THE ZEPHYRS
Die Magie des Augenblicks

The Zephyrs machen Musik, die man in dieser Schönheit als Redakteur nicht alle Tage vorgesetzt bekommt. Ihre Songs klingen countrylike, melancholisch, atmosphärisch, leicht depressiv, doch nie bedrückend. Der Sound, den das Sextett aus dem schottischen Edinburgh auf seinem Zweitlingswerk extrahiert, gibt dem Hörer so manche Nuss zu knacken. Wir machten es uns etwas einfacher und fragten kurzerhand bei The Zephyrs-Mastermind Stuart Nicol nach...

 

inMusic: Hi, was treibt ihr denn so gerade?

Stuart: Oh, wir sind momentan ziemlich im Stress, da während unserer Tour mit den Pernice Brothers, die wir vor kurzem absolviert haben, doch viel liegen geblieben ist. Derzeit sind vor allem organisatorische Dinge angesagt, die in direktem Zusammenhang mit unserem zweiten Album “When The Sky Comes Down It Comes Down On Your Head” anstehen: beispielsweise Promotiontermine, weitere Konzerte planen usw. Das Interesse ist im Vorfeld unserer neuen Platte doch recht groß, was uns als Band natürlich sehr freut.

inMusic: Ich hab’ gelesen, dass eure vor kurzem mit den Pernice Brothers absolvierte UK-Tour ziemlich gut gelaufen ist. Was kannst du mir darüber erzählen?

Stuart: Ja, wir haben uns mit den Jungs sehr gut verstanden. Es herrschte eine wirklich positive Atmosphäre zwischen uns. Allerdings wurden wir erst ziemlich spät am Ende der Tour engagiert und einige Promoter waren ziemlich ruppig zu uns. Du musst wissen, dass wir zu diesem Zeitpunkt noch keinen Agenten hatten, der sich für unsere Belange hätte einsetzen können. Aber dennoch hatten wir Glück: Da die Pernice Brothers relativ wenig tranken, konnten wir uns nach den Konzerten anschließend über ihr Freibier hermachen... Wenn alles klappt, werden wir mit den Jungs vielleicht noch mal gegen Ende des Jahres zu einer gemeinsamen Tour aufbrechen. Uns hat‘s jedenfalls großen Spaß gemacht...

inMusic: Vielleicht kannst du unseren Lesern mal ein bisschen was über die Geschichte der Zephyrs erzählen. Du hast die Band mit deinem Bruder David ins Leben gerufen?

Stuart: Ja, das ist korrekt. Ich schreibe mit David schon seit vielen Jahren gemeinsam Songs. Musik hat uns schon seit unserer frühesten Kindheit begleitet. Unser Vater besitzt eine umfangreiche Plattensammlung, so dass wir mit der Musik von James Taylor, den Flying Burito Brothers und den Byrds praktisch aufgewachsen sind. Wir hatten sehr schnell das Verlangen, die Songs, die wir da hörten, auf der akustischen Gitarre nachzuspielen. Und später versuchten wir dann, durch das Schreiben eigener Songs einen eigenständigen Sound zu entwickeln, in dem sich natürlich auch die Duftnoten unserer Lieblingsbands Galaxie 500 und Low in einem gewissen Punkt wiederfinden.

inMusic: Gibt es denn noch weitere Bands, die euren melancholisch gefärbten Sound geprägt haben?

Stuart: Klar, da gibt es eine ganze Menge: Felt, die Palace Brothers, der Teenage Fanclub, Gene Clark, Gram Parsons usw.

inMusic: Was bedeutet eigentlich euer sonderbar klingender Bandname? Zephyros ist in der griechischen Mythologie der Gott des milden Westwindes, ein Sohn der Eos, der Göttin der Morgenröte. Im Englischen bezeichnet Zephyrs aber auch feinfädige Baumwolle. Habt ihr euch deswegen The Zephyrs benannt?

