ERDMÖBEL: Fundstücke

ERDMÖBEL versetzen den Hörer mit ihren deutschsprach igen Geschichten und Songs auf “Altes Gasthaus Love” in die unterschiedlic hsten Stimmungen. inMusic sprach mit Sänger MARKUS BERGES...

 

inMusic: Meine Lieblingssongs auf eurem Album sind “In den Schuhen von Audrey Hepburn” und “Busfahrt”.

Markus: Gute Auswahl! “In den Schuhen...” ist ja auch unsere aktuelle Single und “Busfahrt” ist gerade auf dem neuen Rolling Stone-Sampler vertreten. Es gibt viele Leute, die gerade letztere Nummer mögen, obwohl sie wegen des Sprechgesangs etwas aus der ganzen Platte herausfällt.

inMusic: Ich finde diesen Sprechgesang, der ja praktisch eine Aneinanderreihung von Beschreibungen und Beobachtungen ist, äußerst faszinierend und fesselnd!

Markus:Dieses Element hat sich bei dieser Geschichte einfach angeboten...

inMusic: Bist du als Sänger auch für die Texte verantwortlich?

Markus: Ja, genau. Ich schreibe die Texte und eigentlich auch die Musik, wobei von den anderen aber auch schon Ideen dazukommen können...

inMusic: Ihr seid insgesamt zu viert?

Markus: Das Album haben wir zwar zu viert eingespielt, aber mittlerweile ist noch ein Kontrabassist zu uns gestoßen, mit dem wir auch auf Tour gehen werden.

inMusic: Was kannst du mir denn über die eigentliche Studioarbeit erzählen?

Markus: Wir hatten diesbezüglich keine Zeitprobleme, da unsere beiden Bandmitglieder Ekimas (auch Produzent) und Wolfgang (Keyboards) hier in Köln ein Tonstudio (Musikkollektiv Eigelstein) betreiben. Das hat unsere Arbeit an der CD schon sehr flexibel gestaltet. Wir haben mit etlichen Unterbrechungen immer wieder an den einzelnen Tracks herumgefrickelt, was für die Entwicklung des Albums sehr wichtig war.

inMusic: Ihr habt also praktisch Song für Song ausgearbeitet?

Markus: Ja, genau. Ich hatte als Songwriter natürlich das Problem, dass ich immer wieder mit neuen Songs kommen musste, die dann von den anderen auch gleich verhackstückt bzw. kritisiert wurden. So kam dann die mit 18 Monaten recht lange Entstehungsgeschichte der 11 Songs zustande...

inMusic: Diese Vorgehensweise erklärt mit dem jeweiligen, zeitlichen Abstand jeder Nummer aber auch ganz gut die Vielseitigkeit von “Altes Gasthaus Love”!

Markus: Klar, das hat bestimmt damit etwas zu tun. Aber wir haben eigentlich den Ansatz, an jede Nummer immer wieder völlig unbedarft heranzugehen. Also danach zu fragen: Was braucht das Stück jetzt, und an was haben wir in diesem Moment gerade Spaß? So gesehen sind alle unsere Stücke Momentaufnahmen, die ein Jahr später eingespielt, natürlich eine ganz andere Wendung nehmen könnten...

inMusic: Interessant sind auch die musikalischen Finessen, mit denen ihr die einzelnen Kompositionen bespickt. Euch scheint im Studio ein sehr großer Instrumentenpark zur Verfügung zu stehen!

Markus: Das stimmt. Im Studio gibt es eine Vielzahl von neueren und älteren Effektgeräten, Drumcomputern, Echoposaunen, Keyboards, aber auch richtiger Trash. Wir schauen dann immer, was eine Nummer braucht, experimentieren und lassen uns intuitiv leiten. Wobei wir natürlich auch sehr gerne und ausschweifend Sounds am Computer gestalten. Am Anfang steht das spielerische, experimentelle Moment und dann folgt wirklich die knallharte Ausarbeitung.

inMusic: Wobei ihr bei der Ausarbeitung dann aber sicherlich auch mit vielen Tonspuren arbeitet?

Markus: Sicher, es ist - wie bereits gesagt - eine langwierige Prozedur, die uns zwar sehr viel Spaß macht, aber mitunter auch sehr anstrengend sein kann.

inMusic: Ich hab’ gehört, du magst privat sehr gerne amerikanische Songwriter?

Markus: Ja, das stimmt. Ich stehe unheimlich auf Bob Dylan, Van Morrison und Joni Mitchell. Also alles alte Helden aus den 70igern, die ich aber immer noch regelmäßig höre.

inMusic: Was hat es eigentlich mit dem Cover, CD-Titel und der Streichholzschachtel mit dem Aufdruck “Altes Gasthaus Love” auf sich?

Markus: Das war ein Fundstück, das mir erst wenige Wochen vor Fertigstellung der CD in einer Schublade in die Hände gefallen ist. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt überhaupt keine Idee, wie wir die Platte nennen sollten. Und da sah ich dieses Streichholzschächtelchen, das im Original “Altes Gasthaus Leve” heißt und das ich vor gut einem Jahr in unserer alten Heimatstadt Münster irgendwo mitgenommen habe, weil ich irrtümlicherweise dachte, dass da “Love” drauf steht. Die Kneipe selbst habe ich komischerweise nie besucht...

Rainer Guérich
CD: Altes Gasthaus Love (Tapete Records/Indigo)

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