LADY GODIVA
Irish Folk, der Laune macht...

In Sachen tanzbarem Irish Folk Punk sind LADY GODIVA eine der feinsten Adressen in Deutschland. AnlĂ€sslich der neuen Scheibe „Zooperation“ fĂŒhrte inMusic ein Interview mit THORSTEN DONNER, dem Drummer und Texter der Band...

 

inMusic: Mit „Zooperation“ liegt euer viertes Album vor, das mir insbesondere durch seine diversen Tempowechsel und verschiedenen Klangfarben gefĂ€llt. Eure Eigenkompositionen und Bearbeitungen von Traditionals verbreiten nicht nur gute Laune, sondern beinhalten zwischen Polka, Speed, Irish Folk, Rock- und Akustiksound eine Menge Überraschungsmomente. Woher rĂŒhrt diese Vielseitigkeit?

Thorsten: GrundsĂ€tzlich ist es so, dass wir 7 Leute sind. 7 Leute, die auch ebenso viele verschiedene GeschmĂ€cker haben, die ganz automatisch in unser Songwriting mit einfließen. NatĂŒrlich haben wir uns schon auf „Irish-Folk-Punk“ eingeschossen, jedoch denken wir, dass sich vor allem Stilrichtungen wie Ska oder Country nicht zuletzt aufgrund unserer „traditionellen“ Instrumentierung sehr gut miteinander vermischen lassen. Es ist halt doch alles irgendwie tanzbare Partymusik...

inMusic: Was hat es mit dem CD-Titel „Zooperation“ auf sich? Ist es vielleicht eine Referenz an die reichhaltige Populations-Dichte von musikalischen StilgewĂ€chsen auf eurer Platte?

Thorsten: So haben wir das noch gar nicht gesehen. Ist aber eine schöne Idee. Nein, wir suchten nach einem Projekttitel fĂŒr das neue Album. Das hat auch etwas mit der Historie unseres Namens „Lady Godiva“ zu tun. Die Intention zu unserem Namen stammt ursprĂŒnglich von der Velvet Underground Single „Lady Godiva’s Operation“. Aus Operation machten wir einfach „Zooperation“ und gingen mit der Idee fĂŒrs Fotoshooting zu einem befreundeten kleinen Wanderzirkus.

inMusic: Den „Zoo-Gedanken“ habt ihr in dem schön gestalteten CD-Booklet sehr ansprechend umgesetzt. So sind die einzelnen Ladys mit diversen „Viechereien“ zu sehen, u.a. Lars (Bass) mit einer ziemlich ekligen Spinne und Thomas (Tin-Whistle, Gesang) mit einer 2,50 m langen Boa. Ihr scheint ja ziemlich furchtlos zu sein!?

Thorsten: Nicht wirklich. Vor allem bei den beiden angesprochenen Tieren war die allgemeine Stimmung ein wenig unentspannt. Die Sache mit der Spinne war gar nicht so ungefĂ€hrlich, aber natĂŒrlich haben wir (und auch die Tiere) das alles wohlbehalten ĂŒberstanden. Bis auf Ingo, der sich auf dem Elefanten irgendeinen Virus zugezogen hat.

inMusic: Was könnt ihr mir ĂŒber die Studioarbeiten im Neheimer Studio „Der Ton“ erzĂ€hlen, in dem euch wie schon beim letzten Album Produzent Martin MeinschĂ€fer unterstĂŒtzt hat?

Thorsten: Wir sind dieses Mal eigentlich relativ unvorbereitet ins Studio gegangen. Einige Songs waren noch gar nicht ausgereift, so dass Martin MeinschĂ€fer dieses Mal viel mehr als Produzent tĂ€tig sein konnte als noch auf „Red letter day“, wo im Endeffekt alles schon fertig war, als wir ins Studio gingen. Das machte die Sache natĂŒrlich  unheimlich spannend, weil viele Songs erst im Studio „zu leben“ begannen.

inMusic: Ihr seid ja bekannt dafĂŒr, dass ihr im Studio gerne ungewöhnliche Sounds erzeugt, indem ihr herumtĂŒftelt. So diente eurem Schlagzeuger beim letzten Mal u.a. eine PlastiktĂŒte zur Klangerzeugung. Was gab es diesmal fĂŒr Experimente?

