CASHMA HOODY
Exotik, vertrauter Reggae und satter Groove

Die Musik von CASHMA HOODY lebt von einer ganz besonderen Atmosphäre. Positive Reggae-Vibes treffen auf hypnotisierende Dubelemente und rockige Crossoverzutaten. Die Band transportiert mit ihrem bassstarken “Trippin’ Rock Reggae” ein unwiderstehliches Gefühl guter Laune auf den Hörer. inMusic sprach mit Bassist Stefan und Sänger/Perkussionist John.

inMusic: Ihr habt einen sehr schönen Bandnamen. Kommt “Cashma Hoody” aus dem Indischen?

Stefan: Nicht wirklich. Es hängt immer so ein bisschen von unserem jeweiligen Bewusstseinszustand ab, welche Bedeutung wir dem Namen verleihen. Aber eigentlich hat er keine richtige Bedeutung, sondern ist ein Phantasie-Produkt. Wir kamen damals beim Rumexperimentieren mit verschiedenen Wörtern auf diese Kombination. Und später hat sich dann der Name “Hoody” bei unseren Fans richtig personifiziert. Die meinten dann immer nur: “Ah, guck mal, da kommen die Hoodys.” Oder es gab Interpretationen wie “Cashma Hoody” = “Sei ein Hoody”. Sei also jemand, der einfach nur Spaß hat und Party feiert. Das war aber ursprünglich nicht unsere Grundidee.

inMusic: Die Begriffe “Spaß” und “Party” transportieren ja auch ganz gut das Gefühl eurer Musik!

Stefan: Klar, wir versuchen, den Leuten auf unseren Konzerten Spaß am Leben zu vermitteln und dabei auch noch inhaltlich was rüber zu bringen.

inMusic: Von der Besetzung her seid ihr zu siebt?

Stefan: Mittlerweile sind wir auf unserer Release-Tour sogar zu neunt. Wir haben derzeit noch unsere drei Bläser dabei, die ja auch schon auf der CD zu hören sind. Aber normalerweise sind wir zu sechst oder zu siebt unterwegs. Das heißt, wir spielen dann mit zwei Gitarren oder nur mit einer...

inMusic: Es ist bestimmt auch immer ein Koordinationsproblem, soviele Leute dann für ein Konzert zusammenzukriegen?

Stefan: Das stimmt. Je größere Dimensionen das annimmt, um so komplizierter wird die Organisation. Aber wir machen das ja nun auch schon seit 9 Jahren. Und da es uns allen tierisch viel Spaß macht, hält sich dann auch jeder gerne das Wochenende frei, wenn ein Auftritt ansteht. Wir verstehen uns in erster Linie auch als Live-Band. Letztes Jahr kam  die Anfrage von UB40, ob wir sie für ein Konzert in Deutschland supporten. Wir haben dann mit ihnen einen Gig gespielt, der so gut lief, dass sie uns anschließend mit auf Deutschland-Tour genommen haben. Das war für uns schon ein riesiger Schritt nach vorne...

inMusic: Eure Band gibt es seit 1993. Habt ihr denn schon von Anfang an diese positive Reggae-Crossover-Musik favorisiert?

Stefan (lacht): Ursprünglich wollten wir damals Psychedelic Reggae machen, also Reggae-Musik mit Cure-Einflüssen. Wir haben das damals im Proberaum auch gespielt. Als es dann aber Sommer wurde, und wir mit Bongos und Akustikgitarre am Baggersee probten, wurde unsere Musik blöderweise fröhlicher, wobei wir uns dann schnell von diesem Psychedelic verabschiedet haben. Und auf unseren Konzerten kam unsere lebensfrohe Reggaemusik mit allen möglichen Stilzitaten einfach am besten an...

inMusic: Was eure schubladenfreie Musik auch für ein ziemlich breitgefächertes Publikum hörbar macht!

