es – wie viele vor mir – einfach floortauglich zu machen, setzte ich mich hin, baute ein GrundgerĂŒst aus Schlagzeug und Bass und fuhr zu einem Bekannten, der mir die Gitarrenparts einspielen sollte. Ich sagte ihm, was mir vorschwebt, was auch wirklich prima funktioniert hat (Danke Cesar!). ZurĂŒck im Studio merkte ich dann, dass man Popcorn gar nicht so sehr auf das Thema reduzieren muss, da der Song einfach clever aufgebaut ist und so viel Substanz fernab des Themas besitzt, dass es fĂŒr mich und die potentiellen Hörer einfach interessanter wird, wenn ich eben nicht 5 Minuten auf der altbekannten Melodie herumreite. Statt dessen machte ich ein kleines Ratespiel daraus. Das ist auch der Grund, weshalb ich das Thema ganz zum Schluss doch noch einbringe – quasi als Auflösung.

Eine Ausnahmestellung auf der Platte nehmen die 5 mit Vocals durchtrĂ€nkten Songs ein, bei denen du deine gewonnenen Lebenseinsichten mit einem guten Schuss Ironie vermengst. Mir persönlich gefĂ€llt vor allem das immer vehementer werdende TitelstĂŒck mit dem wogenden Beat und dem wiederkehrenden Refrain: "Wartest auf den Boten und wartest auf den Kaiser". Witzig ist auch der "Meerschweinchenexpress", du scheinst diese Viecher nicht richtig zu mögen, oder? Vielleicht kannst du mir ĂŒber diese beiden StĂŒcke was erzĂ€hlen?

Ja ja, die Ironie. Es gibt Leute, die behaupten, dass man mit mir kein ernstes Wort reden kann, ganz schlimme Sache. Zugegeben, die Texte auf „Du der da“ erscheinen auf den ersten Blick vielleicht etwas sinnentleert, aber jeder der Tracks erzĂ€hlt seine eigene kleine Geschichte. Das zu verstehen setzt voraus, dass man zuhört und sich vielleicht sogar mal fragt: „Was bedeutet z.B. dieses  „Wartest auf den Boten und wartest auf den Kaiser“. Der ein oder andere mag – ob des Projektnamens -  bei dem Wort Kaiser an Franz Beckenbauer denken, was sicher nicht in meiner Absicht lag. Zum Thema: Ist es nicht so, dass wir alle darauf warten, dass in unserem Leben einfach mal etwas Außergewöhnliches passiert? Was glaubst du, wie viele Bands ihre Demos verschicken und hoffen, dass z.B. irgendein Major anruft, sozusagen in die Rolle des Kaisers schlĂŒpft und die frohe Botschaft ĂŒberbringt?  Die Chance, dass das passiert, ist mehr als gering und dennoch spielt man mit Gedanken, die einen kurzfristig – um es mit Reinhard Mey‘s Worten zu sagen – groß und wichtig erscheinen lĂ€sst. Nur einen kurzer Augenblick. - Beim „Meerschweinchenexpress“ war ich wohl betrunken, ĂŒbermĂŒdet oder hatte durch wochenlangen Fußballentzug eine unerklĂ€rlich hohe EndorphinausschĂŒttung zu verzeichnen. Na gut, ich glaube, an dem Tag war ich einfach albern drauf, muss ja auch mal sein.

Was steht bei dir in nÀchster Zukunft an?

Momentan bin ich dabei eine neue Red Sparrow EP fertigzustellen, und am nĂ€chsten Offensivverteidiger Album arbeite ich auch schon. Außerdem ist da ja noch Wellenform, was auch jede Menge Arbeit mit sich bringt. 

Hast du abschließend noch eine Botschaft an unsere Leser?

An alle: Boykotiert Gewinnspiele im Radio. An Frauen: Schaltet eurem Liebsten mal den Fernseher an, wenn Fussball kommt und stellt ihm ein Bierchen kalt. An die mĂ€nnlichen Bewohner: Wenn ihr ab und an den Staubsauger in die Hand nehmt oder den Abwasch tĂ€tigt, dann schaltet euch eure Liebste (oder euer Liebster) pĂŒnktlich zum Fußball  auch mal den Fernseher an und serviert euch nebenbei  kalte Bierchen. Außerdem: Jeder der „*f* j.lo“ ins Betreff an info@wellenform schreibt bekommt den Linken Offensivverteidiger fĂŒr 10 Euro inklusive Porto frei Haus! Um MissverstĂ€ndnissen vorzubeugen – ich meine die CD – wobei...

Rainer Guérich
CD: Du der da (Wellenform Records)

CD-Bezug:
Fachhandel,
www.wellenform.de , www.flur-musik.de , www.amazon.de

 

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