TIM FINN
In der Provinz darf ich stets der ausgefallene Typ sein

Nach verschiedenen musikalischen Projekten legt der neuseeländische Sänger, Gitarrist und Songwriter Tim Finn ein eigenes Album vor, dessen Vielschichtigkeit  beeindruckt. Vergleiche mit Tims alter Band Split Enz (aufgelöst 1985) liegen auf der Hand, würden der spröden Schönheit von “Say It Is So” aber nicht gerecht werden.

inMusic: Hallo Tim, mit “Say It Is So” legst du nach sieben Jahren mal wieder ein Soloalbum vor. Dazwischen hast du mit Liam O’Maonlai und dem irischen Sänger Andy White 1995 ALT (steht für Andy, Liam, Tim) gegründet. Im selben Jahr warst du zudem mit deinem jüngeren Bruder Neil als die Finn Brothers erfolgreich. 1998 folgten dann Kompositionen für Steel City. Welchen Platz räumst du deiner Solo-CD ein?

Tim: Mein neues Album “Say It Is So” betrachte ich als meine erste authentische Platte: brutale Eleganz paart sich mit ungestümer Ruhe. Das Leben betrachte ich als Spiel zweier Hälften. Meine andere Hälfte wird immer das “Rockin’” bleiben.

inMusic: Die Aufnahmen entstanden in Nashville, der Hauptstadt von Tennessee. Warum ausgerechnet dort?

Tim: Die Gegend dort ist einfach wunderschön. Ich mag bodenständige Plätze mehr als hektische Modernität, weil ich in der “Provinz” stets der ausgefallene Typ sein darf. - Außerdem hab’ ich in Nashville einen zuverlässigen Drummer, sowie den großartigen Songwriter Lucinda ausfindig gemacht. Natürlich bin ich nicht - wie manch einer annehmen könnte - hierhergekommen, um eine Countryplatte einzuspielen! Ich wollte mich zunächst mal mit dem Produzenten Joy Joyce treffen.

inMusic: Joy Joyce? Hat er ebenfalls ein Faible für das ländliche Territorium?

Tim: Keine Ahnung. Er stammt aus Cleveland. Soviel ich weiß, verabscheut er Country Music so sehr, dass man in seiner Gegenwart dieses Wort nicht einmal aussprechen darf! Er ist Gitarrist bei Lodine, hat aber auch schon mit Leuten wie Patti Griffin, Iggy Pop, The Wallflowers und auch Marcy Grey zusammengearbeitet.

inMusic: Zwei Songs deiner CD haben es mir besonders angetan: “Shiver” und “Roadtrip”. Was fällt dir spontan zu den einzelnen Songs ein?

Tim: Tja, “Roadtrip” vertreibt die Langeweile, wenn du eine Meile nach der anderen runterreißt. “Twinkle” hab’ ich für meinen zwei Jahre alten Sohn Harper geschrieben. Bei “Death Of A Popular” denke ich bloß, dass gute Songs niemals untergehen können. “Currents” soll dem Zuhörer sagen: “Mensch, halt’s Maul und hör’ einfach zu!” Unser 18 Jahre alter Aufnahmeleiter durfte hierbei die Drums bedienen. “Need To Be Right” fegt wie ein Sturm an dir vorbei...

inMusic: Man erzählt sich, dass deine Frau Marie streckenweise an der CD mitgearbeitet hat. Stimmt das?

Tim: Klar doch! 3 oder 4 Songs haben die Eheleute Marie und Tim Finn gemeinsam zustande gebracht. Marie kann nicht nur gut mit Worten umgehen, sie ist auch sehr musikalisch. Weil sie zuvor nie etwas komponiert hat, geht sie unverbraucht und naiv an die Sache heran. Es sprudelt förmlich aus ihr heraus. Sie hat mir besonders bei den Textpassagen geholfen, indem sie sie die Tunes in die richtige Bahn gelenkt hat.

inMusic: Ihr seid sehr eng miteinander verwoben...

Tim: Ja, eine echte Familiengemeinschaft. Morgens stehen wir gutgelaunt auf und tänzeln zu den aufgelegten Platten in der Küche herum. Als wir in Nashville waren, haben wir uns die Arbeit durch Spaziergänge, Stadtbummel und Donuts-Essen versüßt.

inMusic: Wie sehen deine Zukunftspläne aus?

Tim: Diese Woche habe ich mit den Arbeiten zu einer neuen CD begonnen. Songs zu schreiben ist wie ein innerer Zwang bei mir. Nächstes Jahr möchte ich in Europa mit einer 3 Personenband Konzerte geben.

inMusic: Welche Gedanken schießen dir durch den Kopf, wenn du an die deutschen Fans denkst?

Tim: Hab’ ich überhaupt noch eine deutsche Fangemeinde? - Wenn ja, dann: Hello, keep listening. We are all better than ever. Es kann nur noch besser werden...

Verena Sturm

(c) inMusic 2000-2002 alle Rechte vorbehalten