DEMENTI: Zweigefühl

Mit “Zweigefühl” legen DEMENTI ein Album vor, dass von den Texten nicht bildreicher und provokativer sein könnte. Gefühlszustän de werden wirkungsvoll in Riffs, Samples und Melodien komprimiert. inMusic unterhielt sich mit Sänger NICO AMARELL   über eine außergewöhnliche Platte...

 

inMusic: Ihr legt mit “Zweigefühl” eine CD vor, bei dem der Albumtitel wörtlich zu nehmen ist. Eure direkten Texte und die variabel gehaltene Musik lebt von der Wechselwirkung der Gegensätze und lässt natürlich eine Menge Interpretationsspielraum!

Nico Amarell: Das ist schon richtig. Auf unserem Album gibt es Passagen, bei denen es richtig zur Sache geht, aber auch ruhigere Parts. So wie im richtigen Leben bei Beziehungen zwischen zwei Menschen.  “Zweigefühl” bedeutet Gefühle austauschen, Problembewältigung, was positiv und negativ sein kann. Und gerade um diesen Zwiespalt geht es uns auf den Songs des Albums...

inMusic: Die Texte stammen allesamt aus deiner Feder. Handelt es sich bei einigen Stücken  auch um persönliche Empfindungen  von dir?

Nico Amarell: Teilweise. Obwohl das meiste jetzt nicht wörtlich zu nehmen ist. Beziehungsprobleme macht wohl jeder durch. Ich fand es einfach sehr reizvoll, bestimmten Gefühlen einen musikalischen Ausdruck zu verleihen. Was natürlich schon sehr hilfreich dazu sein kann, bestimmte Dinge leichter zu bewältigen. Ich schildere in meinen Texten Gedanken und Gefühle zum Leben. Wir wollen dem Menschen durch unsere Musik Emotionen zurückgeben, die im Alltag oft verschüttet scheinen. Wir blicken der Wut und dem Schmerz ins Gesicht, um das Leben danach mit hoffnungsvolleren Augen zu sehen. Und wenn das beim Hörer ankommt, haben wir unsere Mission erfüllt!

inMusic: Das heißt aber auch, dass ihr beim Hörer Emotionen wecken wollt?

Nico Amarell: Sicher, das ist unser Ansatz. Wir machen mit DEMENTI keine Musik zum Nebenbei Hören. Wir wollen die Leute mit unseren Songs erreichen und sie auch zum Nachdenken anregen. Selbst wenn wir abgründige Themen besingen, soll die Lösung doch positiv sein - der Wunsch. durchs Dunkel ins Licht zu gelangen. Das heißt natürlich nicht, dass wir nun irgendwelche Allheilmittel oder Patentrezepte hätten, aber wir wollen, dass jeder das beste aus seiner momentanen Situation und seinem Leben macht.

inMusic: Habt ihr diesbezüglich auch schon Feedback von euren Fans bekommen?

Nico Amarell: Ja, uns erreichen ständig eMails von Leuten, die uns schreiben, dass wir ihnen mit dem einen oder anderen Stück genau in dem richtigen Moment aus der Seele gesprochen haben. Dieses Feedback ist für uns als Band auch sehr aufschlussreich, da wir sehen, dass unsere Songs oftmals ganz anders interpretiert werden, als wir das ursprünglich geplant haben. Aber genau das ist ja auch das Spannende und Gute an unserer Musik. Wir geben Denkanstöße und lassen dem Hörer genügend Freiraum, sich seine eigene Gedanken zu machen.

inMusic: Von der musikalischen Ausrichtung her seid ihr sehr offen. Da gibt es elektronische Parts, rockige Gitarren, poppige Elemnete  und natürlich auch eine kräftige Prise Dark. Man kann euch stilistisch schwer festlegen!

Nico Amarell: Ja, wir wollen uns da auch nicht in irgendeine Gothic-Ecke drängen lassen. Wir verbinden ganz einfach elektronische Elemente mit Gitarren. Und das kann dann losrocken, tanzbar sein oder poppig klingen. Je nachdem, welche Gefühle wir gerade ausdrücken wollen. Vom Line-Up her sind wir aber eine klassische Rockband und zeigen das auch bei unseren Liveauftritten sehr deutlich mit manchmal bis zu drei Gitarristen.

inMusic: Wie sind denn die musikalischen Vorlieben von euch?

Nico Amarell: Die sind extrem unterschiedlich. Da gibt es Bandmitglieder, die auf Phil Collins und James Taylor stehen, aber auch welche, die Linkin’ Park und Paradise Lost mögen. Und gerade dieser unbedarfte Umgang mit den unterschiedlichen Stilen ist unser größtes Plus bei DEMENTI...

Rainer Guérich
CD: Zweigefühl (RE:POP/SMIS)

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