ALPHAWEZEN
Elektronische Musik für Gesang und Melodie

Alphawezen steht für die kongeniale Verbindung instrumentaler Elektronikmusik mit wunderschönem weiblichen Gesang. Wir unterhielten uns mit Mastermind Ernst Wawra.

inMusic: Was hat es denn mit dem Projektnamen Alphawezen auf sich?

Ernst: Das ist ein Phantasiename, den ich beim Durchblättern meines Sternenatlas kreiert habe. Und zwar gibt es im Sternbild des großen Hundes einen Stern, der sich “Deltawesen” (“Wesen” ist im Arabischen das Gewicht) nennt. Das ist der vierthellste Stern. Und da die Sterne nach ihrer Helligkeit gemäß des Alphabets bezeichnet werden (Alpha ist also der hellste Stern), habe ich daraus das Wort “Alphawezen” gemacht. “Wezen” ist die holländische Übersetzung für “Wesen” und wurde von mir deshalb gewählt, weil man so den Namen im Englischen besser aussprechen kann.

inMusic: Wenn du schon zuhause einen Sternenatlas hast, bist du vielleicht so etwas wie ein Hobbyastronom?

Ernst: Nein, eigentlich nicht. Das rührt eher aus meiner Jugendzeit. Obwohl mich nach wie vor Kometen faszinieren. Vor ein paar Jahren konnte man ja einige Kometenschweife am Sternenhimmel beobachten.Aber ein richtiger Sternengucker bin ich nicht...

inMusic: Bei der Bayern 3 “Spacenight” würde sich ein Song von dir zur Untermalung galaktischer Sternenbilder auch nicht schlecht machen...

Ernst: Ja, das wäre schon ‘ne tolle Sache, die passen würde. Vielleicht treten die Leute des Elektrolux-Labels ja diesbezüglich mal an mich ran...

inMusic: Solo bist du unter dem Pseudo AERIC ja auch in der experimentellen Housemusik unterwegs und hast auch schon Platten/Maxis auf Ladomat veröffentlicht. Also eine ganz andere Geschichte als bei Alphawezen, wo du ja erstmals mit einer Sängerin zusammenarbeitest...

Ernst: Das stimmt. AERIC bin ich alleine, aber in das Projekt Alphawezen sind viele Leute involviert, allen voran natürlich die Sängerin Asu Yalcindag.

inMusic: Man könnte auch nicht behaupten, dass AERIC nun erwachsen geworden ist und ruhigere Musik macht?

Ernst: Nein, absolut nicht. Es gibt sowohl AERIC als auch Alphawezen, allerdings auf den jeweiligen Labeln Ladomat und Mole Listening Pearls.

inMusic: Wie hast du eigentlich Asu, die über eine wirklich wunderbare Stimme verfügt, getroffen?

Ernst: Das waren eigentlich gleich mehrere Zufälle. Mir schwebte schon seit längerem vor, mal ein Stück zusammen mit einer Sängerin zu machen. Über diesen Wunsch habe ich mich dann eines Tages mit einem befreundeten Gitarristen unterhalten, der hier in Aachen in einem Café jobbt. Ich kam gerade vom Joggen und hatte bei ihm für mich und meine Freundin zwei Apfelschorle bestellt. Und da schrieb er auf den Bierdeckel AS und zwei Striche, was gelesen wie “ASU” aussah. Als er dann zurückkam und das nochmal las, meinte er: “Ja, Asu, die müsstest du mal kennenlernen!” Asu hatte zu diesem Zeitpunkt gerade eine CD mit ihrer Gitarrenband aufgenommen, die ich mir dann auch sofort anhörte. Ich dachte nur: “Ja, die oder keine!” Nach der Kontaktaufnahme schickte ich ihr dann meine Instrumentalstücke, wozu sie die Texte schrieb. Das erste Stück, das so entstand, war “Gai Soleil”. Asu lebt in Düsseldorf, und wir tauschen uns seitdem regelmäßig aus.

inMusic: Von der musikalischen Konzeption her musstest du mit der neuen Zutat “Gesang” bestimmt beim Songschreiben umdenken?

Ernst: Bei “Gai Soleil” schrieb Asu den kompletten Text zu dem fertigen Instrumental. Bei “Into The Atars” und “Electricity Drive” hab’ ich das schon im Vorfeld für Gesang und Melodie komponiert, wobei wir das dann anschließend gemeinsam vollendet haben.

inMusic: War diese Vorgehensweise für dich eigentlich eine große Umstellung?

Ernst: Es war eher eine produktionstechnische Herausforderung (Ernst ist gleichzeitig auch Produzent), die sich aber sehr angenehm gestaltete, da wir zu zweit äußerst kreativ und fließend arbeiten konnten. Auf unserer nächsten Platte werden mit Sicherheit noch mehr Vocalstücke als auf dieser CD zu finden sein.

inMusic: Im Booklet steht, dass du die Platte einer Yonca gewidmet hast...

Ernst: Ja, das war eine sehr gute Freundin von mir, die leider vor 2 Jahren im Alter von 25 Jahren bei einem Autounfall verstarb. Yonca war auch Sängerin, und ich hatte mit ihr zusammen Musik gemacht. Leider gibt es davon nur wenig Tonaufzeichnungen. Am Ende der CD gibt es einen versteckten Track, wo wir beide wild improvisieren. Ich denke, Yonca hätte “L’ Après-Midi d’un Microphone” mit Sicherheit gefallen. Gerade habe ich Yoncas Eltern besucht und ihnen meine CD überbracht...

Rainer Guérich
CD: L’ Après-Midi d’un Microphone (Mole Listening Pearls/Intergroove)

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