HANNES WADER
Wünsche

Innerhalb der deutschen Liedermacher-Szene nimmt Hannes Wader seit 35 Jahren eine Ausnahmestellung ein. Seine Lieder sind frei von künstlerischem Pathos, berühren und rütteln auf. Er versteht es, den Hörer zu fesseln und ihn mit seinen persönlichen und politischen Texten in ein ganz eigenwilliges Klanguniversum zu führen, dem man sich nur schwer entziehen kann. Und da wir momentan in einer Welt des Terrors und der Angst leben, trägt Waders 26. (!) Album einen sehr passenden Namen: “Wünsche”!

Eine Platte mit neuen, größtenteils eigenen Titeln, hat Hannes Wader seit 6 Jahren nicht mehr veröffentlicht. Der Künstler, der neue CDs immer dann veröffentlicht, wenn ihm danach ist, war in diesen Jahren allerdings nicht untätig. 4 CDs sind während dieser Zeitspanne erschienen, die allesamt als außergewöhnlich zu bezeichnen sind. Darunter die äußerst erfolgreiche Bellman-CD und der gemeinsam mit Konstantin Wecker eingespielte Livemitschnitt “Was für eine Nacht...!” Und nun veröffentlicht Wader mit “Wünsche” ein Album voller Überraschungen, das unter Zuhilfenahme von so erlesenen Musikern wie Eberhard Weber, Nippy Noya, Chris Jones und Steve Baker entstand.

Das Album wird eröffnet von dem alten, englischen Winteraustreibungslied “Gestresst”, das 1989 bereits von der Gruppe Steeleye Span aufgenommen wurde. “Dieser Titel gehört zu den vielen fremdsprachigen Liedern, die mir bereits beim ersten Hören gefallen und die ich dann in meinem Gedächtnis archiviere. Irgendwann später dann - in diesem Fall erst nach 10 Jahren, mache ich mich ans Übersetzen und übertrage die Texte ins Deutsche, um sie zu singen.” Was auch auf das Titelstück “Wünsche” zutrifft, das im Original “Solo Le Pido A Dios” heißt und von dem argentinischen Dichter Leon Gieco stammt: “Ich wünsche mir ein heißeres und mutigeres Herz, um mich nicht aus Furcht vor übermächtigen Gewalten weise aus dem Streit der Welt herauszuhalten. Ich wünsche mir ein empfindlicheres offeneres Ohr, dass ich nicht abgestumpft, taub und gleichgültig werde gegen die Schreie der Verdammten dieser Erde...” Diese Zeilen des bald 60jährigen Künstlers Hannes Wader sind der Aufruf zu mehr Geduld, Weitsicht und Gelassenheit gegen die Unverbesserlichen dieser Welt.

In “Victor Jara” besingt Wader den chilenischen Theatermann und Liedermacher, der wegen seiner demokratischen Gesinnung im Jahre 1973 im Stadion von Chile ermordet wurde: “Die Schicksale berühmter - aus politischen Gründen - ermordeter Künstler sind nicht schrecklicher als die der weniger bekannten Opfer. Aber sie geben den Millionen namenlosen Toten, die Gleiches erlitten haben, ihre Gestalt und ihr Gesicht.” Doch die Lieder haben nicht nur eine politische Botschaft. Wader verarbeitet auch persönliche Erlebnisse, beispielsweise in “Kleine Stadt”: “Darin geht es um das kleine elsässische Städtchen Wissembourg, wo ich mich seit vielen Jahren im ‘Schwanen’ mit alten Freunden bei gutem Essen und Wein treffe. Wir feiern dann unser Wiedersehen. Immer dabei sind Hein und Oss Kröher, die allein schon, grob geschätzt, an die eineinhalbtausend Lieder auswendig kennen. In den 60er Jahren, als wir dort noch die einzigen Gäste waren, sangen wir die ganzen Nächte hindurch. Die Zeiten ändern sich. In der Tat ist unser Kreis schon kleiner geworden. Es wurde also höchste Zeit, den alten Freundinnen und Freunden, sowie Jeannot, dem Patron des Cygne, und seiner Familie, endlich ein Lied zu widmen...” Seine alte Wahlheimat Nordfriesland hat Hannes Wader natürlich auch nicht vergessen und ihr mit den Liedern “Vorfrühling”, “Sommernacht”, “Novemberlied” und “Winternacht” gleich einen kleinen Jahreszeiten-Zyklus gewidmet.

Erstmals covert Hannes Wader mit “Ich bring dich durch die Nacht” auch ein Lied seines langjährigen Freundes und Liedermacher-Kollegen Reinhard Mey und revanchiert sich damit nach über 30 Jahren. Auf seiner ersten LP hatte Reinhard Mey mit “Begegnung” seinerzeit ein Wader-Lied aufgenommen. Der Überraschungen noch nicht genug, gibt es am Ende der CD Waders bekanntestes Lied, “Heute hier, morgen dort,” erstmals in der amerikanischen Originalversion “Indian Summer” zu hören.

Derzeit ist Hannes Wader gerade auf ausgedehnter Deutschlandtour unterwegs, um die außergewöhnlichen Lieder seiner neuen CD dem Publikum vorzustellen. Ein Besuch lohnt sich!

Duklas Frisch
CD: Wünsche (Pläne/BMG)

 

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