HADDAWAY
Ein Künstler zeigt sein wahres Gesicht

HADDAWAY, dieser sympathische Typ aus Trinidad/Tobago, der vor einigen Jahren mit dem Smash-Hit “What Is Love” die internationalen Hitparaden stürmte, meldet sich mit seinem neuen (mittlerweile vierten) Album “My Face” zurück. Die Scheibe zeigt einen gereiften Künstler, der es versteht, zwischen den verschiedensten Stilen mit großer Leichtigkeit hin- und herzujetten. Die 14 Tracks (inklusive einer Liveversion der Single “Deep”) haben Schmiss, sind ungemein soulig und natürlich äußerst tanzbar. Alles weitere erfuhren wir von Haddy höchstpersönlich...

 

inMusic: Musikalisch hat man von dir seit dem letzten Album “Let’s Do It Now” (1998) nicht mehr allzuviel gehört. Was hast du denn in der Zwischenzeit gemacht?

Haddaway: Eigentlich sehr viel. Du musst wissen, dass ich die unterschiedlichsten Dinge mache. Ich bin Produzent, schreibe Soundtracks (vor allem in den USA) und hab’ auch Fernsehsendungen gemacht (u.a. “VIP” im ZDF mit Nina Ruge). Tja, und dann hab’ ich mir natürlich Zeit genommen, mich auf mein liebstes “Hobby”, den Motorsport (insbesondere Formel 1) zu konzentrieren. Dazu kamen in den letzten 3 Jahren dann noch einige andere Dinge. So habe ich mich nach 9 Jahren von meiner Freundin getrennt, was natürlich ziemlich schmerzvoll war. Und mit meiner alten Plattenfirma hatte ich auch einigen Stress... Doch das ist jetzt glücklicherweise abgehakt. Ich habe mittlerweile mit einem Freund eine eigene Plattenfirma gegründet, wo ich so gut wie alles selbst bestimmen kann. Mal sehen, was passiert...

inMusic: Ich kann mir vorstellen, dass dieses neugewonnene “musikalische Selbstbestimmungsrecht” für dich im Vorfeld zu “My Face” wie eine “Befreiung” gewirkt hat?

Haddaway: Genau, das ist das richtige Wort. Ich konnte mich auf das Wesentliche, d.h. auf die Musik, konzentrieren, ohne irgendwelchen Zwängen folgen zu müssen. Und das war das Gute bei der Einspielung des neuen Materials. Ich hab’ mir einfach nur gesagt: “Na gut, die ersten 5 Lieder sollen powerful sein, der Mittelteil vom Tempo her etwas langsamer und am Ende der CD will ich dann nochmal richtig Gas geben.” Und genau das hab’ ich dann letztlich auch so gemacht.

inMusic: Ich finde, dass diese Tempiwechsel der Platte sehr gut getan haben. Die gefühlvolle Ballade “It’s Not Fair” mit eingeschlossen...

Haddaway: Ja, “It’s Not Fair” ist ein sehr gefühlvolles Good Bye-Lied für meine EX. Wenn ich das Stück höre, werde ich immer leicht melancholisch, was noch recht anstrengend ist...

inMusic: Heißt die CD eigentlich “My Face”, weil du auf der Platte sehr viel von deinen persönlichen Gefühlen preis gibst?

Haddaway: Ja, alle Songs sind ein Teil von mir, meiner Vergangenheit und meinem Leben. Ich musste in der Vergangenheit sehr darum kämpfen, die Musik zu machen, die mir und meinen Fans gefällt. Und ich habe wirklich eine sehr treue Fangemeinde, die nicht unbedingt altersmäßig der BRAVO-Leserschaft zuzuordnen ist. (lacht) Ich glaube, das letzte Mal, dass etwas über mich in der BRAVO zu lesen war, war Anfang der 90iger.   In der Altersklasse zwischen 20 bis 50 Jahren gibt es sehr viele Leute, die meine Musik mögen. Und das ist sehr angenehm...

inMusic: “My Face” ist vom Höreindruck nun auch wirklich kein Album, das unter der Chartrubrik “seicht und vergänglich” einzuordnen wäre. Die Stücke verfügen über unglaublich viel Seele, Soul...