Thorsten: Dieses Mal haben wir eigentlich gar nicht so viel experimentiert. NatĂŒrlich gibt es auch auf dieser CD viele kleine versteckte Effekte. Mal eine verzerrte Stimme hier, mal ein Echo dort. Aber dieses Mal haben wir noch mehr Wert darauf gelegt, die Songs möglichst „live“ klingen zu lassen. Deshalb haben wir auch noch eine Schippe draufgelegt, was unseren Girtarrensound angeht.

inMusic: Mit „Love Is All Around“ findet sich auch eine Coverversion der PETARDS auf dem Album. Wie kam es dazu?

Thorsten: Uns sollte wundern, wenn viele Leser die „Petards“ kennen wĂŒrden. Wir kannten Sie ehrlich gesagt auch nicht. Die „Petards“ waren Ende der sechziger Jahre eine echte Kultkapelle, und sowas wie die deutsche Nummer 3 in Sachen Beat-Musik (nach den Rattles und den Lords). Die Band kam ursprĂŒnglich aus dem beschaulichen Örtchen Schrecksbach in Hessen. In Schrecksbach wiederum gibt es die sogenannte Freie Musikinitiative Schrecksbach (FMS), bei denen wir schon einige Konzerte gespielt hatten. Die Jungs von der FMS sind gerade dabei, ein „Tribute to Petards“ - Album zusammenzustellen. Sie fragten uns, ob wir Lust hĂ€tten, einen Song zu covern. Da wir gerade im Studio waren, entschieden wir uns spontan „Love Is All Around“ aufzunehmen.

inMusic: Habt ihr bestimmte Songs auf der Platte, die ihr besonders mögt?

Thorsten: GrundsĂ€tzlich sind wir mit der CD als Gesamtwerk sehr zufrieden. Man hat immer seine favorisierten Lieblingssongs  bzw. Lieder, die einem nicht ganz so gefallen. Das ist auch auf dieser CD so. Beim Publikum kommen besonders die Party-Songs an: „Kensington“, „Back To The Hills“ oder auch „Peggy Lettermore“. Aber auch „City of Lights“, die Ballade am Ende der CD kommt gut an. Hierbei geht es ĂŒbrigens um Neheim, die Stadt der „Leuchten“ (-industrie), in der langsam, aber sicher alle Lichter auszugehen drohen. Es ist halt nicht alles immer nur Party, sondern wir wollten auch mal etwas Nachdenkliches bringen.

inMusic: Was steht bei euch in nÀchster Zukunft an?

Thorsten: Es war wieder einmal ein erfolgreicher Sommer, mit einer ganzen Reihe von Festivals. Zur Zeit sind einige von uns im Urlaub, und wir gönnen uns eine kleine Schaffenspause. Im Herbst geht‘s dann wie gewohnt mit einigen Clubgigs weiter, und im nĂ€chsten FrĂŒhjahr werden wir unser 10-JĂ€hriges gebĂŒhrend abfeiern.

inMusic: Habt ihr noch eine Botschaft an unsere Leser?

Thorsten: Keine, die nicht schon irgendjemand vor uns vom Stapel gelassen hÀtte.

inMusic: Welche CD schlummert gerade in eurem CD-Player?

Thorsten: Eine ganz wilde Mischung: die Sammlung unseres Tourbusses umfasst u.a. TontrĂ€ger von folgenden KĂŒnstlern: Pogues, Whisky Priests, Iron Maiden, NOFX, Fips Asmussen, Ramones, The Busters, Ärzte und Tote Hosen.

inMusic: Jetzt könnt ihr noch was los werden, wonach ich vielleicht nicht gefragt habe...

Thorsten: Die neue CD gibt‘s ĂŒber unsern Mailorderservicebereich auf der Homepage unter www.ladygodiva.de bei den „Fanartikeln“, oder sie kann direkt bestellt werden bei shop@ladygodiva.de. Sie kostet 15 EUR (plus Versandkosten) und dafĂŒr gibt‘s satte 61 Minuten Musik und 14 neue Songs (oder waren es gar 15...).

Rainer Guérich
CD: Zooperation (Langstrumpf Rec.) 

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