JOHN TRUDELL
Songs mit Poesie und True Spirit

Der Santee Sioux JOHN TRUDELL ist einer der außergewöhnlichsten Songpoeten, den die Musikszene zu bieten hat. Seine aussagestarken Texte, die dem Herzen und Geist eines Indianers entspringen, sind nicht nur seinen in den Reservaten Nordamerikas eingesperrten Blutsbrüdern gewidmet, sondern kämpfen mit deutlichen und klaren Worten gegen den Prozess der zunehmenden Entmenschlichung überall auf der Welt an. Davon handelt natürlich auch seine neue CD BONEDAYS.

 

John Trudell ist keiner, der an der traurigen Realität verzweifeln würde. Sein wärmender und sonorer Sprechgesang, der von einem stimmigen Sound aus American Songbook und indianischen Chants getragen wird, gibt Hoffnung und zeigt, wie Träume real werden können. “Durch meine Texte kommuniziere ich mit meinen Gefühlen”, erklärt Trudell seine besondere Gabe. “Jeder muss dazu bereit sein, Verantwortung für sich und seine Mitmenschen zu übernehmen. Wer diese Erkenntnis erlangt, wird begreifen, dass es möglich ist,   gegen die Missstände in unserer Umgebung anzugehen. Schließlich sind wir alle Gefangene eines riesigen, industriell-technologischen Reservats, nicht nur die Indianer Nordamerikas.”

John Trudell weiß, wovon er spricht, denn er hat den “American Way Of Life” seit seiner Geburt am 15. Februar 1946 in Omaha, Nebraska von allen Schattenseiten kennengelernt. Der Sohn eines Santee-Indianers und einer Mexikanerin verlor seine Mutter, als er 6 Jahre alt war und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Als führender Aktivist des American Indian Movement befand er sich in den 70er Jahren auf Kriegsfuß mit der US-Regierung und vor allem dem FBI. Davon unbeeindruckt, setzte er sich verbal in Form von Reden für  die Rechte der Indianer ein: “Sie erklärten uns damals den Krieg. Sie jagten uns. Sie töteten, verhafteten und zerstörten mit allen Mitteln, die sie für nötig hielten.” In einer Art Kriegsakt musste Trudell 1979, in dem Jahr, als er einen Marsch gegen das FBI-Hauptquartier in Washington anführte,  eine fast unaussprechliche Tragödie hinnehmen. Während er in Washington war, brannte ein Feuer ungeklärter Ursache sein Haus im Shoshone Paiute Reservat nieder. Trudell verlor bei diesem Unglück seine Frau und seine drei Kinder. Er stand vor einem Scherbenhaufen und fühlte Ohnmacht, Wut und Zorn in sich. Dennoch versuchte er nicht, in einem sinnlosen Amoklauf selbst getötet zu werden, sondern schottete sich von der Außenwelt ab und begann damit, Gedichte zu schreiben, gewissermaßen als eine Art von Selbsttherapie. “Die Poesie gab mir eine Richtung, der ich folgen konnte, einen inneren Halt. Ich war durch sie in der Lage, all meine Erlebnisse aufzuarbeiten, ohne daran kaputt zu gehen. Als ich meine ersten Zeilen nieder schrieb, waren dies meine Tränen, aber auch mein Versuch, die Menschen auf dieser Welt auf die vorherrschenden Missstände aufmerksam zu machen. Insofern war und ist die Schriftstellerei und Poesie eine Form der Lebensrettung für mich.”

1981 veröffentlichte John Trudell unter dem Namen “Living In Reality” eine Sammlung von Gedichten in Buchform. Seit 1982 verbindet er seine “Spoken Word Poetry” mit Musik, um die CD als Transportweg seiner Botschaften an so viele Menschen wie möglich zu nutzen. Trudell fand in dem aus Oklahoma stammenden Kiowa Jesse Ed Davis einen kongenialen musikalischen Partner, der ihm dabei half, seine Tribal Voice instinktiv mit Elementen des Blues und Rock’n’Roll zu vertonen. Trudell und Davis veröffentlichten drei Alben: “AKA Graffiti Man” (1986), “Heart Jump Bouquet” (1987) und “Fables And Other Realities” (1988). Als Davis 1988 unerwartet starb, begann Trudell mit Mark Shark, dem Gitarristen der Graffiti Band zu arbeiten. “Mark machte dort weiter, wo Jesse aufgehört hatte. Es war ein natürlicher Prozess.” Die fruchtbare Zusammenarbeit mit Mark hält bis heute. So hat Trudell sein neues Album “Bonedays” wie auch schon  “Blue Indians”  (2000) mit seiner bewährten Band “Bad Dog” eingespielt, zu der neben Mark noch der indianische Sänger Quiltman, Billy Watts (guitar) und Keyboarder Rick Eckstein zählen.

Die 13 Tracks wurden im Frühjahr 2001 im Studio in Los Angeles aufgenommen und von der Schauspielerin Angelina Jolie, der Academy Award Gewinnerin und Botschafterin des Hochkommissars für Flüchtlingsfragen, produziert. “Ich bin Angelina für ihre Unterstützung bei diesem Album sehr dankbar”, so Trudell. “Ohne ihre Ermutigung wäre diese CD in dieser Form bestimmt nicht zustande gekommen.” “Bonedays” ist ein wichtiges Statement in Sachen Völkerverständigung, ein musikalisches Kunstwerk mit universellen Einsichten, persönlicher Lebenserfahrung und  lyrischer Kraft. Oder, wie es John Trudell treffend selbst erklärt: “Wenn ich die Menschen mit meinen Texten und der Musik zum Nachdenken anregen würde, wäre ich überglücklich. Ich will mit den Songs auf ‘Bonedays’ die traditionellen Kulturen bewahren, aber auch mit einem wachen Auge das Hier und Jetzt beobachten. Ich denke, dass es an der Zeit ist, dass Künstler mit den Worten ihrer Musik endlich wieder etwas bewegen. Schließlich leben wir alle, gleich welcher Nation, in einer Welt. Unserer Welt...”

Duklas Frisch
CD: Bonedays (Ulftone/edel contraire)

 

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