KOOL ADE ACID TEST
... auf der Jagd nach dem Überkriminellen Dr. Brain

Unter dem Bandnamen KOOL ADE ACID TEST servieren uns die vier Gibley Brothers einen aberwitzigen, kriminell treibenden Cool-Groove-Cocktail, gewissermaßen die Pulp Fiction der Chicos und Locos, der Pachucos und Wet Backs. inMusic hatte die Gelegenheit zu einem geheimen Treffen mit dem Rhythmus-Hirn der Viererbande, Cock Gibley...

inMusic: Es gibt viele Songs auf eurer CD, die sehr gut als Soundtrack für einen Quentin Tarantino-Film funktionieren würden...

Cock: Das mag schon sein. Grundsätzlich kann man unsere Musik aber keinem speziellen Genre zuordnen. Oder besser so: Unser Sound beinhaltet Aspekte der Popkultur. Die Stücke unserer CD sollen beim Hörer Bilder erzeugen, und das von Anfang bis Ende. Es gibt keinen bestimmten Rhythmus oder eine bestimmte Stil-Spielart, die sich durch die Kompositionen wie ein roter Faden durchziehen.

inMusic: Dem stimme ich zu. Es gibt so viele unterschiedliche Eindrücke auf eurer CD, dass man selbst nach mehrmaligem Hördurchlauf immer wieder neue Klangdetails entdecken kann...

Cock: Das haben wir auch so beabsichtigt. Wir wollten mit “... On The Trail Of Mr. Brain” eine Platte einspielen, die man wirklich an einem Stück hören muss. Es ist keine lose Ansammlung von Tracks, wie das heute modern ist, sondern eine Scheibe , die einen Trip beschreibt...

inMusic: Vielleicht kannst du das Geheimnis um “Dr. Brain” mal lüften...

Cock: Nun, wir vier sind ja die Gibley Brothers, und Dr. Brain ist unser Gegenpart. Er ist eine Art kongenialer Überkrimineller, der einen Masterplan (den Clou zur Auflösung der Postmoderne) hat und ständig auf der Flucht ist. Das gefällt uns Brüdern natürlich nicht. Wir jagen ihm auf der Platte hinterher und sind kurz davor, ihn auch zu kriegen...

inMusic: Wie sind denn die musikalischen Vorlieben der Gibley Brothers?

Cock: Wir lieben es, über den Horizont der allgemeinen Popkultur hinauszublicken. Bug, Smut, Chic und ich beschäftigen uns mit Vorliebe auch mit ernster Kultur, B-Movies, allem möglichen Trash, Funk, Blues, Jazz...  Kurz und gut: Wir vier haben einen sehr breit gefächerten Geschmack, nicht nur, was die Musik betrifft. Ein ganz wichtiger Punkt ist, dass wir zum Glück altersmäßig ziemlich weit auseinander liegen. Zwischen Bug (Gesang) und dem Nesthäkchen Chic (Gitarre) liegen 20 Jahre. Das hat schon was Generationsübergreifendes. Während Bug in seiner frühesten Jugend Sly & The Family Stone gehört hat, bin ich beispielsweise mit den Beastie Boys aufgewachsen. Natürlich gibt es aber auch Blues- und Jazzgrößen der 50er Jahre, die uns auch beeinflusst haben. Also aus einer Zeit, wo noch kein Gibley-Brother auf der Welt war. Das ist im Großen und Ganzen unser musikalischer Konsens, der zusätzlich noch durch neue, zeitgemäße Strömungen ergänzt wird. Aber wie gesagt: Wir vier haben schon einen sehr unterschiedlichen Geschmack, was sich auf die Platte sehr positiv ausgewirkt hat.

inMusic: Du bist der Drummer bzw. der Rhythmusgeber der Gibley Brothers. Eine wichtige Schlüsselfunktion, schließlich hält dein Groove euren ganzen Sound zusammen!

Cock: Ja, ich groove, was das Zeug hält. Ich versuche, bei jedem Stück ein bestimmtes Rhythmusgefühl zu entwickeln und zu halten. Es geht mir dabei nicht darum, zu zeigen, dass ich die verschiedenen Stile beherrsche, sondern ich stelle mich dabei ganz in den Dienst der Sache. Wichtig ist, dass ein Stück durch meine Hilfe funktioniert.

inMusic: Gibt es bei den 13 Stücken auf der Platte eine besondere Komposition, die dich vielleicht vom Drumming her besonders herausgefordert hat?

Cock: Eigentlich nicht. Ich liebe jeden Track und mag auch die unterschiedlichen Spielarten. Einen besonderen Favoriten habe ich nicht, vielleicht mal abgesehen von “Sling Shot”, den ich vom Bass und von den Drums her besonders gelungen finde. Da wäre ich vielleicht am ehesten stolz drauf...

inMusic: Und wie sieht es  bei einem Live-Konzert der Gibley Brothers aus?

Cock: Da freue ich mich in erster Linie aufs Konzert, die verschiedenen Übergänge und Stimmungen, die wir mit unserem Sound erzeugen. Das ist immer ein echtes Erlebnis!

inMusic: Euer Sound nimmt live bestimmt noch ganz andere Formen an?

Cock: Aber ja. Auf der Bühne nehmen wir uns alle möglichen Freiheiten. Insbesondere, was die Länge der Stücke betrifft. Da ist man im Studio ja immer gewissen Zwängen unterlegen. Wir arbeiten on stage in erster Linie mit der Energie und den verschiedenen Soundelementen unserer Musik. Ziel ist es dabei vornehmlich, den Hörer zu unterhalten.

inMusic: Ich denke mal, dass ihr euch live auch genügend Platz für Improvisationen lasst?

Cock: Auf jeden Fall. Live gibt es bei unseren Kompositionen sehr große offene Räume, die wir dann improvisativ nutzen können.

inMusic: Ladet ihr euch auf der Bühne denn auch Gäste ein? Ich denke da beispielsweise an den Scratcher DJ Mahmut, der im Studio mit von der Partie war...

Cock: In der Regel sind wir auf der Bühne nur zu viert. Aber es kann natürlich schon vorkommen, dass wir uns zum Jamming spezielle Freunde dazuladen. Wir sind übrigens von September bis November auf Tour...

Rainer Guérich
CD: ... On The Trail Of Dr. Brain (Hazelwood/EFA)

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