SARA K.
Was wirklich zählt

Wenn die Texanerin Sara K. ein Album veröffentlicht, kann man sicher sein, dass es sich um einen akustischen Edelstein handelt. Dies gilt auf ”What Matters” um so mehr, da  die Sängerin mit der fesselnden Altstimme und der dezent im Hintergrund agierenden Begleitband den Hörer diesmal besonders behutsam durch die spartanisch instrumentierten Songs führt.

Die nötige Ruhe und Entspannung, um Songs schreiben zu können, findet Sara im tiefsten Süden der Vereinigten Staaten, genauer gesagt in New Mexico, wo es außer Karnickeln und Trucks nicht allzu viel gibt. Sie ist gewissermaßen eine moderne ”Nomadin”, die strikt mit akustischem Marschgepäck bewaffnet, in den letzten 9 Jahren die Singer/Songwriter-Szene zum Umdenken bewogen hat. Nicht zuletzt deshalb, weil sie es wie keine andere ihrer Kolleginnen versteht, mit ihrer Stimme eine fast schon andächtige Stimmung zu zaubern. Ihre Inspirationen holt sich Sara oftmals bei ihrer Tochter Seana, die das unstete Leben der Texanerin in den letzten Jahren gehörig umgekrempelt hat. Saras Erfolg beruht aber auch auf der gelungenen Zusammenarbeit mit den New Yorker Brüdern David und Norman Chesky, auf deren Chesky-Label mittlerweile fünf Alben eingespielt wurden. CDs wie ”Closer Than They Appear”, ”Play On Words” und ”Hobo” begeisterten die Fachpresse weltweit durch ihre zeitlose Schönheit und Klarheit. Mit Auszeichnungen wie ”Queen Of Audiophile” oder ”Die perfekte Aufnahme” wurde Sara regelrecht überhäuft.

Mit ihrem neuen Album ”What Matters” setzt Sara diese Tradition nun nahtlos fort, wenngleich die neuen Songs weitaus besinnlicher klingen als alles, was die charismatische Künstlerin bisher einspielte. Der Grund ist in dem kompletten Line-Up-Tausch ihrer bisherigen Begleitcrew zu suchen. Lediglich Gitarrist und Dobrospieler Bruce Dunlap ist von der Besetzung ihres 97er Studioalbums ”Hobo” (darauf folgte noch der Livemitschnitt ”No Cover”) übriggeblieben. ”Der Klang von ‘Hobo’ war sehr deutlich von rhythmischen Gitarren und lebendigen Percussions geprägt”, so sieht Sara K. den wesentlichsten Unterschied zum Vorgänger. ”Auf ‘What Matters’ wollte ich dagegen sehr diffizile Stimmungen erzeugen. Durch die Hinzunahme des Akkordeons (gespielt von Gil Goldstein) klingen Songs wie ‘Bebe’s Waltz’ und ‘Ivory Cage’ nicht nur äußerst atmosphärisch, sondern schon geradezu frankophil.” Treu geblieben ist sich Sara K. aber wie schon bei den letzten beiden Aufnahmen bei der Wahl des Aufnahmeortes: ”Die  St. Peter’s Episcopal Church in New York City ist für mich einfach ein magischer Ort.” Sara beschreibt die Atmosphäre der Kirche aus dem 19. Jahrhundert, die mitten in New York im Künstlerviertel Chelsea gelegen ist, so: ”Immer, wenn ich durch ihre Türe gehe, streife ich die ganze Umwelt und alle Sorgen ab - der Rest der Welt ist praktisch nicht mehr existent.” Nach nur 4 Tagen waren die 11 neuen Songs im Kasten. Natürlich nicht ohne das Letzte aus allen beteiligten Musikern herauszufordern. Schließlich sind Overdubs und eventuelle Nachbearbeitungen bei der audiophilen Chesky-Philosophie tabu. Die Takes mussten also nach wenigen Proben sitzen. Ein Problem, das Sara und ihre Sidecrew mit Bravour gelöst haben. Gewidmet hat Sara   die CD übrigens ihrem 1999 verstorbenen Hund Monsieur Bebe-dog, von dem sie im Schlussstück ”Bebe’s Wake” liebevoll Abschied nimmt.

Bernd Lorcher
CD: What Matters (in-akustik)

 

(c) inMusic 2000-2002 alle Rechte vorbehalten