ANTONIO KOUDELE
Positive Gefühle ...

Gitarrist und Sänger ANTONIO KOUDELE legt mit “Emotions” eine Platte vor, die ständig zwischen den Bereichen Pop, Jazz und Singer/Songwriter-Kunst wandelt. Wir sprachen mit dem in München lebenden Künstler.

inMusic: Von den Instrumentalnummern gefällt mir auf deiner neuen CD insbesondere “Farewell”, erinnert mich von der quicklebendigen Gitarre sehr an Earl Klugh!

Antonio: Das war so allerdings nicht beabsichtigt. Vom Klangbild her mag es da schon gewisse Ähnlichkeiten geben, weil die Nummer natürlich sehr deutlich von der spanischen Gitarre geprägt ist. Es gab mal eine Zeit, da habe ich sehr viele Platten von Earl Klugh gehört. Es ist aber interessant, dass dir dieses Stück besonders gefällt. Bei meiner Plattenfirma war diese Komposition auch gleich ein absoluter Favorit.

inMusic: Übrigens auch ein sehr luftiger und audiophiler Song, der sich prima zum Boxentest eignet...

Antonio: Schön, dass du das so siehst. Ich hatte bei den Aufnahmen eine Cellistin von den Münchener Philharmonikern im Studio, die auch total begeistert war. Doch, “Farewell” ist richtig gut geworden!

inMusic: Wenn man durch das CD-Booklet blättert, fällt auf, dass du von Track zu Track mit sehr vielen Künstlern zusammengearbeitet hast. Waren das denn hauptsächlich befreundete Musiker?

Antonio: Freunde wäre wohl zuviel gesagt. Es sind Kollegen, mit denen ich während der letzten Jahre solo und im Orchester immer wieder gearbeitet habe. Mit Schlagzeuger Wolfgang Haffner wollte ich schon seit Jahren immer mal was zusammen machen, und diesmal hat sich dazu endlich die Gelegenheit geboten. Obwohl Wolfgang aus zeitlichen Gründen leider nur bei der Hälfte der Takes dabei sein konnte.

inMusic: Die letzte Soloscheibe von Wolfgang war ein stilistischer Rundumschlag, was man von deiner neuen CD “Emotions” auch behaupten könnte...

Antonio: Ja, das verbindet uns beide aber auch. Mal schau’n, ob wir es auf die Reihe kriegen, demnächst was live auf die Beine zu stellen. Höchstwahrscheinlich werde ich aber auf Wolfgangs nächster Scheibe mit dabei sein. Es macht einfach großen Spaß, mit solch “offenen” Leuten zusammenzuarbeiten. Das kommt meinem Naturell (Musik aus dem Bauch) sehr nahe.

inMusic: Die CD trägt den vielsagenden Titel “Emotions” und wirkt auf mich durchwegs positiv. Warst du auch in einer vergleichbaren Stimmung beim Schreiben der einzelnen Stücke?

Antonio: Ja, das kann man schon sagen. Obwohl das ja ein sehr dehnfähiger Begriff ist. “Emotions” können romantische, melancholische, aber auch richtige Hochgefühle sein. Ich kann aber nicht sagen, dass es unter den 14 Tracks ein Stück gibt, bei dem ich richtig down war. Es ist schon alles positiv zu sehen. Sogar bei “Farewell”, was ja soviel wie “Abschied” bedeutet. Aber so ein Abschied kann ja trotz aller Sehnsucht auch positiv sein, weil derjenige, von dem man sich verabschiedet hat, auch wieder zurückkommt. So hab’ ich das jedenfalls beim Schreiben empfunden. Bei den Aufnahmen im Studio verhielt es sich genauso. Die Stimmung war bei allen Liedern positiv, obwohl natürlich schon Gefühle da waren. Wenn irgendjemand eine Saite zum Schwingen gebracht hat, gab es immer wieder Erinnerungsmomente usw. Jedenfalls haben die einzelnen Kompositionen im Studio die Herzen aller beteiligten Musiker berührt, was mich letztlich dazu bewog, die CD “Emotions” zu nennen. Das war im Vorfeld so nicht geplant.

inMusic: Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die einzelnen Studiotakes wegen der unterschiedlichen Line-Ups über einen längeren Zeitraum hingezogen haben?

Antonio: Ja, klar. Die Sessions haben ungefähr ein halbes Jahr in Anspruch genommen.

inMusic: Habt ihr die einzelnen Stücke denn dann jeweils praktisch in einem Rutsch eingespielt?

Antonio: Bei den kleineren Besetzungen schon. Aber bei den Songs mit größerem Line-Up und Keyboards haben wir oftmals herumgetüftelt, verschiedene Spuren aufgenommen und überlegt, wie wir den Sound richtig gut hinkriegen.

Rainer Guérich
CD: Emotions (Prudence/Zomba)
www.koudele.de

 

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