Haddaway: Das stimmt schon, aber mit der Benutzung des Wörtchens “Soul” bin ich mittlerweile sehr vorsichtig geworden, da es so etwas auf dem deutschen/ europäischen Markt gar nicht mehr gibt. Dagegen nehmen wir Soul gerne als Konsumenten an, wenn es vom amerikanischen Markt importiert wird. Man muss da sehr aufpassen... Ich denke, ich baue mit meiner Musik eine Brücke zwischen Soul und Pop. Ja, das kann man so stehen lassen...

inMusic: Welchen Stellenwert hat “My Face” für dich?

Haddaway: Ich denke, das ist die bis dato wichtigste Platte für mich. Weißt du, Musik ist eine neverending story, ein Prozess mit vielen Wiederholungen. Ich habe ganz einfach versucht, meinen Gefühlen und meinen Ideen freien Lauf zu lassen. Also genau das musikalisch festzuhalten, was mich monentan beschäftigt hat. Klar, dass so ein Vorhaben bzw. so eine Herangehensweise nicht unbedingt einfach ist. Ich hab’ bei den einzelnen Stücken einiges ausprobiert und geschaut, ob das funktioniert oder nicht. Völlig ohne Zwang, relaxed und aus dem Bauch heraus...

inMusic: Ist der Prozess des Songwritings denn vom zeitlichen Terminus bei dir eine langwierige Sache?

Haddaway: Nein, das geht ganz schnell. Wenn ich zwei Tage an einer Nummer herumbastele und merke, dass dabei nichts rauskommt, lasse ich das Stück einfach links liegen und wende mich einer neuen Komposition zu.

inMusic: Klingt so, als ob es viele unfertige Tracks von dir gibt, die nicht auf “My Face” zu hören sind?

Haddaway (lacht): Ja, das kann man wohl sagen. Ich hab’ für diese Scheibe etwa 20 Stücke vorbereitet, mich dann aber wirklich erst auf den letzten Drücker, also innerhalb der letzten 3 Studiotage, für diese Songauswahl entschieden. Aber in gewissen Schubladen lagern schon etliche unfertige Songs, da hast du Recht!

inMusic: Einen nicht unwesentlichen Anteil am Gelingen der CD hat dein kongenialer Partner Neil Palmer, der sich mit dir den Part von Komposition und Produktion geteilt hat. Vielleicht könntest du mal was über diese Zusammenarbeit erzählen...

Haddaway: Neil und ich ergänzen uns wirklich hervorragend. Seit etwa 3 Jahren mache ich mit Neil zusammen Musik. Er hat sich in Deutschland vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Xavier Naidoo einen Namen gemacht.

inMusic: Kennst du Neil denn schon länger?

Haddaway: Oh ja. Ich kenne Neil schon seit 15 Jahren aus meiner Zeit in England. Und dann habe ich ihn vor einigen Jahren in Heidelberg wiedergetroffen, da er dort sein Girlfriend hat... Es ist einfach wunderbar, mit ihm musikalisch etwas auf die Beine zu stellen. Ich genieße das wirklich sehr!

inMusic: Wie ist die Arbeitsteilung zwischen euch beiden?

Haddaway: Absolut demokratisch, fifty-fifty. Jeder von uns beiden bringt Ideen ein, kann spielen und den Computer bedienen. Da nehmen wir uns nichts. Wir entscheiden einfach aus dem Moment heraus, in welche Richtung wir dann jeweils musikalisch gehen wollen, und was am besten passt. Natürlich geschieht das mit größtmöglichem gegenseitigen Respekt. Unsere Kritikfähigkeit ist äußerst songdienlich...

inMusic: Ansprechen möchte ich dich natürlich auch noch auf das Remake des Falco-Songs “Push Push”. Wie kam es denn dazu?

Haddaway: Ich liebe die Musik meines leider verstorbenen Freundes sehr.Als ich dann gebeten wurde, anlässlich der Kickboxing-WM dieses Lied zu machen, war ich natürlich sehr erfreut. Ich hab’ 2/3 des Songs umgeschrieben und finde die Nummer von ihrer Ausdruckskraft wirklich sehr stark. Ein echter Hammer, sehr energetisch!

inMusic: Wirst du mit der Platte denn auch auf Tour gehen?

Haddaway: Ja, Ende September läuft meine Hallentournee an. Ich freue mich schon riesig darauf, wieder live on stage zu sein und diese unglaubliche Atmosphäre zu spüren. Ich hoffe, wir sehen uns dann... Grüße an alle meine Fans!

Rainer Guérich
CD: My Face (Terzetto/Alive)

 

(c) inMusic 2000-2002 alle Rechte vorbehalten