MASHA
Die Magie des Augenblicks

MASHA sitzt vor dem Mikrofon im Studio, hat Kopfhörer auf. Sie wippt mit den Füßen im Takt. Leise Geräusche auf dem Parkettboden. One , two, three... Gesangseinsatz. Sie erscheint so zerbrechlich, wie sie da sitzt. Und doch unheimlich kraftvoll. Angespannt, konzentriert - voll bei der Sache... Masha singt gerade die Piano Version ihrer ersten Single “Over you now” ein, eine sehr spontane Aktion. Nach fast 9 Stunden im Studio ist jede freie Sekunde wertvoll, Kraft tanken für die weiteren Aufnahmen. Doch diese Momentsituationen muss man nutzen. Masha tut es. Während Stefan am Klavier eine langsame Version von “Over you now” spielt, setzt sie  sich unaufgefordert dazu und steigt ein. Nicht geplant. Das Bild hat etwas Magisches. Eine Kerze auf dem Klavier, das Studio abgedunkelt, eine Zigarette qualmt vor sich hin... das ist die richtige Stimmung für diesen Song. Der Toningenieur beobachtet die Situation aus dem Regieraum und drückt die “record” Taste. Das ist es. Das ist Masha.

inMusic: Wenn ich mir das Presseinfo über dich durchlese, fällt auf, dass du trotz deiner jungen Jahre musikalisch schon einiges gemacht hast...

Masha: Ja, das stimmt wirklich. Schon als ich in der 7. Klasse war, hab’ ich in verschiedenen Funk- und Soulbands auf meiner Schule gesungen. Ich lebte damals in Hamburg, weil ich dort eine internationale Schule besuchte. An meinen Auftritt im legendären Hamburger Mojo-Club kann ich mich noch sehr gut erinnern. Damals war ich so um die 13 Jahre alt. Tja, und dann bin ich nach New York, um Schauspiel zu studieren. Nebenbei hatte ich dort natürlich auch Musik gemacht. Eigentlich hatte ich seitdem immer eine Band am Start...

inMusic: Du sollst sogar mal in ‘ner Punk-Band gesungen haben?

Masha: Ja, die war aus New Jersey. Die Woche über studierte ich in New York an der Schauspielschule und wollte am Wochende Musik machen. Und dann hab’ ich in ‘ner Zeitung eine Annonce von einer Punkrockband gelesen, die eine Sängerin suchte. Ich bin dann hin nach New Jersey, hab’ mich vorgestellt und den Job bekommen. Die Zeit mit dieser Band hat mir tierischen Spaß gemacht. (lacht) Allerdings glaube ich, wenn ich längere Zeit mit diesen Jungs gespielt hätte, hätte ich mir wohl meine Stimmbänder ruiniert...

inMusic: Ja, Kehlkopfgesang geht schon an die Substanz...

Masha: Vor allem hatte ich parallel zu diesem Engagement auch noch den Part der Backgroundsängerin in der Gruppe meines New Yorker Klavierlehrers übernommen. Und das ging eher in die Billy Joel-Richtung. Ich hab’ zu dieser Zeit sehr viel gesungen. Ich war auch noch in ‘ner Jazzband, das wechselte ständig. New York ist halt ‘ne große Stadt. Dort zerbrechen und entstehen Gruppen am laufenden Band...

inMusic: Du hast dann aber auch wahrscheinlich sehr viele Entfaltungsmöglichkeiten mit deiner Stimme ausprobieren können?

Masha: Ja, sicher. Da ich zuhause auch ganz gerne am Computer Musik mache, hab’ ich mich in New York auch mal in einem TripHop-Projekt versucht. Das war aber eher in der Undergroundszene. Als ich damals in New York war, fing das mit dem TripHop ja erst ganz langsam an. TripHop war zu dieser Zeit eher ein europäisches Ding und fristete in Amerika noch ein Schattendasein. Wir sind dann in verschiedenen Underground-Clubs aufgetreten, was mir auch sehr große Freude machte. Meine Liebe zum Drum’n’Bass ist nach wie vor ungebrochen...

inMusic: Wie lange hast du denn in New York gelebt?

Masha: Etwa bis Mitte 2000, dann bin ich wieder zurück nach Europa. Ich habe aber vor, demnächst nach London zu gehen.

inMusic: Warum gerade London?

