SCHWARZ AUF WEISS
Intelligente Popmusik mit Spaßfaktor

Die Bremer Band SCHWARZ AUF WEISS ist eine der wenigen hoffnungsvollen, deutschsprachigen Bands, die zwar auf  tanzbare Popmusik setzt, aber bei der auch die textliche Message nicht zu kurz kommt. Anlässlich ihrer zweiten CD “Jugendstil” unterhielt sich inMusic mit Sänger MALTE PRIESER über eine wirklich außergewöhnliche CD...

 

inMusic: Auf eurer neuen CD “Jugendstil” habt ihr eine Menge bekannter Gastmusiker dabei, u.a. Peter Hein (Fehlfarben), Thomas Scholz (Ex-The Busters) und Jello Biafra (Ex-Dead Kennedys). Ihr scheint in der Musikszene einen ziemlich großen Bekanntenkreis zu haben!

Malte: Die von dir erwähnten Gäste auf unserer Platte sind vor allem aber auch unsere musikalischen Vorbilder. Und da reicht das Spektrum von Punkrock über Mod-Musik bis hin zur deutschen Popmusik, Ska und NDW. Diese musikalischen Bereiche haben uns von jeher schon immer begeistert. Und als wir mit den Vorbereitungen zu dieser CD starteten, haben wir halt Leute wie Peter Hein, Thomas Scholz, Bodo (Stunde X), Fabsi (ZK, Mimmis) u.a. angefragt, ob sie Lust dazu hätten, mit uns zusammenzuarbeiten. Das Echo darauf war überwältigend, insbesondere die Fehlfarben-Leute, Thomas Scholz und Bodo meinten sogar, dass wir mit unserer Musik genau das fortführen würden, womit sie vor 25 Jahren begonnen haben. Und deswegen ist die Zahl der Gäste  auf “Jugenstil” auch so groß.

inMusic: Ihr transportiert also den Geist dieser ruhmreichen Bands ins Jahr 2002?

Malte: Ja, das könnte man sagen. Wir wollten   den Geist dieser Bands mit seiner ganzen musikalischen Vielfalt der Hörerschaft von heute einfach wieder zugänglich machen.  Da wir ja selbst noch eine relativ junge Band im Alter zwischen 20 - 25 Jahren sind, wird das Ganze natürlich mit dem vermixt, was in den letzten 20 Jahren passiert ist. Die Zeit und die musikalische Weiterentwicklung ist ja auch nicht stehen geblieben. (lacht) Wir hatten die “Gnade der späten Geburt” und konnten dieses musikalische Update aus unserem eigenen Blickwinkel angehen.

inMusic: Als Bands wie Fehlfarben angefangen haben, wart ihr ja kaum geboren...

Malte: Ja, das stimmt. Wir haben viele unserer musikalischen Vorbilder erst recht spät entdeckt, so vor 6 bis 7 Jahren. Was uns an Bands wie Fehlfarben und Stunde X begeistert hat, war ihre Gabe, deutschsprachige Musik mit einer Message zu verbinden und sie trotzdem noch so zu spielen, dass man dazu Feiern und Abtanzen kann. Dieser Punkt ist uns als Band sehr wichtig. Darin unterscheiden wir uns auch ganz deutlich von Bands der Hamburger Schule wie Tocotronic usw., die zwar einen intellektuellen Ansatz haben, ihn musikalisch aber eher elegisch und minimalistisch umsetzen. Wir dagegen transportieren zwar auch eine Message, aber mit einer Musik, die Laune macht. Kurz: Wir machen Popmusik!

inMusic: War dieser flotte, tanzbare Rhythmus auch schon auf eurem 2000er Debüt “Supersprint” zu finden?

Malte: Auf jeden Fall. Allerdings waren die Songs auf “Supersprint” noch mehr eine Art Suche für uns als Band. Die CD klingt noch nicht so kompakt, da die einzelnen Tracks aus unterschiedlichen Sessions stammten. Wir hatten damals auch noch eine viel größere Off-Beat (Ska)-Komponente, wobei wir uns aber schon auch den anderen Musikströmungen (Beat, Mod, Soul usw.) geöffnet haben. Wenn du so willst, war “Supersprint” die Suche, während wir jetzt bei “Jugendstil” unseren Weg gefunden haben, den wir auf unseren nächsten Platten weitergehen werden.

inMusic: Was steckt eigentlich konkret hinter dem vieldeutbaren CD-Titel “Jugendstil”?

Malte: “Jugendstil” sind für uns viele Dinge, die uns in unserer Jugend geprägt haben und deren eigentliche Wichtigkeit wir oftmals erst später richtig erkannt haben. Das fndet sich natürlich auch in den Songs unseres Albums wieder. So kann es sein, dass ein Begriff wie Tschernobyl neben dem Wort eMail auftaucht oder dass Dinge wie HIV plötzlich neben Pippi Langstrumpf stehen.  Unsere Texte handeln ganz einfach von den Sachen, mit denen wir früher in unserer Kindheit von den Medien bombardiert wurden und deren wirkliche Bedeutung wir damals noch gar nicht erfassen konnten. Und deswegen trägt die CD den Titel “Jugendstil”, was natürlich - wie bereits schon erwähnt - auch in Verbindung mit den beteiligten Gastmusikern Sinn macht.

inMusic: Gut und Böse als gegensätzliche Begriffe vermitteln bei gewissen Songs eine unterschwellige Botschaft...

Malte: Genau. Das ist ein sehr interessantes Stilmittel, das wir bei einigen Songs sehr gezielt eingesetzt haben. Im Grunde genommen machen wir zwar Popmusik, aber der Hörer soll sich mit den Texten auch auseinandersetzen. Deshalb gibt es auf der CD beispielsweise auch das Stück “Das geht ja nicht an”, bei dem wir mit einem Mädchenchor gearbeitet haben, um dem Song einen gewissen Schönklang und eine Harmlosigkeit zu verleihen. Und wer sich mit den Strophen dann mal genauer auseinandersetzt, wird merken, dass das überhaupt nicht harmlos ist...

Rainer Guérich
CD: Jugendstil (Weser Label/Indigo)

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