Stefan: Genau, wir haben oft Feed-backs von Leuten bekommen, die nach den Konzerten zu uns kamen und meinten: “Hey, normalerweise kann ich mit Reggae nicht so viel anfangen, aber eure Musik ist echt klasse!” Und selbst Anhänger des Roots Reggae waren erfreut, dass sie von uns mal ‘ne neue Stilmixtur geboten bekamen...

inMusic: Ungewöhnlich und gut ist beispielsweise auch die Querflöte, die auf “Universal Trippin’”  zu den Reggae-Grooves gespielt wird...

Stefan: Wir hatten auf unserer letzten CD sogar noch Didgeridoo- und Sitar-Klänge mit drauf. Für solche Dinge ist hauptsächlich unser Sänger und Perkussionist John verantwortlich...

John: Ja, ich hab’ ursprünglich als Schlagzeuger angefangen und dann im Laufe der Zeit alle möglichen Percussion-Instrumente kennengelernt. Spätestens nach meinem Indien-Besuch bin ich dann aber auch auf melodische Instrumente wie Querflöte, Sitar, Tambura und solche Geschichten gestoßen. Auf unserer letzten CD haben wir, wie gesagt, auch Sitar- und Didgeridoo-Klänge verarbeitet. Ich bin halt immer ein bisschen am Herumexperimentieren, welche Instrumente zu unserer Musik passen könnten, beispielsweise auch Nasenflöte und Bambus-Saxophon... (lacht)

inMusic: Nasenflöte? Spielt man dieses Instrument mit der Nase?

John: Ja, genau! Die klingt echt gut. Man spielt mit der Nasenflöte nicht spezielle Töne, sondern kann vor allem mit ihr sehr gut fließende Übergänge machen und in jede Tonart gehen. Und wenn du dann wie bei “Universal Trippin’ noch einen Delay-Effekt drauf legst, klingt das schon sehr schön flächig.

inMusic: Im Reggae- und Dub-Umfeld ist eine solche experimentierfreudige Band, wie ihr es seid, kaum zu finden. Mir ist jedenfalls keine bekannt!

John: Das wundert uns auch. Wir finden keine vergleichbare Band, aber dennoch klingt unsere Musik so vertraut. Sie gefällt sehr vielen Leuten, was sicherlich mit der Mischung all ihrer ungewöhnlichen Elemente zu tun hat. Da unsere Musiker aus allen möglichen unterschiedlichen Ecken kommen, musste bei Cashma Hoody wohl zwangsläufig etwas Neues entstehen. Ich wundere mich manchmal auch darüber, aber unsere Mischung aus Exotik, vertrautem Reggae und sattem Groove kommt bei den Leuten einfach gut an...

inMusic: Interessant wäre auch mal zu erfahren, wie eure Songs entstehen. Vielleicht kannst du mir darüber mal etwas erzählen?

John: Das ist ganz verschieden. Manche Stücke entstehen im Proberaum, manche im Studio. Oft orientiert sich das aber auch daran, wie wir die Stücke live präsentieren. Es kann aber auch sein, dass eine Komposition aus einer kleinen Gesangsidee oder einem Gitarrenakkord heraus entsteht.  Und darum basteln wir dann im Studio ein Sound- und Rhythmus-Geflecht. Der kreative Prozess findet einfach beim Machen statt, d.h. wir probieren halt einfach viele Dinge soundtechnisch aus. Obwohl das Grundgerüst der Songs relativ schnell an einem Abend entstehen kann.

inMusic: Du bist als Sänger ja auch hauptsächlich verantwortlich für die Texte auf dem Album. Was gab den Ausschlag dafür, auch drei deutschsprachige Nummern mit auf die CD zu nehmen?

John: Du hast mit den deutschen Liedern einfach ‘ne Chance, auf den Konzerten den Hörern die Ohren zu öffnen. Du bekommst da auf der Bühne eine ganz andere Reaktion von den Leuten, wenn sie deine Texte verstehen. Du sprichst die Leute direkt an, was ein Konzert schon sehr auflockert...

Rainer Guérich
CD: Hoodylicious (African Dance/Nova Media)

 

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