RPWL.
Sessions

RPWL., Deutschlands beste Progrock-Band, veröffentlicht mit “Stock” eine Sammlung unreleaster Stücke aus den letzten 5 Jahren. Gitarrist Karlheinz Wallner erzählte uns, warum dieses Material unbedingt veröffentlicht werden musste...

 

inMusic: Nach euren beiden hervorragenden Alben “God Has Failed” (2000) und “Trying To Kiss The Sun” (2002) habt ihr nun für “Stock” in euren Archiven gekramt bzw. Stücke veröffentlicht, die auf die ersten beiden CDs nicht so richtig gepasst haben?

Karlheinz: Mehr oder weniger. Wenn man eine Platte einspielt, gibt es ja immer mehr Songs als man letztlich verwendet. Und dann musst du dich schweren Herzens von einigen Tracks trennen. Natürlich kann es aber auch sein, dass eine Nummer zum Abgabetermin nicht rechtzeitig fertig wird, eine Vokalspur vielleicht noch fehlt oder du einfach nicht noch eine Ballade auf der Platte haben willst. Tja, und um solche Stücke handelt es sich auf “Stock”. Das sind alles Songs, die uns schon zum Zeitpunkt ihrer Entstehung sehr gut gefallen haben, aber es nie auf einen offiziellen Release  geschafft haben, obwohl wir sie eigentlich oft in unserem Live-Programm spielen...

inMusic: Interessant ist auch, dass das Album als Doppel-Digipack mit Bonus-DVD (fast zum Preis einer normalen CD) erscheint, wo neben zusätzlichem Videomaterial die Songs auch im Dolby 5.1.Surround-Mix zu hören sind!

Karlheinz: Ja, das war für uns als Musiker besonders reizvoll. Gerade weil wir bei unseren Konzerten ja schon immer mit Quadrophonie-Sound gearbeitet haben. Und so ‘ne Surround-Anlage hat heutzutage fast jeder im Wohnzimmer stehen. Die richtige Nutzung der räumlichen Klangdimensionen ist eine sehr spannende Angelegenheit. Da hörst du beispielsweise den Gesang aus den Center-Speakern, hinten links kommen die Keyboards und aus allen Speakern saust dann mal was im Kreis. Das sind schon ungeahnte, geile Möglichkeiten, die sich da ergeben, fast wie damals bei dem Umstieg von Mono auf Stereo...

inMusic: Einer der besten Songs auf “Stock” ist das über 10minütige “Gentle Art Of Swimming”. Habt ihr das eigentlich live mitgeschnitten, am Anfang ist Publikum zu hören?

Karlheinz: Nein, die Live-Kulisse haben wir nur davorgestellt. “Gentle Art Of Swimming” ist während der “Trying To Kiss The Sun”-Session entstanden. Bei diesem Stück haben wir damals sehr viel gejammt und herumexperimentiert, u.a. mit dem langen Schlagzeug-Teil. Beim Wiederanhören der Bänder  hatten wir einen Riesenspaß...

inMusic: Ein weiterer Favorit von mir ist “Sun In The Sky”. Aus welcher Phase stammt denn dieser Titel?

Karlheinz: Auch aus dieser Session. “Sun In The Sky” wäre ja auch beinahe der Titeltrack für das “Trying To Kiss The Sun”-Album geworden... (lacht), und dann ist uns beim Machen der Platte doch noch der eigentliche Titelsong eingefallen... Wir haben diesen Track damals nicht auf die Platte gepackt, weil wir sonst - wie ich schon angeführt habe - einfach eine Ballade zuviel auf dem Album gehabt hätten...

inMusic: Mit “Opel” findet sich auf “Stock” auch ein neuer Song von euch. Bei diesem Titel handelt es sich um eine Coverversion eines  relativ unbekannten Uralt-Pink-Floyd-Demos?

Karlheinz: Ja, das ist eine alte Nummer von Syd Barrett, die 1988 auf dem gleichnamigen Barrett-Sampler erstmals veröffentlicht wurde. Im Original hat Syd den Titel nur mit der Akustikgitarre eingespielt, fast so, als wenn er nur eine Idee festhalten wollte. Wir haben aus dieser spartanischen Rohversion ein Arrangement gemacht, das ziemlich rockig klingt und live von uns sehr gerne als Soundcheck gespielt wird.

inMusic: Lebt Syd Barrett eigentlich noch?

Karlheinz: Ich glaube ja, aber genau weiß ich das gar nicht. Er war damals einer der Ur-Pink Floyds und hat nach wie vor eine sehr große Anhängerschar...

inMusic: Kannst du mir auch noch etwas über die Entstehungsgeschichte der anderen Songs erzählen?

Karlheinz: Klar. “The Way It Is” war einer der ersten  Songs, die wir mit RPWL. überhaupt gemacht haben. Ich weiß gar nicht, warum wir den damals nicht auf die “God Has Failed” mit drauf genommen haben. Wahrscheinlich schien er uns seinerzeit nicht passend zu dem restlichen Material. Von dem dreigeteilten “Forgive Me” (Part 1-3) gab es während der “God Has Failed”-Sessions eine Piano-Urversion, die dann irgendwie nicht rechtzeitig fertig wurde. Für “Stock” haben wir aus diesem Grunde den Gesang auch nochmal neu aufgenommen.

inMusic: Warum habt ihr bei diesem Stück eigentlich den Part 1 von den restlichen beiden Teilen getrennt?

Karlheinz: Das hat uns beim Durchhören des Stock-Albums einfach in dieser Reihenfolge so besser gefallen. Wenngleich auch keine thematische Verbindung zu den anderen Stücken besteht. Der Hörer kommt durch diesen vorangestellten Part einfach in eine bessere Stimmung, was dem ganzen Album sehr gut getan hat... Bei “Who Do You Think You Are” handelt es sich praktisch um die Urversion von “Who Do You Think We Are”, das ja auf der “God Has Failed”-CD zu finden ist. Die Textidee ist dieselbe, wobei die Musik mehr beatlesk klingt.

inMusic: Schlummern in eurem “Archiv” noch weitere Schätze, d.h. wird es vielleicht irgendwann noch ein “Stock II”-Album geben?

Karlheinz: Vielleicht in ein paar Jahren. Die restlichen Stücke, die wir aus unserer bisherigen Phase noch haben, sind eigentlich vernachlässigbar. Bis auf 1-2 Sachen aus der “Trying To Kiss The Sun”-Session...

Rainer Guérich
CD: Stock (Tempus Fugit/SPV)

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