PUHDYS
“Wir wollen musikalisch am Puls der Zeit bleiben”

20 Longplayer haben die Puhdys in den letzten 32 Jahren veröffentlicht. Für eine Überraschung sind sie allerdings immer noch gut. Dies beweist ihr neues Album “Zufrieden?”, das in vielen Punkten ganz anders als erwartet klingt. Texter/Sänger Dieter “Maschine” Birr stand inMusic Rede und Antwort...

inMusic: Ich dachte gar nicht, dass ihr noch zu solchen Großtaten wie auf eurer neuen CD fähig wäret. Euer aktuelles Album klingt ausgesprochen variantenreich und ungemein frisch. Fast hat man den Eindruck, man hätte es mit einer Newcomerband zu tun!

Maschine (lacht): Schön, dass du das so siehst. Wir haben uns diesmal wirklich große Mühe gegeben und - darauf sprichst du wahrscheinlich an - auch versucht, neue Einflüsse in unserem Sound zu verarbeiten.

inMusic: Genau! Allen voran gleich der Opener “Totale Immunität.” Dieses Stück klingt vom Gesang her fast schon ein bisschen morbide. Dark-Wave von den Puhdys - das hätte ich nie und nimmer erwartet! Ich finde, das ist einer eurer besten Tracks auf der Platte!

Maschine: Nun, wir haben bei dieser Nummer im Studio einfach ein bisschen herumexperimentiert. Gerade weil ich der Meinung bin, dass man bei einem Stück immer erkennen sollte, in welchem Jahr es geschrieben wurde. Und “Totale Immunität” klingt zumindest nach dem Jahr 2000 bzw. 2001.

inMusic: Hat der Experimentierdrang auf der neuen CD vielleicht auch etwas damit zu tun, dass ihr nach eurem 30-jährigen Jubiläum im Jahre 1999 so etwas wie einen künstlerischen Schnitt gemacht habt, gewissermaßen nach dem Motto “Auf zu neuen Ufern!”?

Maschine: Nein, nicht unbedingt. Unser Antrieb liegt zweifellos in dem Bestreben, musikalisch  am Puls der Zeit zu bleiben. Und dazu gehört natürlich auch meine Arbeit bei Rocklandradio Sachsen-Anhalt. Ich moderiere da jeden Samstag eine sechsstündige Sendung von 12.00 bis 18.00 Uhr mit Rockmusik. Und da höre ich zwangsläufig sehr viel neue Musik, speziell Rockmusik. Insofern wird man dadurch schon in gewisser Hinsicht beeinflusst.

inMusic: Gibt’s denn bestimmte Bands, die du in deiner Radiosendung besonders gerne spielst?

Maschine: Och, da gibt’s ‘ne Menge: Rammstein, Papa Roach, Guano Apes, Inchtabokatables usw.

inMusic: Da kriegt man bestimmt sehr gut mit, auf welche Mucke die Leute gerade abfahren?

Maschine: Ja, schon. Aber es ist nun nicht so, dass wir uns vom Klang her eine bestimmte Band zum Vorbild nehmen würden. Es geht vielmehr um den allgemeinen, neuen Sound, der zu hören ist. Die derzeit angesagten Rockbands klingen vom Sound her nun mal anders als Deep Purple oder Black Sabbath vor 10 oder 20 Jahren noch geklungen haben. Und da wird man automatisch von den neuen Grooves und Rhythmen auf eine gewisse Art und Weise mitgerissen. Aber an einer Band kann man das nun wirklich nicht festmachen...

inMusic: Jedenfalls finden sich auf eurer CD eine Menge interessanter Rhythmen und Grooves. Und als Produzent fungierst du auf “Zufrieden?” auch...

Maschine: Ja, ich hab’ das Album zusammen mit André Kuntze produziert. Wir haben in der Vergangenheit schon sehr viel mit Nachwuchsbands gearbeitet, was momentan mangels Zeit allerdings etwas in den Hintergrund gerückt ist.

inMusic: Aber mit Puhdys-Kollege Peter “Eingehängt” Meyer schreibst du doch noch Kompositionen für andere Künstler, oder?