Masha: London ist einfach eine tolle Stadt. Ich hab’ letztes Jahr mal 6 Monate dort gelebt und mich in diese Stadt verliebt. Ich habe dort sehr viele Freunde und mag auch die Musikszene. Ursprünglich wollte ich schon damals dort leben, doch dann kam der Kontakt zu den Red Rock Studios (über Produzent Lesli Mandoki) zustande, und ich bin dann erst mal hier in München hängen geblieben. Dadurch hat sich mein geplanter Umzug nach London um ein Jahr verzögert...

inMusic: Wird dann die Zusammenarbeit zwischen dir und deinem Team in Tutzing nicht schwieriger, wenn du in London lebst?

Masha: Nein, im Gegenteil. Es gibt doch Flugzeuge. (lacht) Ob ich jetzt von Hamburg nach München komme oder von London - das ist dieselbe Distanz.

inMusic: Was kannst du mir denn über dein Album “24 Hours A Night” erzählen, das Anfang Dezember in den Läden steht?

Masha: Es ist ein Album, auf das ich sehr stolz bin und das wirklich sehr gelungen ist. Die stilistische Ausrichtung ist Rock/Pop. In den 12 Songs geht es um sehr viele verschiedene Geschichten, die musikalisch entsprechend abwechslungsreich umgesetzt wurden. Kurz gesagt: Es ist Musik, die in die Beine geht!

inMusic: Also handgemachte Musik, die aber auch den Einsatz modernster Computertechnik nicht scheut?

Masha: Klar, ich hab’ zwar ‘ne richtige Band am Start, scheue mich aber auch nicht, Dinge wie den Computer einzusetzen. Ich denke, man muss das nur gut vermischen. Warum sollte ich auf den Einsatz von Loops verzichten, wenn er der einen oder anderen Nummer gut tut? Für mich sind die einzelnen Stilbereiche einfach miteinander verbunden - ob das nun Rock-Pop, Drum’n’Bass oder Jazz ist. Hauptsache, es gefällt mir.

inMusic: Entspricht das auch deinem privaten Musikgeschmack? Was hörst du so in deiner Freizeit?

Masha: Das ist ganz unterschiedlich, querbeet. Eine meiner Lieblingsgruppen ist The The, ich steh’ aber auch auf Björk, Klassik oder Jazz - da bin ich völlig offen.

inMusic: Gibt es vielleicht auch eine Sängerin, die du besonders bewunderst?

Masha: Meine absolute Lieblingssängerin ist Elizabeth Fraser von den Cocteau Twins. Sie hat zwar eine vollkommen andere Stimme als ich, aber ich mag sie sehr.

inMusic: Was kannst du mir denn über die eigentlichen Aufnahmen an deinem Album erzählen?

Masha: Wir haben eine Menge Zeit im Studio verbracht und an den einzelnen Nummern hart gearbeitet. Obwohl “Arbeit” wohl das falsche Wort ist, weil es allen Beteiligten extrem viel Spaß gemacht hat. Da bist du natürlich gerne dazu bereit, auch schon mal die eine oder andere Nacht durchzujammen. Der Album-Titel “24 Hours A Night” kommt nicht von ungefähr. Wir sind alle richtige “Mucker”. Wenn du dann am Spielen bist, geht’s oft bis in die späten Stunden. Da möchte man natürlich nicht aufhören, wenn man gerade seinen besten Moment hat...

inMusic: Hast du ein besonderes Lieblingsstück auf der CD?

Masha: Das ist eine Frage, die ich sehr schwer beantworten kann. Ich mag alle Lieder auf dem Album, weil jedes Lied für mich ein anderes Gefühl repräsentiert. Besonders gut gelungen finde ich natürlich auch “Over You Now”, die erste Single.

inMusic: Unüberhörbar ist auch, dass du auf einzelnen Stücken sehr kraftvoll singst. Bist du live mit Band vielleicht noch eine Spur rockiger?

Masha: Auf jeden Fall. Auf meinen Konzerten ist Party angesagt. Schau dir mal den Konzertmitschnitt der WDR-Rocknacht an, der am 17. November im Fernsehen gesendet wird.

inMusic: Werde ich tun, vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für die Zukunft!

Rainer Guérich
CD: 24 Hours A Night (Paroli/Sony)

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