SUPERMAX
Am Terminal 2002

Die Legende lebt: Pünktlich zum 35. Bandjubiläum bedient Kurt Hauenstein aka SUPERMAX den “Terminal 2002”. So lautet nicht nur der Name von Kurts neuer Scheibe, er ist auch wörtlich zu nehmen. Vokoderverzerrte Stimmen treffen auf absolut chilligen und tanzbaren Dancestoff, der in den Beginn des neuen Jahrtausends bestens passt. Der gebürtige Wiener befindet sich mit dem digitalen Konzept seiner neuen CD auf dem besten Wege, die einschlägigen Dancefloors im Handstreich zurückzuerobern.

Schon in den Siebzigern hat Kurt “Tha Max” Hauenstein für Ekstase bei Tänzern und für Bewegung in der Club-Szene gesorgt. Seine Erfolgsstory begann, als er seine Heimatstadt Wien verließ, um nach Frankfurt am Main zu ziehen. “Das war allerdings schon Ende der 60er Jahre”, erzählt Kurt. “In Frankfurt angekommen, spielte ich dann später in diversen Dance-und Funk-Projekten.” Mitte der Siebziger, zur nahenden Blütezeit der Discoära, traf Kurt schließlich auf Frank Farian, der an seinem ersten, wirklich großen Discophänomen BONEY M. arbeitete. Kurt schaute Farian über die Schulter und unterstützte ihn bei den ersten großen Hits von Boney M. Das war gewissermaßen  die Vorstufe zu den großen Dingen, die folgen sollten. “Irgendwann wurde mir dann klar, dass ich eine eigene Dance,- Funk- und Reggae-Band ins Leben rufen musste.” 1977  war es schließlich so weit. Kurt veröffentlichte mit “Don’t Stop The Music” das erste Supermax-Album. Im Jahr darauf folgte das zweite Musikwerk mit dem international bekannten Hit “Love Machine”. Der Titel avancierte mit seinen druckvollen Bässen und dem ohrgängigen Chorgesang zum absoluten Kultklassiker, der auch heute noch in jedem Club gerne gespielt wird. Der Erfolg dieser Nummer etablierte den Namen Supermax weltweit als Garant für beste Vibes und schweißtreibende Grooves im Blackmusic-Kontext.

Der Erfolg von Supermax unterstützte Kurt in seiner Entscheidung, Deutschland zu verlassen, um nach Jamaika und später in die USA zu ziehen. In Jamaika lernte er auch seine spätere Frau kennen und arbeitete mit den wichtigsten Künstlern der Black Music- und Reggae-Szene zusammen (u.a. Stevie Wonder, Hot Chocolate, UB 40, Inner Circle).

1983 erhielt Kurt Hauenstein als erster weißer Künstler eine Einladung zum “Reggae Sunsplash Festival” auf Jamaika, wo er mit Supermax als Headliner stürmisch gefeiert wurde.  Leider wurde Kurt nicht in allen Teilen der Welt so bejubelt. Seine Einstellung zum Rassismus und die Tatsache, dass er mit einer Schwarzen verheiratet war, wurden auf seiner Tour durch Südafrika (im Jahr 1981) als Affront aufgefasst. Er erhielt sogar Morddrohungen. Doch  der Maestro ließ sich von derlei Bekundungen nicht vom Touren abhalten. Auch nicht von den Wirren eines möglichen Bürgerkrieges, die ihn bei einem Auftritt Ende der 80iger in Tiflis, der Hauptstadt Georgiens,  bedrohten.

Der Komponist, Texter, Bassist und Sänger Kurt Hauenstein ist ein Verfechter der schweißtreibenden Grooves. Das Herz des blonden Österreichers schlug in der Vergangenheit insbesondere für die schwarze Musik. Auf seine unkomplizierte, natürliche, aber deshalb nicht weniger professionelle Art benutzte er auf den vergangenen Supermax-Alben in erster Linie eine Mischung aus Soul, Funk, Jazz, Reggae und afrikanischen Rhythmen. Bei dem unnachahmlichen, typischen Supermax-Sound wurden scharfe Bassriffs mit spielerischen Percussions und starken Gitarrenakkorden gemixt, ergänzt von polyphonen Synthesizern und stimmungsvollen Harmonien. Und als Krönung des Ganzen funktionierte dann Hauensteins hypnotischer Gesang, der von den teils im Gospelstil singenden Backgroundsängerinnen ergänzt wurde. Typisch für den Supermax-Sound ist aber auch die Monotonie und die rhythmische Wiederholung des Themas, wobei eine normale Liedstruktur fehlt.  So gesehen ließ sich die Musik von Supermax eigentlich schon immer in die Sparte “Trancemusik” einordnen. Kurt Hauensteins Rhythmen sind einfach eine Einladung, sich auf eine natürliche Art und Weise zu bewegen und zu tanzen.

Der Künstler selbst sieht den Sinn und Zweck seiner körperbetonter Musik folgendermaßen: “Ich will mit dem Sound, den ich mit Supermax erzeuge, auf keinen Fall irgendwelche philosophischen Ideen propagieren. Ich möchte mit meinen Stücken einfach nur die vielfältigen Facetten des Lebens aufzeigen und die Leute dazu ermutigen, weniger egoistisch zu handeln und nicht nur nach Geld und Macht zu streben.” Ein Grundgedanke, der natürlich auch den 12 Stücken von “Terminal 2002”, der neusten Supermax-Scheibe zugrunde liegt. Kurt Hauenstein nutzt auf seiner neuen CD alle Möglichkeiten, die die moderne Computertechnologie zur Klangerzeugung zulässt. Die Stücke klingen ambient-mäßig, sphärisch, trancig und hochtanzbar, wobei die früheren Blackmusic-Einflüsse deutlich in den Hintergrund getreten sind. Auch der Gesang von Hauenstein ist diesmal meist vokoderverzerrt, was den High-Tech-Gedanken des neuen Supermax-Werkes noch deutlicher unterstreicht. Ich bin gespannt, ob Hauenstein sich dazu entschließt, einige der Stücke (beispielsweise “Cuckoo-Nation”) noch in einer speziellen Club-Version auf Single-CD herauszubringen. Würde sich wirklich lohnen!

Rainer Guérich
CD: Terminal 2002 (Point Music)

 

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