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MR.L
Lebenswerk

Wenn ein Rapper seine Debüt-CD „Lebenswerk“ nennt, ist klar, dass es sich um keine gewöhnliches Genreplatte handeln kann. inMusic unterhielt sich mit MR.L ...

 

Kannst du unseren Lesern zu Anfang bitte etwas über deinen musikalischen Werdegang erzählen? Wie hast du den Rap für dich entdeckt?

Das war 1994, als ich mit meinem jetzigen Produzenten Efe die Nächte mit Computerspielen verbrachte und Efe mir zeigte, dass man mit einem Amiga 500 auch Beats machen kann. In dieser Zeit war das Rödelheim Hartreim Projekt gerade sehr erfolgreich, und ich fand die Musik von den 2 Jungs ziemlich gut. Also fingen wir ebenfalls an, deutsche Texte zu schreiben und zu rappen. Klar war es am Anfang alles andere als gut, aber uns hat es richtig gepackt. Aus kontinuierlichen Musik-Treffen wurde eine Gruppe mit 3-4 Songs und die ersten Auftritte kamen. So nahm das Schicksal bis zum heutigen Tag eben seinen Lauf und in diesem Jahr habe ich nach einigen vorherigen Veröffentlichungen mein erstes Solo-Album veröffentlicht.

Deine Texte sind sehr anspruchsvoll und voll emotionaler Tiefe. Du scheinst ein Mensch zu sein, der eine ganz besondere Antenne fĂĽr seine Umwelt hat und mit offenen Augen durchs Leben geht?

Beim Texten lege ich sehr viel Wert auf meine Sprache. Ich glaube, dass man durch eine gewisse Wortwahl Situationen sehr deutlich und auch sehr emotional beschreiben kann. Davon lebt meine Musik. Thematisch hat es sicherlich das Meiste schon einmal gegeben. Songs über die Liebe wie z.B. „Einsam“, den Werdegang wie „Lebenswerk“ oder gegen unsere schlechten menschlichen Angewohnheiten wie in „Kinderaugen“. Mir geht es um die Darstellungs- und die Ausdrucksweise der Themen. Wie kann ich es schaffen den Hörer zu fesseln? Ich denke, darin liegt die Kunst des Schreibens. Ich finde es ebenfalls sehr wichtig, seine Umgebung wahrzunehmen und sie auch entsprechend, in meinem Fall durch die Musik, zu verarbeiten. Meine Songs erzählen realistische Geschichten, die auch dir passiert sein könnten oder die du hättest erleben können. Die Menschen sind ähnlicher als sie glauben.

Hast du eine spezielle Message, die du mit deinen Lyrics transportieren willst?

Ich würde meine Texte nicht auf eine spezielle Message reduzieren wollen, weil es so vieles zu sagen gibt. Wenn man Mr. L als Gesamtbild betrachtet, würde man am ehesten das Wort gesellschaftskritisch benutzen, um mich zu beschreiben. In meinen Texten findest Du auch immer einen gesunden Realismus wieder, der mir sehr wichtig ist. Ich kann nicht verlangen, ernst genommen zu werden, wenn ich mich selbst nicht ernst nehmen kann. Alle Songs, die du auf „Lebenswerk“ hörst und im Booklet nachlesen kannst, sind Geschichten, die nicht ich, sondern das Leben geschrieben hat. Müsste ich mich jetzt auf eine Message festlegen, würde ich mich selbst aus einem Song aus meinem Album („Ich will mehr feat. Efe“) zitieren: „Wacht auf, fragt nach, öffnet euch und lernt draus“.

Wie lange hast du an deinem DebĂĽtalbum "Lebenswerk" gearbeitet?

Die Entscheidung, ein Album zusammenzustellen, fiel im Oktober/November 2002. Nachdem Careem, Efe und ich überlegten, was wir nach unseren FFMC’s Veröffentlichungen als Nächstes planen, fiel die Wahl auf das Mr. L Soloalbum. Ich hatte bis dahin bereits einige Songs geschrieben, aber die eigentliche Arbeit fiel ab diesem Zeitpunkt an. Die gesamte Zeit, die in das Album investiert wurde, würde ich auf ca. 1 1/2 Jahre beziffern.

Was kannst du mir ĂĽber die eigentlichen Studioaufnahmen berichten?

