SIGI FINKEL
Trommeln meets Saxophon

Der österreichische Saxophonist SIGI FINKEL verbindet mit seiner Band African Heart afrikanische Gesänge, Trommeln und Jazz.

 

inMusic: Was hat dich als Tenor- und Sopransaxophonist dazu bewogen, eine World-Jazz-Band ins Leben zu rufen? Woher rührt deine Vorliebe zur afrikanischen Musik?

Sigi: Meine Ex-Frau hatte ein Faible für afrikanisches Trommeln. Und so bin ich mit ihr zu verschiedenen Konzerten dieser Art gegangen, obwohl ich damals noch keine Verbindung zu dieser Musik hatte. Mich hatte insbesondere die Energie und Kraft fasziniert, die hinter diesen Trommeln steckt. Aber nach 30 bis 45 Minuten Trommeln fand ich das als Saxophonist doch etwas ermüdend. Und so wuchs in mir der Wunsch, diesen Kern der Trommler zwar zu belassen, ihn aber mit Bläserlinien, Harmonien und anderen Instrumenten zu erweitern. So entstand dann im Jahre 1997 meine Band African Heart.

inMusic: Wieviele CDs sind denn von dir und den African Heart bisher erschienen?

Sigi: Mit der neuen CD “Spirits Of Rhythm” insgesamt 3 CDs, wobei die beiden Vorgänger in Deutschland eher schlecht zu bekommen waren. Deshalb bin ich auch sehr froh darüber, dass wir mittlerweile mit Blue Flame Records/Zomba einen sehr rührigen Vertrieb für Deutschland gefunden haben.

inMusic: Wenn ich mir die Credits der 11 neuen Tracks so anschaue, handelt es sich durchwegs um Eigenkompositionen von dir, in die du wahrscheinlich die rituellen Trommellinien integriert hast?

Sigi: Ja, genau. Im Prinzip gibt es so um die 30 bis 50 Hauptrhythmen in der westafrikanischen Musik. Das ist etwa so, als wenn ich einem amerikanischen Schlagzeuger sagen würde: “Spiel’ mal einen Shuffle-Funk.” Der weiß dann schon genau, in welche Richtung das Ganze gehen soll. Genauso kann ich einem afrikanischen Schlagzeuger sagen: “Spiel mal Kuku.” Und auf dieser Basis hab’ ich meine Stücke entwickelt. Bei den Stücken, die in Kooperation mit meinen afrikanischen Mitspielern entstanden sind, war es zum Teil so, dass ich ein Gerüst hatte, das dann mit den Trommlern und den Vocals weiterentwickelt wurde.

inMusic: Du hast eben davon gesprochen, dass diese Rhythmen aus Westafrika kommen. Kann man das auf spezielle Länder geographisch eingrenzen?

Sigi: Im Prinzip handelt es sich um Gesamt-Westafrika. Ein Rhythmus wie beispielsweise Kuku, Kakilambe oder Makrou ist sowohl in Senegal als auch in Guinea, Mali und Burkina geläufig. In meiner derzeitigen Besetzung  kommen auch 2 Musiker aus Burkina und einer aus dem Senegal.

inMusic: Und diese Trommelrhythmen wurden in Westafrika wahrscheinlich über die Jahrhunderte überliefert?

Sigi: Genau, in diesem Zusammenhang ist natürlich der Begriff des “Griots” ganz wichtig. Man muss sich das so vorstellen wie bei uns im Mittelalter mit den Zünften. Früher haben sich die Berufsstände, beispielsweise Bäcker, durch mehrere Generationen hindurchgezogen. Und in Westafrika war das nicht anders. Wenn du in eine Griot-Familie hineingeboren wurdest, bist du automatisch Griot und übernimmst auch diese Aufgabe in der Gesellschaft. Und die Griots waren die Leute, die nicht nur die Musik gemacht hatten, sondern auch alle möglichen Geschichten über Königreich, Ahnenreihe usw. wussten. Und das war vor allem eine aurale Tradition. Schließlich konnten viele Menschen in Westafrika bis vor ein paar Jahrzehnten noch gar nicht lesen oder schreiben. Insofern hatte der Griot als Geschichtenerzähler und Musiker, der sich selbst auf dem Instrument begleitete, lange Zeit eine ganz besondere Funktion. Wir haben mit dem Djembe-Spieler Mamandou Diabate übrigens auch einen Griot in unserer Band, der aus seinem musikalischen Selbstverständnis heraus die Musik entwickelt. Das Anliegen von mir und meiner Band ist vor allem, so behutsam wie möglich mit diesen traditionellen Rhythmen umzugehen und sie musikalisch auf eine neue Ebene zu transportieren. Ich werde übrigens vom 21.12. bis 13.01.2003 nach Burkina Faso reisen, um mich mit der Balaphone-Kultur (Balaphone ist ein Holzschlaginstrument, der Vorläufer der Marimba) näher zu beschäftigen... (weitere Infos auf www.sigifinkel.com).

Rainer Guérich
CD: Spirits Of Rhythm (Blue Flame/Zomba)

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