SCHMIDT & KUMO
Masters Of Confusion

CAN-Gründer IRMIN SCHMIDT hat mit dem englischen Dance-Produzenten Kumo ein völlig neuartiges Soundkonzept entworfen. Perkussive, improvisierte Piano-Fahrten treffen auf elektronische Beats und Drum’N’Bass-Fahrten. Und da diese neuartige Symbiose so manchen Zuhörer zum Staunen bringen dürfte, trägt die CD der Beiden nicht ganz zu Unrecht den Titel “Masters Of Confusion”.

inMusic: Wenn ich das Info richtig deute, ist dein neues Projekt mit dem englischen Produzenten und Sounddesigner Kumo (bürgerlich: Jono Podmore) aus eurer gemeinsamen  Zusammenarbeit bei deiner Fantasy-Oper “Gormenghast” entstanden?

Irmin Schmidt: Richtig. Da es sich um eine elektronische Produktion mit Symphonieorchester und einzelnen Musikern handelte, brauchte ich einen hervorragenden und auch mit Klassik vertrauten Tonmeister. Gleichzeitig wollte ich aber auch mit einem Rhythmusspezialisten und Programmer zusammenarbeiten, der aus der jungen Szene kommt. Gerade weil es mir sehr wichtig ist, neuen Input zu bekommen. Ich mag Künstler, die etwas können, was ich nicht kann, und die mich auch schon mal in Frage stellen. Und da war Kumo natürlich die Idealbesetzung. Er ist mit HipHop, Drum’n’Bass und Techno aufgewachsen und hat dieses Zeug auch selbst gemacht bzw. produziert.  Nebenbei ist er nicht nur ein exzellenter Toningenieur, sondern hat auch Klassik studiert.

inMusic: Wie lange habt ihr an “Gormenghast” gearbeitet?

Irmin Schmidt: Etwa anderthalb Jahre. Und als dann zum 30-jährigen CAN-Jubiläum die Solo-Concerts (jedes CAN-Mitglied ging nacheinander mit einem eigenen Projekt auf die Bühne) anstanden, lag eigentlich nichts näher, als dass Kumo und ich nach unserer kreativen und intensiven Zusammenarbeit unser Sideproject entwickelten. Auf diesen Can-Solo-Konzerten haben wir beide  etwa eine Dreiviertelstunde zusammengespielt, woraus dann letzlich die Stücke entstanden sind, die du nun auf unserer CD “Masters Of Confusion” hören kannst. Drei Titel auf der Platte haben wir damals übrigens live mitgeschnitten.

inMusic: Aber eine komplette Live-Platte hattet ihr dann wohl doch nicht im Sinn!?

Irmin Schmidt: Das hätte man machen können. (lacht) Genug Material hatten wir schon zusammen. Aber viele Stücke sind dann doch erst später im Studio entstanden. Die haben wir bis dato noch nicht live gespielt.

inMusic: Ungewöhnlich ist, dass du auf “Masters Of Confusion” mit Vorliebe auf einem richtigen Konzertflügel spielst. Das gab’s bei CAN nicht...

Irmin Schmidt: Das hätte zur Musik von CAN schlicht und ergreifend auch nicht gepasst. Es gibt nur sehr sehr wenige Stücke von CAN, wo ich mal auf dem Klavier gespielt habe. Auf der Bühne war an einen Einsatz von einem Flügel auch gar nicht zu denken, nicht zuletzt aus technischen Gründen. Deshalb musste bei CAN das Keyboard herhalten.

inMusic: Hast du dir dann bei deinem neuen Projekt vielleicht auch so etwas wie einen späten Wunsch erfüllt?

Irmin Schmidt: Kann man sagen. Das Klavier ist schließlich das Instrument, das ich als klassischer Musiker studiert habe. Zu Beginn meiner künstlerischen Laufbahn habe ich Klavierabende mit Brahms, Bartok und Schönberg gegeben. Insofern ist das Piano eigentlich MEIN Instrument, auf dem ich mich richtig zuhause fühle. (lacht) Allerdings hat sich das lange Vernachlässigen meines Instruments gerächt: Ich musste anfangs richtig üben, bis ich die Finger wieder vollkommen beherrschte... Aber es bereitet mir große Freude auf dem Klavier zu spielen. Vor allem da es vom Wesen her ja AUCH ein perkussives Instrument ist, was meinem Naturell sehr nahe kommt.

inMusic: Zudem verfügt das Klavier ja auch über einen natürlichen Klangkörper. Da gibt es nichts künstlich Erzeugtes zu hören.

Irmin Schmidt: Ja, genau. Mich fasziniert momentan auch am meisten die Symbiose aus diesen Klangkörpern (im Extrem bei “Gormenghast” mit Symphonieorchester & klassischen Opernsängern) und wüsten Drum’n’Bass/Techno-Beats. Also die Verbindung von Elektronik und akustisch erzeugter Musik. Das ist ungeheuer reizvoll und spannend.

Rainer Guérich
CD: Masters Of Confusion (Spoon/edel Contraire)

 

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