Die Aufnahmen der Vocal-Spuren wurden meistens auf die Wochenenden verlegt, weil ich unter der Woche meinem eigentlichen Job nachgehen muss. In dieser Zeit hat mein Produzent Efe intensiv an den StĂĽcken gearbeitet. Die Studioarbeit hat durchweg sehr viel SpaĂź gemacht, da ich Efe bereits seit 10 Jahren kenne und wir in dieser gesamten Zeit auch immer miteinander Musik gemacht haben. Da ist man eben schon sehr eingespielt. Wir sind beide äuĂźerst zielstrebig. Wenn wir im Studio sitzen, arbeiten wir auch schon mal 10 Stunden am StĂĽck. NatĂĽrlich gab es auch Nächte, in denen wir nach etlichen Stunden Arbeit einfach nur noch matt in der Birne waren und uns ĂĽber die dĂĽmmsten Witze stundenlang kaputtgelacht haben. Als es an das Mischen ging, wurde Efe in einigen Songs von Ivan „The Russian“, einem sehr guten Produzenten der ebenfalls aus Frankfurt kommt, unterstĂĽtzt. Auch die StĂĽcke, die ich in anderen Studios wie z.B. bei enka-beatz aufgenommen habe, sind sehr gut gelaufen, weil wir alle die gleiche Arbeitsauffassung haben.

Hat die Platte fĂĽr dich musikalisch wirklich den Stellenwert "Lebenswerk" oder ist es viel mehr ein "Lebensabschnittswerk", die Verarbeitung deiner  bisherigen Erfahrungen?

Die Platte spiegelt mich in den letzten Jahren wider, daher ist es wohl eher als ein „Lebensabschnittswerk“ zu bezeichnen. Das „Lebenswerk“ an sich, bezieht sich jedoch auf das meiner Eltern, deren Geschichte ich im gleichnamigen Titelsong erzähle. Im Gegensatz zu meinen „schönen“ Erfahrungen verdient Ihr Werdegang Hochachtung und Respekt. Das ist für mich ein wahrhaftiges Lebenswerk. 99 % der Menschen in diesem Land würden diese Hürden niemals auf sich nehmen.

Kannst du mir etwas über die auf dem Album vertretenen Gäste erzählen, insbesondere Sofia, die eine wirklich soulfule Stimme hat?

Alle Mitwirkende dieses Albums sind für mich besondere Menschen. Das ist für mich das wichtigste Kriterium für eine Zusammenarbeit. In dem Song „Kinder des Blocks“ mit Killa Hakan, Volkan T und Ayaz Kapli aus Berlin-Kreuzberg, kann man hören, wie nah man sich trotz der großen Distanz doch ist. Das Stück „Erinnerungen“ mit Careem & Efe ist für mich natürlich ebenfalls etwas Besonderes. Mit diesen Jungs bin ich groß und erwachsen geworden. Anwar gehört, was die Live-Auftritte betrifft, mit Careem, Efe und mir ebenfalls zur ersten Garde der FFMC’s. Lorenzo kenne ich ebenfalls schon sehr lange, und ich bin sehr froh, dass wir ebenfalls einen Song für das Album aufgenommen haben. Bektas, ebenfalls aus Berlin, ist neben seines großen musikalischen Talents ein Mensch, der mir ebenfalls ans Herz gewachsen ist. Extra-Ordiniär habe ich während der Zeit der FFMC’s Veröffentlichungen ebenfalls gut kennen und schätzen gelernt. Auf der Release-Jam zum Album haben sie neben der Gruppe Rapsoul das Publikum richtig eingeheizt. Ich denke, dass Sofia die größte Aufmerksamkeit der auf diesem Album vertretenden Gäste für sich gewinnen konnte. Sie hat diesem Album eine sehr wichtige Note gegeben. Durch die Stücke mit ihr hat sich diese Platte deutlich vom 08/15 Hip-Hop abgehoben. Sie hat einfach eine klasse Stimme, aber natürlich hat auch sie eine 1A menschliche Seite.

Welche Musik hörst du privat?

Momentan wieder sehr viel Hip-Hop. Das letzte Jahr habe ich keine Rap Musik an mich rangelassen, weil ich mich nicht beeinflussen lassen wollte. Dazu Seal, Sade, Norah Jones und natürlich meine Sachen. Meine meistgehörte Platte ist momentan Max Herre. Ami-Rap höre ich fast gar nicht.

Noch eine Botschaft?

Ich möchte mich hier bei allen Mitwirkenden und Supportern des Albums bedanken, besonders bei Efe, Careem (Herz & Verstand) und Al dente recordz. Desweiteren hoffe ich natürlich darauf, dass mein Album Gehör und Gefallen findet. Hörproben bekommt man unter www.rapdealer.de oder in jeden gut sortierten CD-Laden.

Rainer Guérich
CD: Lebenswerk (Al Dente Recordz/Sony)

www.rapdealer.de
www.ffmcs.de

 

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