INDIAN TEA COMPANY
Tee als Transportmittel

Die Indian Tea Company kommt aus Hamburg und serviert uns auf ihrer aktuellen CD “Premonition” eine interessante Variation indisch beeinflusster Popmusik. inMusic sprach mit Sänger und Sarod-Spieler Guido Goh.

inMusic: Ich hab’ gelesen, dass ihr euren Sound gegenüber eurem Debüt “Trinity” schon in wesentlichen Punkten verändert habt...

Guido: “Premonition” unterscheidet sich  von “Trinity” vor allem durch die Auswahl des musikalischen Materials, das deutlicher an das herankommt, was wir live spielen. Die Produktion ist wesentlich druckvoller, da wir dieses Mal im Gegensatz zu unserer ersten Platte ein Live-Schlagzeug eingesetzt haben. Bei “Trinity” geschah doch vieles auf elektronischer Ebene.

inMusic: Aber ihr seid nach wie vor zu dritt?

Guido: Ja, wobei wir uns auf der Bühne auch schon mal diverse Gastmusiker einladen. In der Regel sind wir live zu viert.

inMusic: Auffällig ist bei eurem indischen Ethnopop der immer wiederkehrende Einsatz eines Instrumentes, das ähnlich wie eine Sitar klingt...

Guido: Hierbei handelt es sich um eine Sarod. Das ist ein indisches Saiteninstrument, das im Gegensatz zur Sitar bundlos ist. Bei der Sitar kannst du also an verschiedenen Punkten definierte Töne abgreifen, was bei der Sarod nicht der Fall ist. Von der Spielweise her kann man die Sarod sehr gut mit einer Geige vergleichen.

inMusic: Und welche spielerischen Möglichkeiten eröffnet diese Bauweise dann dem Künstler?

Guido: Du hast dadurch die Möglichkeit, gesangsartige Stimmen zu erzeugen. In der indischen Musik gibt es ohnehin keine Akkorde im herkömmlichen Sinne. Das heißt, die musikalischen Stimmungen bilden sich in Skalen, also musikalischen Tonfolgen (vergleichbar mit der menschlichen Stimme) ab. Und die Tatsache, dass die Sarod keine definierten Tonabstände hat, ermöglicht dieses für die indische Musik ganz typische Gleiten in die verschiedenen Tonskalen. Die Töne können also stufenlos in verschiedenen Phrasierungen gestaltet werden.

inMusic: Stellt sich natürlich die Frage, wie ihr auf die Melange aus Pop und indischer Ethnomusik gekommen seid?

Guido: Das ist eine sehr lange Geschichte. Man kann aber soviel sagen, dass wir uns im Grunde als eine Popband verstehen, die verschiedene Einflüsse verwertet. Dabei stellt die indisch-asiatische Musik lediglich eine bestimmte Komponente dar. Wir haben auch gar keinen Anspruch, original-indische Musik zu machen. Ich hab’ zwar selbst indisch-klassische Musik bei einem Sitar-Meister und Sarod-Spieler erlernt, aber das hat nur ansatzweise etwas mit den Originalen zu tun.

inMusic: Warst du zum Sitar-/Sarod-Studium selbst in Indien?

Guido: Ja, mein Lehrer war aber dankenswerter Weise oft in Europa auf Tour. Dabei konnte ich durch seine mehrwöchigen Aufenthalte in Hamburg das klassische Instrumentenspiel erlernen. Und was wir nun mit der Indian Tea Company machen, ist gewissermaßen eine Abwandlung des Erlernten. Ich hab’ mir überlegt, wie man das Ganze mit Popmusik verschmelzen kann, was als stilistische Kreuzung schon eine sehr spannende Angelegenheit ist.

inMusic: Die Beatles haben so was ja schon mal Ende der 60iger Jahre ausprobiert, aber so konsequent, wie ihr das macht, ist mir bis dato noch keine Band begegnet!

Guido: Das ist vor allen Dingen in Deutschland so, dass man in der Richtung nicht wahnsinnig viel findet. Aber es ist durchaus so, dass die folkloristisch-asiatischen Einflüsse in England, Frankreich, Italien und den USA  schon häufiger anzutreffen sind.

inMusic: Kannst du mir etwas über eure demnächst stattfindende “Asian Dance Night”, der Releaseparty zu eurem neuen Album, erzählen?

Guido: Bei der “Asian Dance Night” (auch Asian DJ Night) legt ein uns  musikalisch vertrauter DJ zu dem Thema indisch beeinflusste, elektronische Musik auf. Und später am Abend werden wir dann die Songs unseres aktuellen Albums “Premonition” vorstellen.

inMusic: Also gewissermaßen als Sahnehäubchen!

Guido: Das hoffen wir zumindest. Parallel zu unserem Auftritt wird auch ein Video-Filmteam verschiedene Clips an die Bühnenrückwand projizieren. Also indische Geschichten, aber auch Ausschnitte aus den bisherigen Auftritten der Indian Tea Company. Es wird also ein multimediales Event mit Live-VJ-ing (Zeitraffer, Bildverzerrung usw.) geben, gewissermaßen als audio-visuelle Themencollage zu “Premonition”.

inMusic: Abschließend noch eine Frage zu eurem schmackhaften Bandnamen. Habt ihr das Wörtchen “Tea” in eurem Logo, weil in Asien und Hamburg gerne und viel Tee getrunken wird?

Guido (lacht): Wir sind tatsächlich begeisterte Teetrinker. Wir dachten uns, dass der Tee, der schon seit vielen Jahrhunderten in allen möglichen Geschmacksrichtungen zu finden ist, ein schönes Synonym (Transportmittel) für die musikalische Offenheit innerhalb unserer Band ist.

inMusic: Hast du noch einen Teetipp für unsere Leser?

Guido: Grüner Tee mit Ingwer, darauf schwört unser Keyboarder!

Rainer Guérich
CD: Premonition (Town House/newmusic)

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