SWINGER CLUB
Jazz für alle Leute & Gelegenheiten

Wenn die drei Herren des SWINGER CLUBS aufspielen, ist ungezwungene Kleidung erwünscht. Ihre “Monsters Of Jazz” sind eigenwillige, jazzoide Bearbeitungen bekannter Techno-, Pop- und Rock-Meilensteine (u.a. “Highway To Hell”, “Firestarter” von Prodigy”), die mit ungebremstem Swing-Faktor die Beinmuskulatur zum Zucken bringen.

 

inMusic: Der Stil auf eurer Platte ist einzigartig. Wie ist euer hypertanzbarer, humorvoller Swing-Trash-Jazz mit den züngelnden Orgelsounds eigentlich entstanden?

Martell Beigang (Schlagzeug): Viele Jahre haben wir traditionellen Jazz gemacht, mit dem wir dann so durch die Lande getingelt sind. Und diesen   “Jazz für reiche Leute” haben wir irgendwann auch mal auf ‘ner Versammlung vor Trainer und Manager des Fußballvereins Bayer Leverkusen gespielt. Und als da die Jungs mit den Schnauzbärten so vor uns saßen, dachten wir nur: “Warum engagieren die denn nun ‘ne Jazzband, wenn sie die Stücke gar nicht kennen? Da läuft doch irgendetwas schief. Die wollen ein ganz bestimmtes Lebensgefühl bzw. Esprit spüren, aber nicht mit diesen Songs.” Tja, und dann haben wir uns noch am gleichen Abend gehörig einen hinter die Binde gekippt und uns den Tag später daran gemacht, unsere Coverversionen mit Gesang und Jazz-Charme einzustudieren. Und das hat dann prima geklappt...

inMusic: Besonders charakteristisch an eurem Sound ist der Klang der Orgel, der sich vordergründig in das Gehör einschmeichelt...

Andreas Hirschmann (Orgel): Ja, das ist  mein Instrument. Ich spiele auf einer CX-3 von KORG, einer der ersten Hammond-Nachbauten, die man kaufen konnte. Ich habe mit 11 Jahren zum ersten Mal Kirchenorgel gespielt und dadurch meine Liebe zu diesem Instrument gefunden. Daneben spiele ich aber auch noch sehr gerne  Stylophone. Das ist ein sehr kleines Gerät mit einer Metallleiste, worauf die Tasten wie bei einem Klavier eingraviert sind. Durch einen Stift, der da drin steckt und mit einem Kabel verbunden ist, fabriziert man dann sozusagen einen Kurzschluss, mit dem man auf der Leiste monophon Töne spielen kann. Das klingt wie ein sehr harter Sinuston. Auf dem Stück “So Lonely” (Police) und dem “Goldfinger”-Thema (JAMES BOND) kann man das Stylophone übrigens sehr gut heraushören.

inMusic: Oftmals habt ihr bei euren Coverversionen gleich mehrere Originale zusammen verbraten. Auf “We Will Rock You” ist beispielsweise auch “Stayin’ Alive” zu hören...

Andreas: Ja, genau! Das waren meist ganz spontane Ideen, die wir beim Proben hatten. Wir verschmelzen da gerne die verschiedensten Songs miteinander, um etwas Neues entstehen zu lassen.. Alles andere wäre ja auch langweilig...

inMusic: Gibt es auch Coverversionen, die sich schlecht in euren Swinger Sound transportieren lassen?

Andreas: Klar, das endet manchmal bei uns sogar im Streit und kurz vor der Bandauflösung (lacht). Aber im Ernst: Wir haben mittlerweile fast schon einen Swinger Club-Filter entwickelt, durch den wir entscheiden können, ob eine Nummer funktioniert oder nicht. Man kann nicht jeden Hit nehmen. So ‘ne Nummer muss melodiös sein und - ganz wichtig - uns bei der Interpretation bzw. beim Proben Spaß machen.

inMusic: Kannst du mir ein Stück nennen, das bei euch überhaupt nicht funktioniert hat?

Andreas: “I Want You” von den Beatles beispielsweise oder “Yes Sir, I Can Boogie” von Baccara.

Martell: Das waren einfach Nummern, die uns nicht gekickt haben. Wir wollen die Stücke dann ja auch nicht nur covern, sondern auch verändern.

inMusic: Das hört man u.a. auch bei dem AC/DC-Klassiker “Highway To Hell” sehr schön, wo euer Kontrabassist zum Solo ausholt!

Jan von Polheim (Kontrabass): Das war zwar technisch nicht allzu schwer, aber schon eine sehr lustige Angelegenheit für mich, “ganz tief im Keller” mit dem Kontrabass statt der Gitarre das Lied zu eröffnen. Ansonsten bin ich aber hauptsächlich bandintern für die Groovearbeit verantwortlich und muss mich mehr zurückhalten.

inMusic: Habt ihr eigentlich schon durch euren doppeldeutigen Bandnamen “Swinger Club” irgendwelche Probleme bekommen?

Jan: Probleme würde ich nicht sagen. Aber es gab schon so 2-3 Anfragen von Kulturämtern, die meinten, ob wir für unsere Auftritte in deren Hallen nicht den Namen ändern könnten. So was lehnen wir natürlich kategorisch ab... eine gewisse Portion Humor gehört bei uns nicht nur zur Musik...

Rainer Guérich
CD: Monsters Of Jazz (Supermusic/Alive)

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