Maschine: Ja, wir haben erst vor kurzem für die Teenie-Popband ATC eine Nummer geschrieben, die den Namen “Until” trägt und auf dem aktuellen ATC-Album zu finden ist. Das ist zwar stilistisch etwas ganz anderes, macht uns beiden aber trotzdem großen Spaß. Vielleicht wird “Until” demnächst ja auch als ATC-Single ausgekoppelt... das wissen wir aber noch nicht genau.

inMusic: Finde ich gut, dass ihr euch für alle Arten von Musik interessiert!

Maschine: Na, ja. Musik ist halt ein weites Feld. Für die Puhdys käme solch eine Art von Musik zwar nicht in Frage, aber es ist schon klasse, wenn du dich mit allen Facetten und Spielarten der Musik beschäftigen kannst.  Wir haben in der Vergangenheit auch schon Filmmusik geschrieben...

inMusic: Was hat es denn mit der erotischen Covergestaltung auf sich? Gibt es dafür einen besonderen Grund oder handelt es sich lediglich um einen Eyecatcher (dt. Blickfang)?

Maschine: Wir hatten insgesamt über 30 verschiedene Covervorschläge, von denen wir schließlich 5 in die engere Wahl genommen hatten. Und dann haben wir andere Leute mitentscheiden lassen. Zum Beispiel wurden eine Woche lang in der Bildzeitung 5 Cover abgebildet, wobei die Leute dann telefonisch für ihr Lieblingscover stimmen konn ten.

inMusic: Was stand denn da vom Motiv her noch zur Auswahl?

Maschine (lacht): Na, das waren zum Teil doch sehr eigenartige Sachen, u.a. eine Couch mit Schafen oder ein Puzzle-Spiel, wo ein Teil rausgenommen wurde und ein Mann drauf stand.

inMusic: Warum heißt die CD “Zufrieden?”? Ein Titel mit demselben Namen findet sich ja nicht auf der Platte...

Maschine: Das ergibt sich zwangsläufig aus den Textinhalten. Es gibt im Leben immer Situationen, in denen man unzufrieden ist. Frag’ mal jemanden, ob er mit seinem Leben zufrieden ist. Da wirst du meistens zu hören bekommen: “Eigentlich ja, aber dies und das gefällt mir nicht.” Verstehst du, was ich meine?

inMusic: Das ist wohl wahr. Man weiß eigentlich nie zu schätzen, wie gut es einem geht, bis man dann wirklich einen triftigen Grund hat, unzufrieden zu sein. - Nochmal zur Platte: Wie lange wart ihr denn mit den Aufnahmen beschäftigt?

Maschine: Vom November 2000 bis April diesen Jahres, allerdings mit Unterbrechungen. Wir haben auch diesmal keine Demos gemacht, sondern direkt alles im Studio eingespielt und dann nach und nach an den Arrangements usw. rumgebastelt.

inMusic: Gab es denn Songs, die im Studio entstanden sind und den Weg nicht auf die Platte gefunden haben?

Maschine: Ja, da gab’s schon einige. Aber ich denke, dass wir letztendlich doch die geeignetsten Songs ausgewählt haben. Mal schau’n, vielleicht arbeiten wir an dem übrig gebliebenen Material irgendwann mal weiter. Das Zeug ist jedenfalls nicht weggeschmissen.

inMusic: Auf drei Stücken ist auch eine Sängerin namens Kathleen zu hören. Wie seid ihr denn an die gekommen?

Maschine: Kathleen verfügt über eine klassische Ausbildung an ihrer Stimme. Sie arbeitet im Büro der Enterprises-Studios, wo wir die Platte aufgenommen haben. Und da haben wir sie auf der CD gleich mit eingesetzt.

inMusic: Stimmt es, dass ihr demnächst mit den Aufnahmen an einem Puhdys-Weihnachtsalbum beginnt?

Maschine: Ja, das ist richtig. Allerdings wird das dann kein Album mit nachgespielten Weihnachtsliedern werden, sondern ausschließlich eigenes Material von uns enthalten, das in diese besinnliche Zeit passt.

Rainer Guérich
CD: Zufrieden? (BMG Berlin)

 

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