LONIE WALKER
Die Wiederauferstehung von Janis Joplin

Wenn LONIE WALKER und ihre Big Bad Ass Company Band ein Konzert geben, feiert Janis Joplin inmitten eines Soundkolorits aus Rock, Funk und Jazz ihre wundersame Auferstehung. inMusic hatte die Gelegenheit, der außergewöhnlichen Sängerin und Pianistin anlässlich ihrer in Berlin mitgeschnittenen Live-CD einige Fragen zu stellen...

 

inMusic: Die Ă„hnlichkeit deiner Stimme mit der von Janis Joplin ist unglaublich. Wann ist dir das zum ersten Mal aufgefallen?

Lonie: Ich war eigentlich immer schon ein großer Janis Joplin Fan. Ich hörte viel Musik aus den 60ern, den 70ern und 80ern. Als ich dann vor vielen Jahren damit begann, Musik zu machen und dazu sang, wurde mir allmählich bewusst, welche Ähnlichkeit meine Stimme mit der von Janis hat. Ich stellte mir nur eine einzige Frage: „Wenn ich jetzt damit anfange, Sounds und Tunes von Janis Joplin zu interpretieren, werde ich das auch noch in 20 Jahren mit der gleichen Begeisterung tun können?“ Die Antwort war ein klares Ja!

inMusic: In Deutschland erscheint gerade deine Live-CD von deiner Performance im Berliner Quasimodo Club. Welche Erinnerungen hast du an jenen Abend des 14.Mai 2002?

Lonie: Die Stimmung war einfach klasse, weil die Berliner wissen, wie man Party feiert. Der Club hat gerockt. Ich liebte „mein groĂźes Baby“, das altehrwĂĽrdige Yamaha Piano, das immer noch im Quasimodo steht. Es war ein unglaublich gutes GefĂĽhl, auf dem Klavier zu spielen, das auch Herbie Hancock, Chick Corea und meine anderen Idole bevorzugen. Ich fĂĽhle ganz deutlich, dass wir in diesem Punkt eine gemeinsame spirituelle Verwandtschaft teilen. Gerne erinnere ich mich auch an den Augenblick zurĂĽck, als mein amerikanischer Freund plötzlich mit Dutzenden von Rosen auftauchte und sie an alle verteilte...

inMusic: Wie gehst du denn vor, wenn du eine Set-List für ein Konzert erstellst? Spielst du immer einen Song von Janis, wie „Mercedes Benz“ in Berlin?

Lonie: Meine neuesten Bearbeitungen von Originalen fordern immer meine gesamte Aufmerksamkeit. FĂĽr Konzerte wähle ich gerne Upbeat Party Songs, die einen festen Platz in meinem Herzen haben. Ich werde immer  StĂĽcke spielen, die als Tribut an Janis Joplin gedacht sind. Beispielsweise habe ich „Baby Blue Blues“ (Chonka, Chonk Song), das erste StĂĽck auf der Live-CD, als kĂĽnstlerische Verbeugung vor Janis Joplin geschrieben. In der Regel wähle ich bei meinen Konzerten immer ein bis zwei Janis Joplin-Songs aus, die ich mit meiner ganz persönlichen Signatur versehe. Neben „Mercedes Benz“ beispielsweise „Turtle Blues“, „Bobby McGee“ oder „Move Over“. Wenn du ein komplettes Tribute an Janis Joplin hören willst, musst du am 19. Januar, Janis’ Geburtstag, nach Chicago in die „Underground Wonder Bar“ kommen. Dann singe ich immer nur Songs von ihr...

inMusic: Kannst du mir etwas über deine regelmäßigen Auftritte in der „Underground Wonder Bar“ erzählen...

Lonie: Ich performe dort dreimal die Woche abends mit meiner Big Bad Ass Company, den 5 weltbesten Musikern! Wir erzeugen auf der Bühne eine Energie, die einem Orgasmus ähnelt und auf das Publikum überspringt. Einen Abend in der Woche reserviere ich für „Alone At Last“, meine Solo-Show. Das ist dann immer eine echte Herausforderung für mich. Ich spiele, was mir gerade einfällt, lasse in meinem Kopf die letzten 30 Jahre Rockmusik Revue passieren und entwickle neue Originale. Seit 15 Jahren mache ich das in der „Underground Wonder Bar“ schon so, und mit 3000 Konzerten halte ich den Rekord der längsten und beständigsten Live-Performance in Chicago. Das Publikum dort ist bunt gemischt und gehört allen Altersklassen zwischen 21 bis 90 Jahren an.

inMusic: Arbeitest du schon an einer neuen Studio-CD?

Lonie: Ja, ich bin gerade dabei, eine neue CD fertigzustellen, die den Namen „Mother Issues“ tragen wird und Originale wie „No Ordinary Girl“ und „Are You Sure?“ featured.

inMusic: Was machst du in deiner sicherlich knapp bemessenen Freizeit?

Lonie: Ich bin eine regelrechte Wunderfrau. Ich mache Yoga, Wasser Aerobics und Jogging, um mich körperlich fit zu halten. Ich liebe es, veganisch zu kochen und im Dreck meines organischen Stadtgartens zu spielen. Und dann gibt es noch meine 4 Kinder plus wenigstens 10 andere, die mich zum Lachen bringen, mich permanent ĂĽberraschen und jung halten. Ich mag es auch, ausschweifend umherzureisen, zu campen und zu wandern. Nebenbei bemerkt habe ich auch ein eigenes Prosa/Poetry & Dance-Musical geschrieben, an dem ĂĽber 30 Leute beteiligt waren und dessen Erlös wohltätigen Zwecken zugute kam. Ich engagiere mich immer gerne fĂĽr soziale und caritative Zwecke...

inMusic: Welche CDs liegen gerade neben deinem CD-Player?

Lonie: Mose Allison, Bonnie Raitt, The Beatles, A Cor Do Brasil (die brasilianische Band meines Perkussionisten Luiz Ewerling) und noch einige eklektische Independent Musiker.

inMusic: Noch eine Botschaft an deine deutschen Fans?

Lonie: Wenn ihr zu meinen Shows kommt, bereitet euch darauf vor, dass ihr tanzen und grooven mĂĽsst. Ich bin immer noch auf der Suche nach Tambourine-Spielern...

Rainer Guérich
CD: Live In Berlin (Underground Wonder Music/Fenn Music)

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