CAT SUN FLOWER
“Wir wollen zeitlose Popmusik machen”

Mit “European Cuts” legen die Münchener CAT SUN FLOWER ein Popalbum fernab jeder Effekthaschere i vor: Smoother, weiblicher Gesang entfaltet sich in intimen und doch komplexen Songstrukturen, die das Ohr des Hörers mit unterschwelligem Charme stimulieren. inMusic unterhielt sich mit GERALD HUBER (bass, piano) über diesen wunderschönen Pop, der kein Verfallsdatum kennt...

 

inMusic: Euer neues Album “European Cuts” ist eine wirklich schöne Aufnahme mit den unterschiedlichsten Stimmungen. Ihr habt das komplexe, intime Klangbild, das schon auf dem Vorgänger “Driving South, Staying There” zu hören war, gewissermaßen nochmals ausgebaut...

Gerald Huber: ... oder weiter kultiviert. Wie man das auch immer sehen möchte. Wir haben uns bei der “Driving South...” vor etwas mehr als 2 Jahren dazu entschlossen, einen etwas ruhigeren, unserem Alter entsprechenden, musikalischen Weg zu gehen. Und diesen Ansatz haben wir nun auf der “European Cuts” verfeinert, aber auch erweitert. So haben wir bei dieser Aufnahme erstmals mit Piano-Geschichten gearbeitet, aber auch Bläserinstrumente wie Bassklarinette, Flöte u.a. in unseren Sound integriert.

inMusic: Haben euch diese größeren, instrumentalen Variationsmöglichkeiten denn auch beim Songschreiben in irgendeiner Form beeinflusst?

Gerald Huber: Eigentlich nicht. An der Entstehung eines Songs sind lediglich unsere fünf festen Bandmitglieder beteiligt. Musikalische Gäste, die wir an der Ausgestaltung der einzelnen Songs mitwirken lassen, sind lediglich das Sahnehäubchen und dienen zur Vollendung der jeweiligen Nummer. Es ist jetzt aber nicht so, dass wir beim Komponieren speziell an diese Gastmusiker denken würden. Nach unserer Meinung muss ein Song auch ganz einfach nur mit Gitarre und Gesang funktionieren. Beim Komponieren haben wir kein großes Orchester im Kopf...

inMusic: Das Aufnahme-Ambiente scheint euch  sehr wichtig zu sein. Wart ihr beim CD-Vorgänger noch in der Toskana, ging es diesmal in ein entlegenes Haus in den Schwarzwald und an den idyllischen Lago Maggiore, der auch das Eingangsstück der CD geprägt hat!

Gerald Huber: Ja, das ist richtig. Vor allem am Lago Maggiore hatten wir ein sehr schönes Haus mit Blick auf den See. Solch ein wunderschöner Panorama-Blick beflügelt dich natürlich deutlich mehr als wenn du durch das Gitterfenster eines Souterrain-Studios schaust. Und “Lago”, das Intro der CD, gibt diesen Blick über den See sehr schön wieder.

inMusic: Hattet ihr bei diesen Sessions ein portables Aufnahmestudio zur Verfügung?

Gerald Huber: Wir haben die Songs mit einer 16-Spur  Bandmaschine analog aufgenommen und dann zu Hause in unserem Studio mit den Gastmusikern komplettiert.

inMusic: Gibt es bei euch denn auch so etwas wie einen Hauptsongschreiber?

Gerald Huber: Ja, das ist bei uns hauptsächlich Rainer Germann.

inMusic: Er spielt laut Booklet ziemlich viele Instrumente!

Gerald Huber: Ja, wenn man auch die Kinderinstrumente wie die Melodika dazurechnet, hat er schon einiges zu tun...

inMusic: Rainer spielt genau wie du auch Piano. Wer von euch Beiden ist auf diesem Instrument denn auf der Platte am meisten zu hören?

Gerald Huber: Eigentlich ich. Rainer hat lediglich auf “Europe By Train” die Piano-Arrangements gespielt. Einem Stück übrigens, das auch seiner Feder entsprungen ist.

inMusic: “Europe By Train” ist ja fast schon eine richtige Jazznummer. Eine der Vorlieben von Rainer?

Gerald Huber: Ja, logisch. Rainer reizen diese alten Swinggeschichten ungemein. Natürlich war er damals auch von Bryan Ferrys Crooner- Album “As Times Goes By” begeistert. Er steht auf die alten Klassiker und hat eine Menge Jazzalben in seiner Sammlung stehen...

inMusic: Jazz ist ja bekanntlich zeitlos, eine Attitüde, die man problemlos auch auf den Pop-Almanach eures Albums übertragen könnte!

Gerald Huber: Genau! Das ist auch unser eigentliches Bestreben: Wir wollen zeitlose Musik machen, die man auch noch in 10 Jahren problemlos hören kann. Das Schlimmste, was man unserer Meinung nach machen kann, ist, sich an irgendwelchen Trends oder dem vorherrschenden Zeitgeist zu orientieren. (lacht) Was unsere Radiolandschaft ja auch jeden Tag und zu jeder Stunde immer wieder beweist. Diese Musik ist wirklich nicht sehr hörenswert...

inMusic: Dem kann ich nur zustimmen. Ich nutze das Radio ausschließlich als Informationssender, Format-Radiosendungen mit den TOP 40 vermeide ich so gut es geht...

Gerald Huber: ... im Fernsehen ist es dasselbe. Ich frage mich da nur noch: Wo werden die Öffentlich Rechtlichen Anstalten da noch ihrem Bildungsauftrag gerecht? “Deutschland sucht den Superstar” hat diesbezüglich ziemlich perfekt bewiesen, dass du Millionen Menschen mit Null Inhalt mobilisieren kannst. Traurig, aber wahr!

inMusic: Zum Glück gibt es aber auch noch Leute, die euren “handwerklich gut gemachten Rotwein-Pop für Erwachsene”, wie es ein Kritiker treffend beschrieben hat, zu schätzen wissen!

Gerald Huber: Ja, das freut einen natürlich als Künstler und gibt dir die Kraft weiterzumachen...

Rainer Guérich
CD: European Cuts (redwinetunes/PIAS-Zomba)

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