STUART (lacht): Nee, nee, so bedeutungsschwanger ist das nicht. Zephyr ist der Name unseres Lieblings-Pub hier in Edinburgh, wo wir oft und gerne abhängen. Wir fühlen uns in dieser gemütlichen Atmosphäre einfach wohl, was man durchwegs auch auf unsere Band transportieren kann. Deshalb schien uns kein Name passender zu sein. Das ist eigentlich schon alles...

inMusic: Auf eurem Debüt “It‘s Okay Not To Say Anything”, das im März 2000 veröffentlicht wurde, wart ihr noch zu dritt (ergänzt um Schlagzeuger David Kilgour). Mittlerweile ist eure Formation auf Sechserstärke angewachsen. Wie kam es denn dazu?

Stuart: Das war ein mehr natürlicher Entwicklungsprozess. Als wir “It‘s Okay Not To Say Anything” auf dem in Edinburgh beheimateten EVOL-Label herausbrachten, machten wir uns anschließend Gedanken über eine adäquate Live-Umsetzung. Wir sind dann in der Folgezeit in den unterschiedlichsten Line-Ups, teilweise mit bis zu 10 Bandmitgliedern, aufgetreten, wobei sich schließlich ein fester Kern von 6 Musikern herauskristallisiert hat. Wir sind durch unsere zahlreichen Auftritte mittlerweile zu einer gut funktionierenden Band geworden, bei der jedes einzelne Gruppenmitglied seine eigenen Ideen und Sounds einbringen kann.

inMusic: Ihr habt die 9 Songs eurer neuen CD Anfang diesen Jahres im Substation Studio in Cowdenbeath unter der Regie von Produzent Michael Brennan (u.a. Mogwai) eingespielt. Was kannst du mir über die Zeit im Studio erzählen?

Stuart: Es war eine sehr lehrreiche Erfahrung für uns, mit einem solch erfahrenen Produzenten zusammenzuarbeiten. Ich denke, das musikalische Ergebnis bestätigt dies. Wir hatten zusammen eine unglaublich gute Zeit und konnten uns auf unsere kreativen Stärken besinnen. Michael hat uns sehr geholfen und den Zephyrs-Sound einen großen Schritt nach vorne gebracht...

inMusic: Also unterscheidet sich die neue Platte musikalisch deutlich vom Vorgänger “It’s Okay Not To Say Anything”?

Stuart: Natürlich. Die Songs auf “It’s Okay Not To Say Anything” klangen größtenteils unausgereift und wenig professionell, was vor allem daran liegt, dass ich die Platte damals mit David selbstfinanzieren musste. Wir waren gerade mal 4 Tage im Studio... du kannst dir vorstellen, was da angesagt ist... “When The Sky Comes...” klingt dagegen von der musikalischen Umsetzung her weitaus ausgereifter. Wir hatten diesmal im Studio viel mehr Zeit, uns mit dem Ausfeilen der einzelnen Arrangements zu beschäftigen. Da wir mittlerweile zu sechst sind, gibt es natürlich auch eine viel größere Spannbreite an musikalischem Input. Wir hatten genügend Freiraum, gewisse Dinge im Studio musikalisch auszuprobieren. Beispielsweise steuerte Sean O’Hagan von den HIGH LLAMAS zu einer Reihe von Songs großartige Streicher-Arrangements bei, die einfach wunderbar klingen. Und dann fügte nicht zuletzt unser Produzent Michael noch die eine oder andere Soundfinesse im Studio bei...

inMusic: Vielleicht kannst du mir abschließend noch etwas über die Texte von euren Songs erzählen. Sie wirken manschmal schon etwas rätselhaft!

Stuart: Das ist beabsichtigt. Oftmals sind es nur kleine Sätze, die aus der Tiefe des Raums kommen und sich dann im Ohr des Hörers festsetzen. Manchmal ergeben sie aber auch erst einen Sinn, wenn sie ganz allmählich zusammengeführt werden. Du kannst da sehr viel hineininterpretieren oder auch nicht. Das ist dir freigestellt. Oder sieh es einfach mal so: Unsere Songs handeln von den belanglosen Dingen, über die wir uns Gedanken machen, wenn wir gelangweilt im Tourbus sitzen...

Duklas Frisch
CD: When The Sky Comes Down It Comes Down On Your Head (PIAS/Connected)

 

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