CURLY
Ein ernstzunehmender POPSTAR

Die Wege zum musikalischen Erfolg können unterschiedlicher Natur sein. Bei der ersten Staffel von “Popstars” kam CURLY zwar bis in die Runde der letzten 11 Finalistinnen, wurde aber nicht für eine Rolle bei den No Angels ausgewählt. Zum Glück kann man da nur sagen, denn das nun veröffentlichte Debütalbum der sympathischen Sängerin mit der unbändigen Löwenmähne hat ganz andere Qualitäten. Curly ist eine ernstzunehmende Künstlerin, die musikalisch eher in die Richtung einer Tracy Chapman oder Joni Mitchell geht...

 

inMusic: Du verfügst über eine sehr voluminöse, variantenreiche Stimme. Hast du in der Vergangenheit mal eine Gesangsausbildung absolviert?

Curly: Ich hab’ mit 15 Jahren mal ein bisschen Gesangsunterricht genommen. 2 Jahre habe ich das dann durchgehalten, wobei mir das allerdings von der Stimmtechnik her nicht allzuviel gebracht hat...

inMusic: Das wundert mich, gerade weil du wirklich über viel Volumen in der Stimme verfügst!

Curly: Ich denke, es war sicherlich ganz gut, dass ich mir nicht durch zuviel “falschen” Gesangsunterricht die Stimme habe kaputt machen lassen. (lacht)

inMusic: Ich kann mir vorstellen, dass deine Stimme, von deren Qualitäten man sich auf deiner aktuellen CD überzeugen kann, live auf der Bühne auch sehr gut funktioniert?

Curly: Ja, ich hab’ jetzt nach Veröffentlichung der CD auch so schnell wie möglich vor, auf die Bühne zu gehen. Meine Band steht schon bereit, und wir sind momentan fleißig am Proben. Ich brauche den Kontakt zu meinem Publikum, und ich freue mich schon sehr darauf...

inMusic: Die 12 Songs deiner Debüt-CD “Natural” machen dem Titel alle Ehre. Da gibt es sehr viel natürliches Feeling, kein mit dem Computer nachgetunter Gesang usw.

Curly: Richtig! Wir haben im Studio  nicht lange herumgefrickelt. Wir haben von Anfang an das Konzept verfolgt, die Instrumente - soweit es möglich war - natürlich zu belassen und dadurch meiner Stimme genügend Raum zur Entfaltung zu geben.

inMusic: Zum Glück hat Produzent Leslie Mandoki dein Talent richtig erkannt und dir dementsprechende Freiräume gegeben...

Curly: Ja, Leslie war auch der erste Mensch, mit dem ich musikalisch zusammengearbeitet hatte und bei dem ich nicht das Gefühl hatte, mich verstellen zu müssen. Ich musste also nicht sagen: “Entschuldige mal, aber das bin ich überhaupt nicht.” Und das hat die ganze Arbeit im Studio so gut gemacht...

inMusic: Im Dezember letzten Jahres erschien mit “Don’t Walk Away” bereits die erste Single von dir, die auch für das Album “Stars Inspired By Atlantis” zum Walt Disney-Streifen “Atlantis” ausgewählt wurde. Kam daraufhin der Entschluss, zusammen mit Leslie ein komplettes Album einzuspielen?

