BIRKE - LEYKAM - PANASENKO
Act On Impulse


Freunde außergewöhnlicher, ambienter Sound-Skulpturen kommen bei jenem Projekt voll auf ihre Kosten, das die drei Musiker
MARTIN BIRKE, ROMAN LEYKAM und DANIEL PANASENKO in Angriff genommen haben. Gemäß des CD Titels “Act On Impulse” steuerten alle Beteiligten auf einen Hook oder einen Loop im Ping-Pong-Verfahren eigene Ideen, Rhythmen oder instrumentale Zugaben bei. Heraus kam eine organische Open-Minded Musik mit einem wunderbaren Hypnotic-Code und unterschwelligem Flow.

 

inMusic: Wer hatte eigentlich die Idee zu “Act On Impulse”?

Roman: Dies ergab sich fast zwangsläufig. Schon 1997 bei der Leykam/Mark-Produktion “Instant Influx” arbeiteten wir ein Stück gemeinsam aus (Vacuum). Spätestens nach unserem “Seed of the Essential”-Release konkretisierten wir unsere Pläne/Ideen zu einem ersten gemeinsamen Werk, meist aufbauend auf spontaner Improvisation. Diese verbindende Vorliebe ist einer der Hauptansatzpunkte für diese CD. Natürlich verstehen wir uns auch menschlich untereinander trotz aller Gegensätzlichkeiten sehr gut - ein weiterer Grundstein.

inMusic: Es wäre interessant, wenn mir mal jeder von euch dreien seinen genauen musikalischen Part auf “Act On Impulse” erklären könnte...

Roman: Wir arbeiteten die Stücke in einer Art “Ping-Pong-Verfahren” aus: Einer gab eine Grundidee vor, die anderen vervollständigten das Stück dann noch mit dem Notwendigen. Bei den meisten Rhythmus-lastigen Tracks kam die Vorgabe von Martin bzw. Dan - die ruhigeren Stücke waren meist Loop-Vorgaben meinerseits.

Daniel: Ich denke, dass ich zwei Aufgaben bei diesem Projekt zu bewältigen hatte. Zum einen, wie Roman bereits sagte, arbeite ich mit Martin in Anchorage, Alaska sehr intensiv an den sehr rhythmus-betonten Tracks. Dazu spielte Martin die elektronischen Drums und ich kreierte mit Chapman Stick und einem Digtech Looping Pedal die verschiedensten Loops. Unsere zweite Aufgabe bestand darin, die Rohversionen von Roman, die im Nürnberger Studio entstanden, mit zusätzlichen Instrumenten (vorwiegend selbstgebaut) zu ergänzen.

Martin: Meine wichtigste Aufgabe bei “Act On Impulse” lag wohl darin, die Percussion auf einem Roland SPD-20 zu spielen und Beats zu programmieren, die sich dann später auch live reproduzieren lassen.

inMusic: Daniel, kannst du mir etwas über die ungewöhnlichen Instrumente erzählen, die du eingesetzt hast, wie beispielsweise eine Holzbox, ein PVC-Saxophone, ein Twackoleum...?

Daniel: Diese Instrumente wurden bereits in einer Band benutzt, in der Martin und ich zusammen mit unserem Freund Chuck Ehlis spielten: dem Sandbox Trio! Chuck designte und konstruierte die meisten dieser Instrumente selbst. Als er im Januar 2000 tragischerweise bei einem Unfall ums Leben kam, wurde ich der Hüter und Bewahrer seiner Instrumente. Ich denke, Chuck’s Tod war auch zu einem gewissen Teil mitverantwortlich für dieses Projekt. Als ich Chucks Instrumente für diese Aufnahmen einsetzte, überlegte ich immer, was Chuck wohl zu diesen Rhythmus-Tracks beigesteuert hätte...

inMusic: Ich denke mal, dass ihr euch aufgrund der Entfernungen mit den einzelnen “Rohversionen” untereinander via email o.ä. ausgetauscht habt. Wie habt ihr dann gewusst, dass bestimmte Stücke fertig sind bzw. gab es auch Stücke, die sich vielleicht in eine Richtung entwickelt haben, die nicht allen Beteiligten gefallen hat?

Roman: Die Tracks wurden einige Male “zwischengemixt”, auf CD’R hin und her gesandt. Das Endmaster wurde dann in Franks Studio in Kirchheim erstellt. Das intuitive Gefühl, wann ein Stück fertig ist oder nicht, zeichnet alle beteiligten Musiker dieses Albums aus. Manchmal ist weniger mehr - keiner musste oder wollte sich in den Vordergrund profilieren - die Musik/Stimmung an sich stand im Mittelpunkt. Natürlich gab es auch 2-3 Stücke, die nicht das o.k. aller Beteiligten fanden - diese sind ganz einfach nicht auf der CD!

inMusic: Mit “Rime” und “Fidget” gibt es zwei Stücke auf der CD, bei denen nur Roman zu hören ist. Hatten die anderen Beteiligten zu diesen Tracks keine Ideen oder warum gibt es hier keine “Impulses”?

Roman: Eine meiner Vorlieben ist es, in meinem Heimstudio “fertige” spontane, midifizierte Gitarren-Loops zu erzeugen. Eine bestimmte Anzahl davon brachte ich in die Act on Impulse-Produktion ein. Martin, Dan und Frank waren der Meinung, dass bei den besagten Tracks nichts mehr fehlen würde bzw. sie die Stücke so für gut befanden, wie sie im “Urzustand” waren.

inMusic: Ende des Jahres sind evtl. Liveauftritte von euch dreien geplant. Falls es dazu kommt, müssten die einzelnen Soundspuren gemäß der Soundphilosophie von “Act On Impulse” von Auftritt zu Auftritt ein ganz neues Improvisations-Eigenleben bekommen, oder?

Roman: Richtig, persönlich gehe ich davon aus, dass sich jeder Liveauftritt ein wenig vom anderen unterscheiden wird. Je nach täglicher Stimmungslage könnten die einzelnen Tracks durchaus “ausufern”. Einzelne Pattern/Loops werden evt. live nicht reproduzierbar sein (und kommen dann von einer von uns vorproduzierten CD’R), da wir höchstwahrscheinlich nur zu “dritt” auftreten werden und damit an gewisse Grenzen hinsichtlich der Live-Umsetzung des Act-Materials stoßen. Klarstellen möchte ich aber auch, dass wir auf “Act On Impulse”  so gut wie fast alles mit der Hand gespielt haben (außer ein paar voice- oder shortwave-samples) und nicht irgendwelche Fertig-Loops etc. verwenden! Im Grunde sind auch die jeweiligen Studio-Sessions immer Live-Sessions: Der größte Teil klappt gut, ein gewisser Teil haut nicht so gut hin - aber darin liegt ja auch der Reiz des Unvorhersehbaren, eben der spontanen Eingebung.

Rainer Guérich
CD: Act On Impulse (Frank Mark Arts)

Erhältlich bei: www.frank-mark-arts.com

 

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