JAZZAMOR
Wir sind in Russland unglaublich populÀr

Auch auf ihrem zweiten Album hĂŒllen JAZZAMOR den 60er Bossa Nova-Style in ein zeitgemĂ€ĂŸes, poppiges Klangoutfit. inMusic erfuhr von SĂ€ngerin BETTINA MISCHKE, warum die Band selbst in Russland ĂŒber einen großen Bekanntheitsgrad verfĂŒgt...

 

inMusic: Wie schon auf dem VorgĂ€nger „Lazy Sunday Afternoon“ (2002) verbindet ihr auch auf dem neuen Album Bossa Nova-Style mit clubbiger AtmosphĂ€re und poppigen Melodien. Allerdings scheint ihr diesmal noch mehr mit Live-Instrumenten gearbeitet zu haben?

Bettina: Ja, und zwar insbesondere zu den Grooves, die Sound Designer Jörg Holzammer fĂŒr uns entworfen hat. Beispielsweise haben wir in „Cherish“ versucht, mit seiner Hilfe den Bossa Nova elektronischer hinzukriegen, aber dafĂŒr dann mit Live-Instrumenten die akustische Seite auch zu betonen.  Wir haben da ganz bewusst auf einen Gitarristen und Perkussionisten zurĂŒckgegriffen, weil das doch sehr viel lebendiger klingt, als wenn alles aus dem Computer kommt.

inMusic: Gilt diese Vorgehensweise fĂŒr alle Songs?

Bettina: Nein, wir haben Jörgs speziell fĂŒr uns entwickelte Sounds nur bei den Nummern benutzt, wo es uns passend schien. Als wiedererkennbare Trademarks sozusagen, die sonst auch keine andere Band benutzt.

inMusic: Habt ihr mit Jörg eigentlich auch schon auf der letzten CD zusammengearbeitet?

Bettina: Nein, das war das erste Mal. Aber es hat uns großen Spaß gemacht. Gerade, weil sich unser Sound jetzt wohltuend von anderen KĂŒnstlern abhebt, die meistens doch die gleichen Sampling-CDs benutzen. - Das Jamiroquai-Cover „Space Cowboy“ ist beispielsweise auch so ein StĂŒck auf unserer Platte, wo Jörg stark einbezogen wurde. Wir haben die Nummer als Samba konzipiert und dann mit modernen Sounds, Bongos usw. aufgefrischt.

inMusic: GlĂŒcklicherweise klingt euer Sound zu keiner Zeit ĂŒberladen. Die Produktion ist sehr luftig/audiophil, und dein smooth-lasziver Gesang kommt sehr prĂ€gnant aus den Boyen!

Bettina: Klar, darauf haben wir natĂŒrlich geachtet. Wir lieben es, wenn das Klangbild reduziert und aufgerĂ€umt ist. Dadurch hat die Stimme natĂŒrlich den entsprechenden Platz, um sich frei entfalten zu können. Das ist schon ein festes Stilelement fĂŒr Jazzamor.

inMusic: Was die Platte auch sehr abwechslungsreich macht ist, dass du nicht nur in Englisch und Portugiesisch, sondern auch in Französisch und Deutsch singst...

Bettina: Ganz neu war diesmal Deutsch. Da hatten wir einfach Lust drauf. Wir haben das StĂŒck „Einfach Leben“ quasi als Bonustrack ans Ende der CD gestellt, um einfach mal zu testen, wie das so bei den Leuten ankommt. Die Reaktionen darauf waren ĂŒberraschend gut...

inMusic: Ich fĂŒr meinen Teil finde, dass die Nummer etwas Chansonhaftes besitzt...

Bettina: Ich hatte das zwar nicht beabsichtigt, aber es ist interessant, dass du das so empfindest.

inMusic: Du scheinst ĂŒberhaupt ein richtiges Sprachentalent zu sein?

Bettina: Das Lustige ist, dass ich Portugiesisch eigentlich gar nicht sprechen kann. Ich sing’ das aber auch schon seit Jahren, weil ich frĂŒher in meiner alten Band natĂŒrlich viele Nummern von Astrud Gilberto interpretiert habe. (lacht) Bei Auftritten bin ich sogar schon desöfteren von Portugiesen angesprochen worden, weil sie meinten, ich sei auch aus Portugal. Irgendwas muss also an meinem Talent fĂŒr Sprachen schon dran sein, obwohl ich das selbst gar nicht beurteilen kann.

inMusic: Bewundernswert! Ich fĂŒr meine Person bin nicht mal in der Lage, das Spanische vom Portugiesischen zu unterscheiden...

Bettina: Doch, da gibt es schon große Unterschiede. Das Portugiesische, was ich in „Sai das Trevas“ singe, klingt schon ein bisschen hĂ€rter als Spanisch und sehr viel hĂ€rter als das brasilianische Portugiesisch. Das ist schon wesentlich weicher. Und da ich nun mal eine Bekannte habe, die Portugiesin ist, und die mir bei der Aussprache und beim Texten hilft, singe ich die Texte halt auf diese Art und Weise.

inMusic: Wie lange habt ihr an der neuen CD gearbeitet?

Bettina: Eigentlich das ganze letzte Jahr ĂŒber. Wir haben Skizzen fĂŒr die einzelnen Songs entworfen und sie dann ausgearbeitet. Ich glaube, man merkt bei der CD auch ganz deutlich, dass wir einige Sachen neu ausprobiert haben. Die Platte klingt weniger lateinamerikanisch als der VorgĂ€nger, geht deutlich mehr in Richtung Pop. Insbesondere von den Melodien und Harmonien her.

inMusic: Das macht die CD auch fĂŒr einen grĂ¶ĂŸeren Hörerkreis interessant!

Bettina: Das war nicht unbedingt unsere Absicht, aber es wĂ€re nicht schlecht, wenn unsere CD möglichst viele Leute gut finden wĂŒrden.

inMusic: Ich hab’ von eurer Plattenfirma erfahren, dass ihr gerade dabei seid, euch eine Live-Band zusammenzustellen?

Bettina: Ja, die haben wir mittlerweile auch schon zusammen. Unser erstes Konzert haben wir ĂŒbrigens im Dez. 2003 in Moskau gegeben. Wir fahren Mitte Juni auch wieder nach Moskau und St. Petersburg. Wir sind in Russland unglaublich populĂ€r...

inMusic: Wie ist es denn dazu gekommen?

Bettina: Das ist eine ganz lustige Geschichte. Wir waren dort mit unserem ersten Album in den Charts. Alle möglichen Radiostationen  und Szeneclubs haben unsere Musik gespielt, ohne dass wir davon wussten.  Dabei wurde unsere Platte dort nie offiziell veröffentlicht, sondern ĂŒber einen fluktuierenden Schwarz- und Raubkopiehandel verbreitet. (lacht) Das war schon ein sehr eigenartiges GefĂŒhl. Wir spielten ganz fremd in Moskau unser erstes Konzert, und alle Leute sangen unsere Lieder mit. Abgefahren, aber schön...

Rainer Guérich
CD: A Piece Of My Heart (Blue Flame/Rough Trade)

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