Curly: Nein, das hat eigentlich alles schon viel früher angefangen. Leslie sah mich bei POPSTARS in der ersten Staffel und ließ mir daraufhin eine CD zukommen. Ich arbeitete damals noch als Radiomoderatorin bei Antenne Bayern und hatte dann eines Tages diese CD auf dem Tisch. Ich wusste gar nicht, vom wem sie kam, da lediglich eine Karte mit einer Telefonnummer daran steckte. Da mir die Musik gefiel, rief ich dort an, worauf es hieß: “Komm doch einfach mal vorbei.” Tja, und dann bin ich in die Studios nach Tutzing und lernte Leslie kennen. Er meinte nur: “Pass auf, wir gehen jetzt mal ans Klavier, und du singst ganz einfach mal das, was du am liebsten magst.” Das nächste, was er dann zu mir sagte, war: “Geh jetzt nach Hause, ich werd’ mir was überlegen. Ich meld’ mich dann bei dir.” (lacht) Ich dachte bei mir: “Oh Gott, du musst ja wirklich stockschlecht gewesen sein. Melden sie sich nicht bei uns, wir melden uns bei ihnen - na toll!” Glücklicherweise wurden meine Vorahnungen nicht bestätigt, denn nach 2 Wochen rief dann Leslie tatsächlich bei mir an: “Du kannst vorbeikommen, ich hab’ einen Song für dich geschrieben.” Ich war aus dem Häuschen und überglücklich. Wow- da hatte sich doch wirklich ein namhafter Produzent hingesetzt und sich die Mühe gemacht, mir einen Song speziell für meine Stimme zu schreiben. Doch es kam noch besser. Wir trafen uns im Studio, wo ich die Nummer einsang. Dann meinte Leslie: “Curly hör zu, wir machen ein Album!” Da war ich wirklich geplättet. Wer das deutsche Platten-Biz auch nur ein bisschen kennt, weiß, dass so was in Deutschland bei einem Newcomer niemand macht. Eine Single? Ja. Ein ganzes Album? Nein.

inMusic: Hast du musikalische Vorbilder, die dich beeinflusst haben?

Curly: Eigentlich die ganze Singer/Songwriter-Kiste: Tracy Chapman, Joan Osborne, Sheryl Crow und vor allem Joni Mitchell.

inMusic: Wobei deine Stimme auch sehr gut mit funky Grooves harmoniert, wie man in “Boys Go Mad”, einer der stärksten Nummern deines Albums, hören kann...

Curly: Ja, ich find’ die Nummer auch stark. Viele Jahre meines Lebens habe ich Prince gehört. Und als ich dann diese Nummer singen durfte, ist mir richtig das Herz aufgegangen. Ich bin zwar nicht die typische R&B-Sängerin, da ich die unterschiedlichsten Phrasierungen in der Stimme habe, aber es hat doch unheimlichen Spaß gemacht, all die Dinge auf der Platte auszuleben. Es gibt nichts Langweiligeres, als wenn du auf eine bestimmte Musikrichtung festgelegt bist und nichts anderes machen kannst.

inMusic: Vor allem klingt deine CD sehr international. Man hat nie das Gefühl, dass man es mit einer deutschen Künstlerin zu tun hätte!

Curly: Das ist ein schönes Kompliment und ehrt mich extrem. Ich möchte auch, dass man das nicht unbedingt erkennt. Schließlich ist mein Vater Sizilianer und meine Mutter halb Amerikanerin und halb Deutsche.  Meine Texte hab’ ich in der Vergangenheit immer in Englisch geschrieben. Meine Vorliebe für die anglo-amerikanische Musik rührt mit Sicherheit auch aus der großen Plattensammlung meiner Mam, wo von den Temptations über die Woodstock-Zeit bis hin zu den Seventies so ziemlich alles vertreten war.

inMusic: Erfreulich ist auch, dass sich auf deinem Album keine Coverversion befindet. Es ist ja mittlerweile zur festen Gewohnheit geworden, den Erstlingswerken verschiedener Newcomer irgendein bekanntes Remake dazuzupacken...

Curly: Ja, auch da sind wir unserer Linie treu geblieben. Es handelt sich durchwegs um selbst geschriebene Songs, wo noch nicht mal ein Loop geklaut worden ist.

inMusic: In den Credits ist bei vielen der Songs Leslie Mandoki und Laszlo Bencker (keyboards & bass) aufgeführt...

Curly: Ja, Leslie und Laszlo sind ein eingespieltes Songwriterteam, wobei aber auch noch viele andere Leute im Studio mitgearbeitet haben. Oftmals gab es auch nur ein Demo, über das wir im Studio abgestimmt haben bzw. dann daraus einen richtigen Song gemacht haben. Großen Wert habe ich insbesondere auf die Texte gelegt, mit denen ich mich natürlich hundertprozentig identifizieren musste. Ich denke, das hat zur Glaubwürdigkeit des ganzen Albums sehr viel beigetragen...

Rainer Guérich
CD: Natural (Paroli Records/Sony)

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