NAUTILUS
Solar Moon

Die deutsche Formation NAUTILUS macht ebenso intelligente wie phantasievolle, elektronische Musik. Anlässlich ihres dritten Albums “Solar Moon” unterhielten wir uns mit Keyboarder Martin Ludwig.

inMusic: “Solar Moon” ist euer drittes Album und gleichzeitig das erste, das bei Prudence Music veröffentlicht wird. Worin liegen denn deiner Meinung nach die Unterschiede zu den beiden Vorgängern “Rising Balloon” (1998) und “Underground Visions” (1999)?

Martin: Der Hauptunterschied liegt darin, dass wir auf dem neuen Material wesentlich stärker mit der Gitarre arbeiten.

inMusic: Das heißt also, dass Gitarrist Werner Strätz wohl noch nicht allzu lange zum Nautilus-Line-Up gehört?

Martin: Werner war auf “Rising Balloon” lediglich auf einem und auf “Underground Visions” bei zwei Stücken als Gast dabei. Auf “Solar Moon” haben Ralph Obel (sampler, synths) und ich ihn nun als festes Bandmitglied integriert.

inMusic: Mir gefällt auf “Solar Moon” vor allem, dass ihr das Feld der elektronischen Musik ziemlich weiträumig beackert. Von Ambient, Trance- und Progressive-Einflüssen reicht das Spektrum bis hin zu wilden Sequencer-Attacken!

Martin: Das hängt vor allem an dem Input von Ralph, der von der kompositionellen Seite her auch schon mal andere Sachen macht.

inMusic: Ist Ralf denn noch in andere Projekte involviert?

Martin: Nein, er hat ursprünglich unter dem Namen Aquarius angefangen und auch zwei CDRs und zwei Tapes rausgebracht.  Wir haben für “Solar Moon” einige dieser Stücke in Neufassungen aufgenommen. “Enter The Moonlight Gate” ist zum Beispiel ein Track, der von Ralph in der Urfassung früher in Kleinauflage unter die Leute gebracht wurde.

inMusic: Auf “Ticket To Light”, dem zweiten Stück der Platte, sind einige Sampler-artige Sequenzen zu hören. Stammen die von Ralf?

Martin: Ja, diese Samplergeschichten sind allesamt von Ralf. Ich selbst besitze auch gar keinen Sampler, sondern arbeite nur mit Synthies und Keyboards.

inMusic: Ist in deiner Arbeitsweise denn der Computer eingebunden bzw. setzt du einen Harddisk-Rekorder oder etwas Ähnliches ein?

Martin: Einen Sequencer habe ich schon, aber meistens ist es doch so, dass meine Kompositionen nach und nach auf dem Synthesizer entstehen.

inMusic: Wie findest du mit Ralf beim Komponieren denn einen gemeinsamen Nenner, eure Arbeitstechniken scheinen ja grundverschieden zu sein?!

Martin: In aller Regel läuft es bei uns so ab, dass zuerst jeder seine Sachen für sich selbst macht. Dann treffen wir uns und schauen, ob wir unsere jeweiligen Ideen noch mit bestimmten Zutaten ergänzen können. Erst dann kommt es zu der eigentlichen Aufnahme, an der dann auch Werner beteiligt ist.

inMusic: Das hört sich ja so an, als ob ihr Drei euch nicht allzu oft trefft!

Martin: Das geht aus räumlichen Gründen auch gar nicht. Werner wohnt in der Nähe von Bamberg, meiner alten Heimat, und Ralf kommt aus der Nähe von Karlsruhe. Tja, und mich hat’s nach Köln verschlagen. Dann kommt noch erschwerend hinzu, dass wir drei in unserer sonstigen Zeit einem ganz normalen Job nachgehen müssen. Wenn wir proben wollen, können wir das praktisch nur am Wochenende machen.

inMusic: Und wo liegt euer Proberaum: im Rheinland, in Franken oder in der badischen Provinz?

Martin: Hier bei mir in Köln, und zwar im Studio eines befreundeten Schlagzeugers, den wir demnächst auch in unseren Gruppensound integrieren wollen.

inMusic: Interessant, obwohl man Drums ja auch synthetisch erzeugen kann...

Martin: Es handelt sich schon um ein elektronisches Schlagzeug. Das eröffnet unserem Klangbild aber trotzdem neue, rhythmische Möglichkeiten.

inMusic: Gab es von Nautilus in der Vergangenheit schon Liveauftritte?

Martin: Wir sind gerade dabei, unser Liveprogramm einzuüben. Leider hat unser Auftritt bei dem Schwingungen-Festival in London nicht geklappt, da es wegen der MKS abgesagt werden musste. Aber im Oktober wird es bei dem von BSC Music veranstalteten Elektronic Age-Festival in München ganz bestimmt klappen.

Rainer Guérich
CD: Solar Moon (Prudence/Zomba)

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