FIDDLER’S GREEN
Selbst in Nowosibirsk steht man auf guten Nu Folk!

FIDDLER’S GREEN haben mit „Nu Folk“ ein neues, großartiges Album eingespielt. Violinist TOBIAS HEINDL stand inMusic etwas verschnupft und erkältet Rede und Antwort...

 

Tobias: Wir sind gestern von einem Touraufenthalt in Russland zurückgekommen. Ich hab’ mir dort scheinbar irgendwelche Viren eingefangen. Ich bin richtig heiser...

inMusic: Euer Promoter Stephan hat mir gesagt, dass ihr sogar im tiefsten Sibirien (fröstel) aufgetreten sein sollt?

Tobias: Ja, wir waren zuerst in Nowosibirsk in Sibirien. Aber da war es nicht - wie man annehmen sollte - kalt, sondern 30° Grad.  Wir waren dort sogar schwimmen. Das war geil! AnschlieĂźend sind wir dann 4.000 km zurĂĽck nach Moskau geflogen, wo es richtig kalt wurde. So Temperaturen um die 6° Grad, und unser Hotel war leider auch nicht gerade das neueste...

inMusic: Wie sind denn eure Konzerte in Russland  gelaufen? Wie war das Publikum?

Tobias: In Nowosibirsk haben wir zwei Auftritte gehabt und in Wladimir bei Moskau dann  noch einen. In Wladimir waren wir wegen eines Kulturaustauschs unserer Heimatstadt Erlangen anlässlich einer 100-jährigen Partnerschaft. Das Ganze war allerdings ziemlich schlecht organisiert. Wir hatten im Vorfeld zwar 300 Plakate dorthin geschickt, aber es wusste scheinbar niemand von unserem Auftritt. Dazu kam noch die beschissene Auftrittszeit von 18.00 Uhr, obwohl dort angeblich schon um 19.00 Uhr die örtliche Disco losgehen sollte. (seufzt) Das war unser schlechtbesuchtestes Konzert ĂĽberhaupt: Gerademal 20 Stadtfuzzis aus Erlangen plus 5 Dolmetscherinnen... 

inMusic (lacht, sorry): Das hört sich ja wie das nackte Grauen an...

Tobias: Aber echt! Zum GlĂĽck war es in Nowosibirsk ganz anders. Da stimmte die Organisation und das Publikum war klasse!

inMusic: Hat man denn dort von euch vorher schon mal etwas gehört?

Tobias: Lustigerweise gab es dort eine Coverband, die unsere Musik schon seit einigen Jahren auf der StraĂźe nachspielt. FĂĽr die Jungs sind wir richtige Helden. Insofern waren die Songs von uns in Nowosibirsk recht bekannt...

inMusic: Habt ihr in Russland auch schon StĂĽcke eures neuen Albums gespielt?

Tobias: Nein, das war gewissermaßen noch der Abschluss unserer „Folk Raider“-Tour.

inMusic: Und nun kommt schon eure neue CD „Nu Folk“ in die Läden! Wann habt ihr das Material eigentlich eingespielt?

Tobias: Wir haben mit den Aufnahmen im Mai diesen Jahres begonnen. Das hat bei uns schon Tradition, weil wir dann immer Tourpause haben. Gebastelt haben wir dann an den StĂĽcken so bis Ende Juni. Im Juli standen dann technische Dinge wie Mischen und Mastern auf dem Programm, damit wir die CD auch rechtzeitig ins Presswerk geben konnten. Wir machen Label, Produktion, Aufnahme, Internet und Grafik ja nach wie vor selbst...

inMusic: Mit dem CD-Titel „Nu Folk“ habt ihr eurem aktuellen Sound eine ziemlich treffende Stilschublade verpasst. Musikalisch klingt die Scheibe nicht mehr ganz so hart wie der Vorgänger. Bei verschiedenen Songintros scheint ihr auch einen Sampler eingesetzt zu haben!?

Tobias: Das stimmt, unser Sänger Peter Pathos war da bei einigen Stücken ganz findig und hat einiges ausprobiert...

inMusic: Das Klangvolumen der Platte ist mit seiner  ganzen akustischen Tiefe sehr beeindruckend!

Tobias: Ich finde auch, dass wir diesbezüglich gegenüber der „Folk Raider“ einen großen Schritt nach vorne getan haben. Neben einigen rockigeren Stücken gibt es eine Menge wunderschöner Balladen.

inMusic: Für Fiddlers-Verhältnisse geht es diesmal auch ziemlich häufig in Richtung Reggae/Ska. Nicht zu vergessen die beiden gelungenen Instrumentals „Nu Chicks“ und die Coverversion „Popcorn“ (ein echter Klassiker aus den 70ern!)...

Tobias: Ja, „Popcorn“ ist wirklich ein echter Instrumentalklassiker aus den Siebzigern! Wir haben in unserer Bearbeitung das Akkordeon sehr stark gefeatured, wobei der Schlussteil dann ziemlich hart nach vorne geht.

inMusic: Die CD dauert gute 66 Minuten, was zu Vinylzeiten eine klassische Doppel-LP gewesen wäre. Da freut sich der Fan...

Tobias: Ja, allerdings mussten wir diesmal auf einen Multimedia-Bonustrack, wie es ihn bei „Folk Raider“ gegeben hat, verzichten. Der Grund dafür ist ein neues Jugendschutzgesetz, das es seit Anfang diesen Jahres gibt, und das eine etwa halbjährige Vorlaufszeit benötigt. Das heißt, eine gewisse Prüfstelle muss dann jeden Multimediatrack, der irgendwo auf CD erscheint, überprüfen. Und dieses Prüfverfahren haben wir aus zeitlichen Gründen leider nicht geschafft...

inMusic: Was steht bei euch denn in nächster Zukunft  noch an?

Tobias: Ende Oktober beginnt unsere neue Tour, und nächstes Jahr wollen wir dann eine Live-DVD mit den Titeln unserer letzten 3 Alben veröffentlichen. Eventuell werden wir dafür im Januar nächsten Jahres ein Konzert im E-Werk mitfilmen. Tja, und dann gibt es ja noch brandaktuelles Material unseres Russland-Trips, den wir unseren Fans auf dieser DVD auch nicht vorenthalten wollen ...

Rainer Guérich
CD: Nu Folk (Def Shepherd/EFA)

(c) inMusic 2000-2003 alle Rechte vorbehalten