HYPNOTIX
Die Wächter der Sprache

Hypnotix kommen aus Prag und führen den Hörer auf ihrer aktuellen CD in eine wahre Multikulti-Brodelküche. Treibender Bigbeat, mächtiger Dub und jede Menge Ethno-Feeling verschmelzen mit afrikanisch-arabischen Texten. Bassist Michal Ditrich erklärte uns, worum es bei ”Kumah -Spirit Of The Word” wirklich geht.

inMusic: Seit wann gibt es Hypnotix bzw. was kannst du mir über euren bisherigen, musikalischen Werdegang erzählen?

Michal: Nun, begonnen haben wir im Jahre 1986 als 7köpfige, lose besetzte Band. Wir vertrieben uns die Zeit in meiner Garage mit etlichen Jamsessions. Dabei war die Idee und unser Ansporn fast genau derselbe wie heute: Wir sind auf der Suche nach einer ganz speziellen Fusion zwischen neuer, elektronischer Musik - wenn du so willst, digitaler, moderner Musik - und purem Ethno, der aus den verschiedenen kulturellen Teilen der Erde kommt, in der Regel aber meistens aus Afrika. Wir befassten uns in der Folgezeit intensiv mit den verschiedenen, afrikanischen Rhythmen und lernten dank unseres senegalesischen Frontmannes Bourama schließlich auch ihren Gebrauch in althergebrachten Ritualen und Zeremonien. Parallel dazu setzten wir uns  immer mehr mit den Möglichkeiten des modernen Studio-Equipments auseinander. Als Band machten wir speziell im Jahre 1999 einen großen Sprung, als wir damit begannen, in unseren Sound Samplers zu integrieren und unser eigenes Aufnahmestudio einzurichten. Dies alles erschloss uns ungeahnte Möglichkeiten, die wir auf unserem neuen Album ”Kumah - Spirit Of The Word” erstmals richtig genutzt haben...

inMusic: Gibt es denn so etwas wie musikalische Vorbilder, an denen ihr euch bei eurer Ethno-Fusion orientiert habt?

Michal: Sicher, anfangs waren das vor allem Künstler aus dem afrikanisch-jamaikanischen Kontext. Zu unseren Favoriten zählen aber auch King Sunny Ade, Miles Davis, Jan Garbarek, Stewart Copeland und der Stoff auf Adrian Sherwoods On U Sound-Label. Dazu kommen noch die Asian-London-Szene, diverse Trance- und Drum’n’Bass-Sachen.

inMusic: Kannst du mir etwas über die Zeit erzählen, die ihr in eurem Studio mit den Aufnahmen verbracht habt?

Michal: Es war für uns ein ganz neues Erlebnis, da wir diesmal erstmals wirklich in der Lage waren, uns auf jedes noch so unwichtige Detail zu konzentrieren. Schließlich hatten wir ja keinerlei Zeitdruck, da wir uns kein kostspieliges Studio mieten mussten. Ein weiterer Vorteil für uns war die Zusammenarbeit mit dem Londoner Produzenten Kiron J, der uns mit Rat und Tat hilfreich zur Seite stand. Das hat dem tanzbaren Aspekt der Scheibe sichtlich gut getan, schließlich hat Kiron J. schon die Scheiben von solch namhaften Künstlern wie Boy George und der Light House Family veredelt.

inMusic: Was hat es denn mit dem CD-Titel ”Kumah-Spirit Of The Word” auf sich?

Michal: Wir wollen die Resolution der UNESCO unterstützen, die sich für den Erhalt weltweit gefährdeter Minoritäts-Sprachen einsetzt. Dieses Dokument besagt, dass es auf der Erde eine Vielzahl von nahezu toten Sprachen gibt. Und wenn sich niemand für den Erhalt dieser Sprachen einsetzt, werden sie verschwinden, genauso wie die Regenwälder. Deshalb sind unsere Texte auch nicht wie gewöhnlich in Englisch gehalten, sondern in verschiedenen (lokalen) westafrikanischen Sprachen: Wollof, Mandingo... Dazu gibt es noch viele altehrwürdige, arabische Dialekte zu hören. Dafür stehen die Songs auf ”Kumah - Spirit Of The Word”!

inMusic: Momentan seid ihr ja wieder mal in Deutschland fleißig am Touren, wie läuft es denn?

Michal: Wir sind sehr zufrieden, da wir uns seit 1991 in Deutschland schon so etwas wie einen festen Fankreis erspielt haben. Allerdings sehen wir ein Problem darin, dass unsere Auftrittsmöglichkeiten eher limitiert sind. Es sind eigentlich immer dieselben Lokalitäten, in denen wir unsere Konzerte geben können. Zudem ist es natürlich nicht einfach für unser kleines Label, unsere Platte außerhalb von Deutschland zu promoten.

inMusic: Dann drücke ich euch mal fest die Daumen, dass möglichst viele Leute die Qualitäten eurer Platte erkennen, ich habe selten eine so organische Ethno-Dub-Fusion gehört...

Rainer Guérich
CD: Kumah-Spirit Of The Word (African Dance Records/Nova Media)

(c) inMusic 2000-2002 alle Rechte vorbehalten