THE SEER
Natürliche Klänge

Nach etwas längerer Pause gibt es wieder ein wirklich schönes Album der Folkrocker THE SEER. Alles Wichtige erfuhr inMusic von Sänger und Gitarrist SHOOK.

 

inMusic: Euer letztes Studioalbum “Liquid” erschien vor 4 Jahren, damals noch bei BMG. Ne’ ziemlich lange Pause!

Shook: Ja, schon. Wir haben 1999 über BMG zwar noch das Livealbum “Organic” rausgebracht und uns dann im gegenseitigen Einvernehmen von ihnen getrennt. Das war uns eigentlich aber ganz recht, weil wir so alle Fäden, sprich Produktion, Studiosuche und solche Dinge, selbst in der Hand halten konnten. Und erst, als wir alles soweit fertig hatten, haben wir uns dann nach einem Vertrieb umgeschaut. Im Nachhinein gesehen war das eine ganz angenehme Arbeitsweise, jede Entscheidung selbst treffen zu können. (lacht) Allerdings bedeutete das für uns Fünf auch einen erhöhten Arbeitseinsatz.

inMusic: Ich kann mir auch vorstellen, dass man bei einer großen Plattenfirma, wie es BMG ist, auch so Manches vorgeschrieben bekommt!

Shook: Klar, speziell bei der Songauswahl möchte natürlich jeder A&R-Manager mitreden. Das lief bei der BMG aber eigentlich immer problemlos ab. Was uns nicht gefiel, war die vorgeschriebene Studiowahl. BMG hatte mit bestimmten Studios gewisse Deals, und dann mussten wir da rein zum Aufnehmen. Diesmal hatten wir da ganz freie Hand: Wir haben die einzelnen Songs in unserem eigenen Black Lab Studio in Augsburg aufgenommen, in den Cap-a-pie-Studios in Regensburg und im kleinen Studio unseres Produzenten Ken Rose.

inMusic: Auffällig ist vor allem der sehr gute und fast schon audiophile Klang eurer neuen CD...

Shook: Das liegt mitunter auch an der Auswahl des Cap-a-pie-Studios. Das ist ein absolutes High End-Studio, das allerdings noch gar nicht so bekannt ist, weil es noch recht neu ist. Die sind super ausgestattet und haben u.a. 4 Flügel, einen klasse Aufnahmeraum, einen extra-feinen Service u.v.m. - Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Der Mix klingt sehr natürlich und gar nicht schrubbelig...

inMusic: ... und die akustischen Instrumente perlen richtig aus den Lautsprechern...

Shook: Ja, das stimmt. Wir haben bei “Rise” auch sehr viel mit akustischen Instrumenten, speziell Gitarren, Mandolinen usw. gearbeitet. Von den Tasteninstrumenten haben wir auch mehr natürliche-Sounds verwendet, wie Hammondorgel oder Xylophon, die wir dann über Mikrophon abgegriffen haben. Es gibt insgesamt sehr wenige, unnatürliche Klänge. Wenn wir sie eingesetzt haben, dann eher in einer abgefahrenen, mit Effektgeräten verstärkten Version.

inMusic: Ihr arbeitet auf euren Alben von jeher ja auch sehr gerne mit Raumklängen!

Shook: Das stimmt. Unser eigenes Studio liegt in einem alten Haus, wo es wahnsinnig viele große Räume gibt. Wir haben dort oft die Mikrophone im Eck irgendeines Raumes aufgestellt und dann den Hall mitgenommen. Auf unserer CD gibt es kaum einen digitalen Hall. (lacht) Unser Produzent Ken Rose beherrscht zum Glück die Materie und hat dafür gesorgt, dass alles zum Schluss gut klang... Man kann da natürlich schon sehr viel verkehrt machen und die Klänge verkünsteln, was uns leider bei unserem ersten Album “Across The Border” (1995) passiert ist.

inMusic: Wie lange habt ihr denn nun an den Aufnahmen getüftelt?

Shook: Das war ein doch sehr langwieriger Prozess. Begonnen haben wir mit den ersten Takes schon kurz nach Fertigstellung von “Liquid” im Jahre 1998. Wir haben dann mit den unterschiedlichsten Produzenten und Gastmusikern diverse Rohversionen eingespielt. Aber erst im Sommer letzten Jahres sind wir dann zusammen mit Ken an die richtige Ausarbeitung der endgültigen Fassungen herangegangen. Der Songwriting-Prozess ging also über mehrere Jahre, wobei sich die Aufnahme-Prozedur von Sommer 2001 bis Winter 2001 hinzog. Aber wir hatten ja glücklicherweise keinen besonderen Zeitdruck. Das ist der große Vorteil, wenn du so ziemlich alle Fäden in der Hand hältst...

Rainer Guérich
CD: Rise (Point Music)

 

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