DZIUK’S KÜCHE
Hauptsache Wind

Intelligente deutsche Texte, gepaart mit treibenden Rhythmen und den verschiedensten Stilzutaten. Das ist das Metier, das Danny Dziuk auf “Hauptsache Wind” aufs Vortrefflichste beherrscht.

DZIUK: Meine letzte Platte “Vom Tisch” (erschienen bei Hammer Musik) war vom Stil her rauer und zusammengewürfelter. Es gibt zwar einige Parallelen zu “Hauptsache Wind”, aber neben einigen Folknummern war auch ziemlich schräges Zeug drauf. Und es gab eine knapp 15minütige, gut recherchierte Anti-Nazi-Tirade. Alles in allem kann man wohl sagen, dass meine letzte Platte wohl nicht so aus einem Guss war...

inMusic: ... was man von deinem zweiten Album mit Fug und Recht behaupten kann!

DZIUK: Dabei handelt es sich gar nicht um mein 2-tes Album. 1995 erschien bei Chlodwig Musik bereits meine erste Platte “Kairomond”, die vom Klang her aber nicht so gut ausfiel.

inMusic: Du bist also schon recht lange in der Musikszene aktiv. Ich hab’ gelesen, dass du in der Vergangenheit auch schon sehr intensiv mit STOPPOK zusammengearbeitet hast?

DZIUK: Oh ja, ich hab’ STOPPOK 1991 zum ersten Mal getroffen. Seitdem sind wir so etwas wie ein Dreamteam. Ich hab’ viele Songs für ihn geschrieben und auch dazu beigetragen, dass seine “LalaLand”-Platte so erfolgreich wurde.

inMusic: Hast du für STOPPOK denn hauptsächlich Texte verfasst?

DZIUK: Ja, bzw. wir haben auch viele Songs gemeinsam geschrieben. Diese Zusammenarbeit hat in letzter Zeit zwar ein bisschen nachgelassen, aber es kann gut sein, dass wir das demnächst wieder auffrischen.

inMusic: Die Texte auf deiner Platte sind wie bei Stoppok intelligent gestrickt, was hierzulande schon eher eine Seltenheit ist!

DZIUK: Das finde ich auch. Es gibt in Deutschland zu viele schlechte Texter, die sagen: “Die Amerikaner machen das doch auch, und hierzulande legt man jedes Wort auf die Goldwaage.” Ich sehe das jedoch gerade als Chance: Wenn man jedes Wort auf die Goldwaage legt, wird man auch gehört. Das heißt, dann zeigt sich erst, was der Text, den jeder versteht, hergibt, und dann knallt’s richtig. Das klingt zwar etwas großkotzig, ist aber genau das, was  meine Texte ausmacht.

inMusic: Du zeigst auf “Hauptsache Wind” tatsächlich, dass man als deutschsprachiger Songwriter bestehen kann!

DZIUK: Das denke ich auch. Es gibt zwar noch die sogenannte Hamburger Schule, dann die etwas ganz Doofen (Namen verkneife ich mir), BAP und STOPPOK, aber das war’s dann auch schon.

inMusic: Neben den Texten fallen vor allem die sehr luftigen und keinesfalls überladenen Arrangements ins Ohr. Dazu gibt’s zuweilen auch schon mal ‘ne schöne Slidegitarre, beispielsweise in “Flachland”. Hast du eigentlich auch ‘ne feste Band?

DZIUK: Oh ja, und zwar eine sehr gute Liveband, die aus einem Kontrabassisten, einem Schlagzeuger und einem Gitarristen besteht. Dazu spiele ich dann abwechselnd Keyboard, Klavier, ein bisschen Orgel und Gitarre.

inMusic: Ich könnte mir vorstellen, dass du live mit deiner Band vielleicht etwas rockiger daherkommst?

DZIUK: Mmmh, ein wenig schräger vielleicht. Die ganzen Feinheiten der Platte, bei denen ich mir diesmal besonders große Mühe im Studio gegeben habe (teilweise bis zu 3 Gitarren übereinander), werden auf der Bühne der freien Improvisation überlassen. Das hängt dann mehr oder weniger an der Laune des jeweiligen Abends.

inMusic: Idealerweise würde ich mir für deine Auftritte kleine Clubs wünschen, wo der unmittelbare Kontakt zum Publikum gewahrt werden kann!

DZIUK: Ja, genau. Das sehe ich auch so. Es gibt  sogar viele Leute, die sagen, dass wir live noch besser rüberkommen als auf Platte.  Aber live und Studio sind halt zwei verschiedene Paar Schuhe. Ich hab’ diesmal einfach versucht, die technischen Möglichkeiten (Multitracks etc.) richtig auszunutzen, ohne den Sound zu überladen.

inMusic: Wie war denn das genaue Procedere im Studio?

DZIUK: Da die finanziellen Möglichkeiten begrenzt waren, habe ich für 10 Tage ein Studio gemietet und bin mit der Band dann rein. Wir haben dort die Basictracks aufgenommen (etwa 16 Stücke), die ich mir anschließend auf eine kleine Digitalmaschine überspielt habe. Und zu Hause habe ich dann mit aller Zeit an den Dingen rumgeschraubt, wobei ich mir erst den Job des Toningenieurs beibringen musste. Ich musste also erst lernen, bei welchen Bass- und Mid-Frequenzen die Gitarre am besten klingt usw. Aber das habe ich jetzt voll drauf. Es hat zwar einige Zeit gedauert, aber ich denke, es hat sich gelohnt...

inMusic: Kann man wohl sagen, ein Besuch in Dziuk’s Küche lohnt sich. Guten Appetit!

Rainer Guérich
CD: Hauptsache Wind (Ulftone/edel contraire)

 

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