YES
Yesspeak - die DVD!

Im letzten Sommer waren YES zuletzt auf deutschen BĂŒhnen zu erleben. Sie hatten ihr Best-of Set „In A Word“ sowie einen Stapel Wiederveröffentli chungen zu promoten und prĂ€sentierten sich im neuen (alten) „Classic“ Line-Up. Keyboarder-Lege nde Rick Wakeman war in die Band zurĂŒckgekehrt. Wir sprachen anlĂ€sslich der neuesten Doppel-DVD-Veröffentlichung „Yesspeak“ mit ihm.

 

inMusic: Wessen Idee war diese DVD?

Rick Wakeman: Ein bisschen wohl meine. Ich war immer der Meinung, dass Yes sehr fortschrittlich waren in vielerlei Hinsicht, allerdings der DVD-Sektor war geradezu stiefmĂŒtterlich behandelt worden. Also sagte ich, wir sollten versuchen, auch hier mal etwas Neues auszuprobieren, was uns zur Idee zu „Yesspeak“ fĂŒhrte. Nicht einfach eine Rockumentary, geschweige denn einfach ein Konzert. Bei der letzten Tour haben wir deutlich gesehen, dass keineswegs nur alte SĂ€cke zu unseren Konzerten kommen, sondern auch viele relativ junge Hörer, die zum großen Teil noch gar nicht geboren waren, als die Band entstand. Und was es bislang an Biographien ĂŒber Yes gibt, BĂŒcher meine ich, ist grĂ¶ĂŸtenteils Schrott, von Chris Welch’s vielleicht abgesehen. Wie wĂ€re es also, mal eine zeitgemĂ€ĂŸe und sehr moderne Art von Biographie zu entwickeln, etwas, was die Band den jungen Hörer nahebringt und sogar fĂŒr alte Fans noch etwas Neues beinhaltet. Zu dem Zweck begleitete uns Robert Garofalo zunĂ€chst ausgiebig auf Tournee und machte sich ein Bild von der Band, und schließlich befragte er uns einzeln zu allem, was es darĂŒber hinaus noch zu klĂ€ren gab. Fragen, die ihm selbst aufgefallen sind.

inMusic: War es seltsam, so teilweise sehr intime Informationen preiszugeben?

Rick Wakeman: Ja, aber gleichzeitig konnten wir auch nur so aufrĂ€umen mit all den GerĂŒchten und Falschmeldungen ĂŒber uns. Wir haben die einmalige Chance bekommen, Dinge richtig zu stellen. Und darĂŒber hinaus war es einfach notwendig, so viel Informationen ĂŒber die einzelnen Musiker mit hinein zu bringen, einfach um zu zeigen, was die Chemie der Band ausmacht. Diese Band ist so einzigartig, weil die fĂŒnf Charaktere so komplett verschieden sind, und wenn man auch nur ansatzweise verstehen will, warum wir so einzigartig sind, dann ist es wichtig, die einzelnen Menschen kennenzulernen.

inMusic: Die Information, die der Zuschauer auf der DVD erhÀlt, ist aber ja trotzdem nur ein sehr begrenzter Teil einer Biographie, oder?

Rick Wakeman: NatĂŒrlich, man hĂ€tte statt einer Box mit 2 DVDs auch eine mit 5 oder 6 machen können, aber es gibt ja auch etwas wie die Aufmerksamkeitsspanne (lacht). Aber im Prinzip ist das vergleichbar mit einem Set, was man fĂŒr ein Konzert auswĂ€hlt. Man kann immer nur einen Teil des Repertoires vorstellen.

inMusic: Es gibt also die Möglichkeit fĂŒr ein Yesspeak II?

Rick Wakeman: Absolut, es gibt noch Tonnen von Material, das man bringen könnte.

inMusic: Auf der DVD erwĂ€hnst Du die Solo-Spots in euren Live-Sets, die den Input der einzelnen Mitglieder vorstellen sollen - ist das immer noch nötig? Ich meine, die Band gibt es seit 35 Jahren, mĂŒsst Ihr euch noch profilieren?

Rick Wakeman: Das hat nichts mit Profilierung zu tun! Von diversen Umfragen wissen wir, dass viele Fans das schon von uns erwarten. Es gehört zum Set, und es erweitert das Konzert um eine eben sehr Yes-typische Nuance.

inMusic: Sie dienen also weder der Werbung der Solo-Projekte noch einer Pause fĂŒr die Musiker?

Rick Wakeman: Absolut nicht, das haben wir gar nicht nötig. Und was die Pause betrifft, das wĂ€re das einzige Argument, die Spots zu streichen, denn es gibt nichts UngĂŒnstigeres fĂŒr einen Musiker, als den Fluss zu unterbrechen. Das ist wie bei einem Rennen, das man macht - das erste Mal, das man wirklich kaputt ist, ist wenn man eine Pause macht. Nein, diese Solo-Spots gehören einfach dazu, und wir wĂŒrden einige Probleme bekommen, wenn wir z.B. „The Fish“ streichen wĂŒrden.

inMusic: Ein bisschen missverstĂ€ndlich könnte das Cover sein - es wird die komplette Setlist von Tracks der letzten Tournee aufgefĂŒhrt - das Konzert dazu gibt es allerdings nur als Audio-Spur. 

Rick Wakeman: Ja, ich weiß, aber das hat rechtliche GrĂŒnde, ĂŒber die ich eigentlich gar nicht so viel sagen sollte... Ich sollte mir auf die Zunge beißen, aber, als ich vor anderthalb Jahren zu Yes zurĂŒckkam, gab es VertrĂ€ge, die wirklich unglaubliche BeschrĂ€nkungen beinhalteten, was die Veröffentlichung von Live-Konzerten betrifft. Es ist wirklich beschĂ€mend, was sich da einige AnwĂ€lte ausgedacht haben... aber um fair zu sein: wir wollten gar kein Konzertvideo machen! Das wĂ€re die einfache Variante gewesen. Wir wollten einen neuen Weg gehen, und das ist uns gelungen.

inMusic: Das heißt auch, es wird so schnell keine Live-DVDs mehr geben aufgrund dieser seltsamen Vertrags-BeschrĂ€nkungen?

Rick Wakeman: Oh doch, ganz sicher. Da ist durchaus etwas in der Hinsicht in Planung, aber auch da werden wir versuchen, neue Wege zu gehen. Ich meine, eine DVD ist interaktiv - es gibt da unglaubliche Möglichkeiten

inMusic: Nun könnt Ihr Euch ja nicht nur auf alte Sachen verlassen - was habt Ihr neues vor?

Rick Wakeman: FĂŒr uns als Band war es zunĂ€chst wichtiger, wieder zu einander zu finden, anstatt einfach ins Studio zu gehen, und ein paar Songs einzuspielen. Und dafĂŒr sind wir ausgiebig auf Tournee gegangen und werden auch im nĂ€chsten FrĂŒhjahr noch einmal wieder touren. Nebenbei haben wir bereits erste musikalische Ideen erarbeitet. Derzeit planen wir, im kommenden SpĂ€tsommer ins Studio zu gehen, d.h. dass es vor ĂŒbernĂ€chstem Jahr wohl kein neues Album geben wird, aber dafĂŒr wird es wirklich, wirklich ein großes Album werden.

Ralf Koch
DVD: Yesspeak (BMG)

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