CLUESO
HipHop-Detektiv

Der junge HipHop Head Clueso (sprich: Klüso) veröffentlicht mit “Text und Ton” sein erstes Album, das so gar nicht in den gewohnten HipHop-Kontext passt...

inMusic: Clueso? Gab es da in den Pink Panther Filmen nicht einen Inspektor gleichen Namens?

Clueso: Ja, genau, gespielt von Peter Sellers!

inMusic: Und du warst damals ein Megafan dieser Filmreihe, oder wie kamst du zu deinem Spitznamen?

Clueso: Eigentlich nicht. Das rührt noch aus einer Zeit, als ich noch wild mit verschiedenen Samples herumexperimentierte. Und immer, wenn ich dann Besuch in meiner Wohnung bekam, meinten meine Freunde: “Hey, wir betreten jetzt das Studio von Chefinspektor Clueso!” Der Name hat sich dann wohl irgendwie festgehakt...

inMusic: Ursprünglich kommst du ja aus Erfurt, bist aber vor ca. anderthalb Jahren nach Köln übergesiedelt, wo du dir nun ein “richtiges” Studio eingerichtet hast. Stimmt es, dass das Studio unmittelbar am Dom gelegen ist?

Clueso (lacht): Ja, das sind allerdings mehr so alte Katakomben, die ursprünglich von der Deutschen Bundesbahn stammen, und die ich mit Freunden dann zum Studio umgebaut habe. Das ist mittlerweile ein ziemlich großer Komplex mit Büroräumen und zwei Studios. Allerdings sind die Fenster sehr schmal und klein...

inMusic: Kommt denn dann noch Tageslicht in die Räume?

Clueso: Na, eigentlich recht wenig...

inMusic: Und in dieser gruftigen Behausung entstanden doch recht sonnengetränkte Vibes (u.a. auf “Migrate Souls”, “Spiel da nich mit”), die auf der Platte auch zu hören sind?

Clueso: Ja, ziemlich kurios, oder? Wir sind aber natürlich öfters ans Tageslicht gegangen (lacht)...

inMusic: Musikalisch sind die einzelnen Takes sehr offen gehalten: Drum’n’Bass-Sequenzen, Ragga, etwas Jazz, natürlich alles sehr hiphoppig...

Clueso: Ich hab’ da keinerlei Berührungsängste. Wenn ich im Studio bin, leg’ ich einfach los und guck’, was dabei rauskommt...

inMusic: Wie lange warst du mit dem Album insgesamt beschäftigt?

Clueso: Das kann ich dir eigentlich gar nicht genau sagen. Ich hab’ soviele Tracks geändert und wieder verworfen. (lacht) Man sagt ja, dass man für sein erstes Album sein ganzes Leben lang Zeit hat. Der älteste Song auf der CD ist vielleicht anderthalb Jahre alt, aber ich habe diese Zeitspanne nicht kontinuierlich an dieser Platte gearbeitet. Das trifft eher auf die letzten Monate zu. Aber wirklich zufrieden bist du als Künstler mit deinen Songs ja nie. Ich hatte immerzu den Drang, etwas verändern zu wollen. Das ging sogar soweit, dass meine Plattenfirma schließlich meinte: “Komm, nun lass’ die Songs so, das ist doch geil!”

inMusic: Welche Tracks sind denn quasi in der letzten Schaffensphase entstanden?

Clueso: Ziemlich am Schluss sind u.a. “Gib mir Mut” und  “Sweet Memories” entstanden. Bei “Deine Stimme” sind die Texte schon etwas älter, aber der Track wurde wieder neu aufgenommen.

inMusic: Und was ist mit der aktuellen Single “Sag mir wo”?

Clueso (lacht): Die Nummer ist zwar schon ein Jahr alt, aber ich finde den Song vom Feeling her mit am stärksten auf der Platte.

inMusic: Gibt es aus deiner Sicht gewisse Entwicklungen, die du innerhalb dieser Zeitphasen gewissermaßen auf der Platte durchgemacht hast?

Clueso: Die gibt es sicher, vor allem vom Reimschema her. Ich bin sogar jetzt diesem Album wieder einige Schritte voraus, aber das ist eigentlich eine ganz normale Sache.

inMusic: Welche Gäste sind denn auf der CD zu hören?

Clueso: Auf dem zweiten Lied rappt als erstes Stear M. Ich kenne ihn noch von meinen ersten Bands WOSTOK MOB (eine Thüringer Keuchose aus DJs, MCs und Graffiti-Sprühern) und EFP (Erfurt Projekt). Es gibt allerdings nicht allzu viele Features, da “Text und Ton” doch wirklich ein sehr persönliches Ding von mir geworden ist.

inMusic: Und wer ist für die englischen Raps verantwortlich?

Clueso: Das ist Leygwan Sharky, den ich über METAPHYSICS kennengelernt habe, mit dem ich in einer WG wohne und der auf der Platte auch dabei ist.

inMusic: Warum trägt die Platte den ziemlich allgemeingültigen Titel “Text und Ton”?

Clueso: Ich hab’ mir ehrlich gesagt erst während der abschließenden Arbeit an dem Album darüber Gedanken gemacht. Ich wollte einfach, dass der Titel nicht aufgesetzt klingt, sondern schlicht und ergreifend das umschreibt, was es ist: Text und Ton.

Rainer Guérich
CD: Text und Ton (Four Music/Sony)

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